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Côtes du Rhône Rastreau Cairanne Travel


Côtes du Rhône, AOC Rasteau & Cairanne, Frankreich

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Côtes du Rhône bedeutet an sich sehr simpel  “an den Hängen”. Zwischen Vienne und Avignon wächst Wein, auf 171 Gemeinden verteilt mit einer Gesamtfläche von 44.000 Hektar. Hier entstehen unzählige Weiss- und Rotweine, 1000 Geschichten jeden Tag. 2016 war ein Riesenjahr für die Region. Es gab perfekte Konditionen. Weissweine brillieren in Frische und Mineralität. Rotweine  zeigen eine selten dagewesene Aromenpalette auf. Damit wird klar, es braucht einen zweiten, ja dritten Blick, um diese komplexe Region zu begreifen und einen Besuch, um Mensch, Natur und Wein auch abseits der Mainstream-Appellationen zu verstehen. Eine Reise tief ins Herz der Côtes du Rhône.

Über mir hängt das in ein Felsbett beeindruckend integrierte Dorf Seguret. Unter mir Kies, Kalkstein und Sandboden. Neben mir eine Flasche Côtes du Rhône. Was sonst, wenn einen seine Beine bis in diese mediterran geprägte Landschaft und Weinkulturstätte getragen haben.

Ich bin am Entstehungsort jener Weine, die unter der “Appellationsflagge” Côtes du Rhône in die Welt verschifft werden. Weine, die Ihnen meistens bei Ihrem Weinhändler des Vertrauens oder im Restaurant begegnen. Doch Côtes Du Rhône ist groß. Verdammt gross. Und es ist komplex.

Deshalb muss man sich genau überlegen was man trinkt und wohin man reisen will. Erste Entscheidung: Norden oder Süden. Süden. Es bleiben neun Cru Appellationen.

Zweite Entscheidung: Lange Wege zwischen den unterschiedlichen Appellationen? Nein! Die Region um die Appellationen AOC Rasteau und AOC Cairanne scheint interessant. Letztere hat den Cru Status seit 2015 inne. Umso besser! Hier wird Euphorie auf Moderne treffen. Beide Appellationen liegen direkt nebeneinander und müssen, vielleicht mehr als andere, Ihre Unterschiede begründen.

Entscheidung gefallen. Einchecken. Weine bestellt. Sie stehen nun alle vor mir.

Ich beginne mit der Basis, einem Côtes du Rhône Wein. Unbeschwert, easy drinking. Danach folgen Côtes du Rhône Village und ein Wein mit präziserer Lagenangabe aus der hiesigen Gemeinde.

Danach gehts zur Spitze: Côtes du Rhône Cru. Zwei Rotweine jeweils aus AOC Rasteau und  AOC Cairanne. Beide durchaus komplex. Cairanne hat etwas feinere Tannine, Rasteau packt insgesamt mehr zu. Beide wirken jedoch, trotz ihres opulenten Alkoholwertes, leichtfüßig.

Genauso leichtfüßig streift mich der Kellner. „Wollen sie auch noch weiss und süß?“ fragt er mich „Batida de Coco jetzt gerade nicht“ flunkere ich. „Aber gerne die Cru-Weiss- und Süßweine.“

Der Kellner dreht sich auf seinem Absatz. Ich drehe nun auf. Cru Weissweine aus Cairanne sind nicht so leicht zu bekommen, machen diese lediglich drei Prozent des gesamten Absatzes der Cru-Weine aus Cairanne aus. Rasteau bietet dafür den Vin Doux Naturel (VDN) in blanc (weiss), rosé, ambre (bersteinfarbend) , tuilé (ziegelrot), grenat (granatrot)  oder auch rancio, der lange im Fass lagert.

Die Weißweine überzeugen, sprechen Sie mit Frucht, Opulenz, vielfach im Holz ausgebaut, eine eigene Sprache. Durch das Cuvéespiel mit den hier wichtigen Rebsorten wie Viognier, Grenache blanc, Marianne oder Clairette, entstehen eigenständige Weine, die nicht mit den berühmten Weissweinen aus dem Norden zu vergleichen sind – und auch nicht verglichen werden müssen.

Nah dran aber weit weg

Obwohl diese Appellationen geographisch so dicht zusammenliegen, unterschiedliche Identitäten haben sie durchaus. Rasteau zeichnet sich in der Bodenbeschaffenheit durch ein unebenes Relief aus, das trockene Rotweine mit starker Typizität hervorbringt. Dem gegenüber die Rotweine aus der Appellation Cairanne. Es sind feinere und elegantere Rotweine.

Differenzierungen auch in den Rebsorten. Rotweine aus Rasteau spielen zumeist im Korsett eines klassischen Dreiklangs von Grenache, Mouvédre und Syrah. Weine aus Cairanne setzen auf ein breiteres Rebsortenorchester. Mehr Variationen, insbesondere bei den Weissweinen, mit Grenache Blanc, Clairette, Viognier, Rossanne, Boubolenc und Marianne.

