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Weingut Willi Schaefer – Moselle Giant

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Weingut Willi Schaefer

Die zeitgemäßen Zeitlosen


Christoph Schaefer, ist aus seinem Stuhl aufgestanden, um den Graacher Domprobst seinen Gästen zu präsentieren. Jahrgang 1971. Kein x- beliebiger Jahrgang. Ein Jahrgang der ersten Stunde seines Vaters Willi Schaefer. Vergangenheit und Gegenwart treffen in diesem Moment aufeinander. Erzählte Zeit trifft erzählende Zeit. Sie bleibt für einen Augenblick stehen. Und überhaupt, die Uhren ticken in diesem Weingut anders. Das Familienweingut blickt auf eine seit dem Jahr 1121 existierende Tradition zurück. Die Gegenwart ist von einer außerordentlichen Sorgfalt gegenüber dem Lesezeitpunkt geprägt. Das Beobachten. Das Abwägen. Und schließlich die Entscheidung zur Lese. Und die Zukunft? Auch hier spielt die Zeit eine entscheidende Rolle, sind die Weine des Weingutes Willi Schäfer für Ihre Langlebigkeit bekannt. Im Zusammenspiel entstehen Weine, die durch die Verbindung von Eleganz und Komplexität glänzen. Es scheint, als wenn der Zahn der Zeit an der richtigen Stelle nagt. Ein Spiel mit der Zeit für zeitlose Weine.


Die Weine



2014 Graacher Riesling trocken


„Die Weine geben die Richtung vor, wie wir sie später interpretieren.“, sagt Christoph Schaefer. Und es tut, einen guten Ortswein aus dem Jahr 2014 am Gaumen zu haben. Er drückt bereits jetzt ziemlich nach vorn, kraftvoll mit guter Struktur und Balance zwischen Frucht und Säure. Stramme Mineralität ergänzt den kraftvollen Eindruck. Im Abgang ist er fordernd, bleibt aber durch seine gute Fruchtkomposition frisch und dreht ins Wohlgefühl, welches lange anhält. Die Flasche kann man getrost bereits jetzt ohne schlechtes Gewissen öffnen.



2014 Graacher Himmelreich Riesling Kabinett


Hier kommt Himmel und Reich zusammen. Reich an großartiger Schiefermineralik. Reich an Frucht wie Mandarine, Apfel und ein wenig Rauch. Am Gaumen zeigt er sich mit lebhafter Säure, die gezähmt werden will. Süße und Frucht stupsen sich gegenseitig an. Himmlischer Abgang. Mit den Jahren ist man hier sicherlich im siebten Himmel. Noch etwas liegen lassen.



2012 Graacher Domprobst Riesling Spätlese #05


Es fängt an, richtig Spass zu machen. Der 2012er zeigt, welche Möglichkeiten von Komplexität in ihm stecken. Ad absurdum – Geschmackskomponenten verbinden sich bereits jetzt. Insbesondere die mineralische Komponente ist Protagonist, die sich mit der Fruchtsüße zu einer salzigen Süße vereinen. Der Wein wirkt jetzt schon sehr präsent. Die Säure ist noch sehr lebendig. In 10 Jahren wird er dann sicherlich auf den Punkt kommen. Mehr davon.



2013 Graacher Domprobst Riesling Auslese #11


Geduld. Geduld. Entschleunigen. Dieser Wein braucht noch etwas Zeit. Er schmeichelt zwar schon jetzt und es wird schwer ihn so lange im Keller zu lassen. Dezentes Fruchtaroma, das eine eher milde Botrytis impliziert. Die Mineralik ist unglaublich stark ausgeprägt. Frucht und Säure tragen die Mineralien elegant. Im Abgang schaltet dieser noch einmal seinen Turbo ein und zeigt in beeindruckender Weise eine intensive Länge im Abgang. Doch seine wahre Größe und der echte Genuss wird sich in einigen Jahren einstellen. Heute eine tolle Auslese. Morgen auserlesen und sicherlich richtig gross.


 

Das Interview



Was bedeutet das Weinbaugebiet Mosel für Sie?
Für mich bedeutet Mosel in erster Linie Heimat, aber natürlich auch das große Glück aus den steilen Schieferlagen unverwechselbare Rieslinge erzeugen zu dürfen.


Sie haben vier Hektar Weinanbaufläche. Das ist nicht viel, diese Menge muss weltweit verteilt werden. Es existiert also mehr Nachfrage als Angebot für Ihre Weine. Aus welchen Ländern ist die Nachfrage momentan am größten?
Diese Frage ist für uns schwer zu beantworten, da wir die gewünschten Mengen vieler Kunden nicht erfüllen können. Wir kaufen keine Trauben zu und möchten uns auch nicht vergrößern, daher ist die Menge einfach begrenzt. Aber umso mehr freuen wir uns über das weltweite Interesse an unseren Rieslingen und natürlich auch darüber, dass sie dennoch in so vielen verschiedenen Ländern getrunken werden.


