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Heinz Mack Silver Stele Castello di Brolio

Heinz Mack, 2011

Heinz Mack x Castello di Brolio

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“Meine Vorliebe für euklidische, also einfache, strenge Formen, erlaubt es, dass ich sie der Natur aussetzen kann, weil sie sich in deren komplizierter Formenwelt leichter behaupten können.”

Eine großartige Synergie von Heinz Mack undFrancesco Ricasoli: Stilisiertes mittelalterliches Ambiente und das Spiel zwischen Raum, Zeit und Licht. Ein Wechselspiel zwischen Kunst und Wein. Das Kunstwerk „Silver Stele“, entworfen vom Künstler Heinz Mack, Mitbegründer der Zero Bewegung und mehrfacher Teilnehmer der Documenta, ist eines der Highlights der Artthunt. Francesco Ricasoli, Hausherr des Castello di Brolio und Winzer, gibt diesem Kunstwerk einen passenden Raum. Durch die Symbiose zwischen Kunst und  Architektur entsteht, beginnend im Tudorstil bis hin zur euklidischen Form, ein besonderes Spannungsfeld. Wir sprachen mit Heinz Mack über sein Kunstwerk und bringen drei Weine aus dem Castillo di Brolio mit in den Dialog ein.

Das Interview mit Heinz Mack


Ihre Installation steht zur Zeit im Weingut in der Toskana, eingebettet in idyllische Weinberge. Ein guter Platz?

Ich kann den Raum nicht von der Skulptur trennen. Stelle ich eine Skulptur in verschiedenen Räumen auf – sei es ein Innenraum, sei es ein Außenraum – so wird ihre Erscheinung eine jeweils andere sein.

Im Idealfall kommen ein bestimmter Raum, ein bestimmtes Licht und ein bestimmter Betrachter zusammen.

Dies scheint selbstverständlich, ist es aber nicht.

Auf der Terrasse des Castello di Brolio in der Toskana erstrahlt meine Silber-Stele im mediterranen Sonnenlicht. Ihre Erscheinung und Präsenz steht im Kontrast zum Dekor und zur Architektur des Castellos. Der ausgeprägte Charakter der Stele muss daher als Gegenpart zu ihrem Umfeld betrachtet werden. Das Material der silbernen Mosaiken hebt sich von den Mauern des Castellos ab, da es seinen eigenen Wert und seine eigene optische Kraft hat.

Ihr Kunstwerk „Silver Stele“ verarbeitet Licht als Objekt. Warum?

Lebendig werden meine Skulpturen, wenn sie das richtige Licht haben. Denn sie sind Gegenstände des Lichts, Instrumente des Lichts und Ausdruck seiner Energie.

In der Natur hat das Licht stets ein „richtiges“, d.h. bestmögliches Verhältnis zu Raum und Zeit; es ist einzig und nicht austauschbar.

Obwohl es so scheinen mag, dass ich meine Arbeit ausschließlich dem Licht gewidmet habe, so muss ich jedoch erklären, dass es allein meine Absicht war und noch immer ist, Gegenstände zu machen, deren Erscheinungsweise immateriell ist; hierzu dient mir – vor allem anderen – das Licht und die Bewegung.

Die Mosaikoberfläche der Silber-Stele verleiht dem mächtigen Pfeiler bei Sonneneinstrahlung eine immaterielle Erscheinungsweise.

Silver Stele ist ein rechtwinkliger Körper. Warum diese vollkommene Form?

Meine Vorliebe für euklidische, also einfache, strenge Formen, erlaubt es, dass ich sie der Natur aussetzen kann, weil sie sich in deren komplizierter Formenwelt leichter behaupten können.

Im Vergleich zur eleganten Säule ist ein Pfeiler strenger, elementarer, archaischer und in seiner prismatischen Form skulpturaler. Die Pfeilergröße von 6 Metern, das Material Mosaik sowie die silberne Farbe verstärken diesen Ausdruck.

Was ist ihr erster Gedanke der Ihnen in den Sinn kommt, wenn man „Zero“, etwas, das von einem alten Zustand in einen neuen Zustand übergeht, im Heute betrachtet?

ZERO wurde 1957/58 in Düsseldorf gegründet und ist als Neuanfang in der Kunst zu verstehen. Gemeinsam mit Otto Piene und vielen anderen Künstlern – später auch Günther Uecker – entdeckten wir neuartige Gestaltungsprinzipien und ästhetische Ideen, in denen Licht und Bewegung dominieren, um das tradierte Kunstverständnis zu überwinden. Obwohl meine Werke der ZERO-Zeit inzwischen eine Renaissance erleben, ist dies inzwischen Geschichte.

Meine Silber-Stele kann insofern als Umwandlung begriffen werden, als dass sie sich auf antike Vorbilder bezieht. Seit jeher begreife ich meine Stelen als eine letzte Formulierung des Menschen, der aufrecht – mit Würde – im grenzenlosen Raum steht. Mein Pfeiler steht in einem historischen Bezug zu den Grabstelen der Griechen, die vertikale Entsprechungen des horizontalen Grabes darstellten.

Wein ist auch das Resultat einer Umwandlung. Welcher Wein geht Ihnen nicht mehr aus dem Sinn?

Hin und wieder genieße ich gerne ein Glas Rotwein. In meinem Haus befindet sich daher immer auch eine sehr gute Flasche Chianti.

Castello di Brolio (Barone Ricasoli)

Auch wenn Tradition und Moderne durch die Verbindung von Kunst und Wein Zeitgeschichte erzählen, so ist das Weinmachen nicht gleich Verpflichtung. Der Wein fiel Francesco Ricasoli erst 1993 in die Hände. Durch ein kurzzeitigen Verkauf der Kellereien an ein kanadisches Unternehmen, geriet Reputation, Haus und Geschäft in eine Schieflage. Francesco Ricasoli musste helfen. Hier sind drei seiner Weine von 2013 und 2014.

Barone Ricasoli Chianti Classico Castello di Brolio 2013
Chianti hier bist Du. Im Vordergrund steht das Nuancenspiel zwischen roten und schwarzen Beeren. Junge Tannine geben dem Wein etwas Unruhe,machen ihn aber damit auch spannend. Die Trauben stammen alle aus der Umgebung des Castello di Brolio. Kopfkino schwingt mit…

Barone Ricasoli Brolio Chianti Classico 2014
Ein Wein im Einsteigersegment. In der Nase Tabak und etwas Teer. Am Gaumen, klassisch für den Chianti, Sauerkirsche. Dem Wein fehlt etwas Spannung, aber ist eben auch eher im Einstiegssegement zu Hause.

Barone Ricasoli Brolio Chianti Classico Riserva 2013
Bester Chainti in der Serie. In der Nase dominiert schwarze Johannisbeere, Pflaume und etwas Rosine. Eine gute Struktur trägt den Wein, die Tannine sind gut eingebunden. Guter Druck im Abgang.

© Foto: Claudia Grechi Steiner / Visualisierung: Frédéric Lahme und das Foto der Stele © Foto: Beck & Eggeling International Fine Art