Und last but not least, sind es die Menschen selbst, die Distinktion führen. Unterschiedliche Ideen, unterschiedliche Philosophien, unterschiedliche Stories ergeben unterschiedliche Weine. Das alles auf zusammen ca. 2000 Hektar Anbaufläche. Es gibt viel zu erzählen. Wir haben zugehört.

Menschen – die neue Generation kommt 

Das Rückrat der unterschiedlichen Identitäten sind die Winzer selbst. Sie stehen fest in einer etablierten Winzergeneration, die jedoch mit sich selbst um Erneuerung ringt. Neue Ideen, auch abseits der klassischen Methodik gibt es durchaus. Die neue Generation will eine neue, angereicherte Idee von Wein. Eine Kombination aus  bewährter Tradition und neuem Weinkulturverständnis.

Aber wie so oft, ist der Ideenfortschritt schneller als die inflationierenden und oftmals mit zu großem Bürokratismus ausgestatteten Qualitätsnormen. Diese sind völlig berechtigt und sorgen für die Sicherung von Qualitätsstandards. Doch frische Ideen scheitern, wie so oft, an der Rigidität eines Klassifizierungssystems und können daher oft „nur“ als Tafelwein deklariert werden.

Aber es gibt immer zwei Seiten einer Medaille. Das vermeintliche Scheitern ist ein Weg in die Zukunft. Es ist das neue, große Potential. Weingüter wie Domaine Roche (Cairanne) oder Domaine Elodie Balme (Rasteau) können klassisch, wollen aber eben auch weitere Ideen verwirklichen. Wildheit, die man in den Weinen spürt. Junge Winzer bringen das. Junge Konsumenten wollen das.


Und sie wollen im globalen Markt bestehen. Das momentane Marktgesetz: Viel Frische und wenig Alkohol. Doch das ist nicht einfach. Der Umstand, dass die Temperaturen steigen und damit die Reife und Zuckergehalte der Trauben nach oben schiessen, was wiederum bei der Gärung von Zucker in Alkohol zu höheren Alkoholwerten führt, bereitet der Weinregion Kopfschmerzen. Daher gilt die Rebsorte Carignan als einer der großen Gewinner. Weniger Alkohol trotz Aromenkonstanz. Die Leber dankt.

Diese wird sicherlich auch nichts gegen eine Erhaltung von „Natürlichkeit“ bzw. Ursprünglichkeit in den Weinen haben. Cairanne hat sich selbstverpflichtend darauf geeinigt, Trauben lediglich per Handlese nach Hause zu bringen. Das ist schon eine Ansage.

Im Gegensatz zu Deutschland findet sich in Cairanne und Rasteau auch eine recht niedrige Sulfitzugabe, die bei sehr vielen Winzern unter den  geforderten Grenzwerten biologisch zertifizierter Weine liegen. Es ist daher keine Seltenheit, dass einige Winzer, wie beispielsweise Domaine Richaud, Weine mit kleinen Sulfitzugaben und Weine ganz ohne Sulfite in ihr Portfolio aufnehmen.


Einige, wenige Weingüter gehen noch einen Schritt weiter und stellten auf biodynamischen Weinbau um. So auch Domaine Oratoire St. Martin. Das Demeter zertifizierte Weingut elaboriert Weissweine, die ganz der Demeterphilosophie folgt und daher frei von Pestiziden und chemischen Fertilizers sind. (Fotos)

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Trotz der Unterschiede zwischen den zwei Appellationen Rasteau und Cairanne gibt es Winzer wie Gilles Ferran von der Domaine des Escaravailles, der wie einige seiner Kollegen Weinberge in beiden Regionen besitzt. Die Zusammenführung beider Terroirs, die in eine überzeugende Stringenz innerhalb des gesamten Portfolios mündet, zeigt, wie Diversität mittels einer holistischen Denkweise in ein qualitativ überzeugenden Einklang gebracht werden kann. Damit wird nicht nur ein Beweis für handwerkliches Verständnis offenkundig, sondern es steht vielmehr auch als Symbol für die gemeinsame Identität von Terroir. Denn Emotion ist letztlich stärker als Terroirfetischismus.

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Favoriten

Hier unsere Favoriten aller Weine die wir verkostet haben:

Make the difference: Battle now!

Rasteau gegen Carianne! Trinke miteinander, gegeneinander! Hol Dir Weine aus unserer Favoritenliste und battle:

1. Start: Aperitif: Weiss Cairanne 
2. Battle: Rot Rasteau / Cairanne
3. Battle: Sulfite – mit und ohne Sulfite
 (red)
4. Dessert: Rancio (Rasteau)

Schreib uns hier wenn Du eine Battle-Box haben möchtest. Wir helfen gerne.

Enjoy!

© All Photos by Weinkrake