Graacher Himmelreich, Graacher Dompropst und Wehlener Sonnenuhr. Drei Lagen aber 100 Parzellennummern. Das heißt unterschiedlichste Böden usw. Inwiefern beeinflusst diese Parzellenvielfalt den Wein in seiner Charakteristik?
In allen drei Lagen liegt Devonschieferverwitterungsboden vor. Hierbei sind jedoch Unterschiede im Verwitterungsgrad, Stein- und Feinerdeanteil prägend für den Charakter der Weine. Einen großen Einfluss haben auch Faktoren wie unterschiedliche Hangneigung, Hangausrichtung und Höhenunterschiede der einzelnen Parzellen, die wir individuell ausbauen. Das ergibt ziemlich viele verschiedene „Charakterköpfe“. Durch diese Kleinparzellierung kommt oft dazu, dass wir mehrere Füllungen einer Prädikatsstufe derselben Lage vornehmen und wir somit mehrere AP-Nummern einer Lage und eines Prädikates haben.


Bei ca. 4 Hektar sind Ertragseinbußen besonders schmerzlich. Wie war das Jahr 2015 bei Ihnen und  wie wird die Verteilung der Prädikate (Spätlese, Auslese) aussehen?

Wirtschaftlich gesehen spielt bei uns glücklicherweise nicht nur der Ertrag eine Rolle, sondern auch die angesprochene Verteilung der Prädikate. Wir hatten schon Jahre mit 50% Ertragseinbußen und dabei aber das Glück, viel Spät- und Auslesen geerntet zu haben. Es hätte schlimmer kommen können. Das Jahr 2015 war ein Traum. Wir hatten tolles Wetter in der Lese und konnten in Ruhe selektieren. Kleine goldgelbe Trauben – es war einfach wunderbar. Wir werden wenig Ortsrieslinge anbieten können, aber hauptsächlich konnten wir Kabinett, Spät- und Auslese ernten und sogar eine Beerenauslese. Wie die Verteilung genau sein wird, wissen wir noch nicht.


Welche Jahrgänge sind für Sie in der Flasche am besten in Erinnerung geblieben?

Ich denke für meinen Vater war der Jahrgang 1971 der prägendste. Es war das erste Jahr, indem er neben seinem Vater mehr Verantwortung übernommen hat. 1971 war ein großes Jahr, mit beeindruckenden Spät-, Aus- und Beerenauslesen. Ein perfekter Start für meinen Vater. Aber jeder Jahrgang hat seine Berechtigung und Besonderheiten und wir sind froh über die großen Jahrgangsunterschiede, die den Weinbau in unserer nördlichen Region so reizvoll macht. Natürlich hat man Lieblinge, aber das ist meist situativ bedingt. Grundsätzlich sind wir mit jeder Flasche, die wir abfüllen, glücklich. In „schwächeren“ Jahren wird eben zu Lasten des Ertrages stärker selektioniert. Wir fühlen uns auch nicht gezwungen in jedem Jahr die ganze Palette an Prädikaten auszubauen. Manche Jahre sind eher für leichte Kabinette und Ortsrieslinge geeignet – andere bieten ausschließlich Kabinett bis Auslese – aber das macht es ja auch spannend. Und jeden Tag Auslese trinken, kann man ja auch nicht.


 

Die Art und Weise wie bei Ihnen Wein gemacht wird basiert strikt auf traditionellen Methoden, abgesehen von Ihrem Bauchgefühl, das auch mitwirkt. Wäre z.B. kein Schwefeleinsatz eine mögliche Alternative? Oder eine andere Methode, die Sie für sinnvoll halten und erst in den letzten Jahren modern geworden ist? 

Zum einen muss man sagen, dass der Verzicht auf Schwefel unseren Weinstil komplett verändern würde. Hinzukommt, dass wir überwiegend Weine mit Restsüße ausbauen. Das wäre ganz ohne Schwefeleinsatz im Hinblick auf die Qualität und Stabilität sehr bedenklich. Aber natürlich begrenzen wir den Einsatz von Schwefel auf das Nötigste. Wir verschließen uns Neuem nicht, man darf nicht stehen bleiben. Aber wir probieren auch nicht alles aus. An unserem Weinstil wollen wir jedoch nichts verändern, setzen aber alles daran unsere Qualität zu halten und noch zu verbessern.


 

Im Weingut Willi Schaefer wirkt die Tradition. Nachweislich wird seit 1590 Weinanbau betrieben. Heute besteht die Familie aus drei Generationen. Was wäre, wenn der Nachwuchs zukünftig nicht mehr im Weinbau tätig sein wollen würde? Gibt es dieses Szenario überhaupt?

Meine Eltern gaben mir nie das Gefühl, dass ich das Weingut eines Tages übernehmen müsste und haben nie Druck ausgeübt. Es war meine freie Entscheidung und ich habe es nie bereut. Genauso möchten meine Frau Andrea und ich es mit unseren Kindern auch halten. Der Beruf des Winzers ist sehr vielfältig und spannend. Man ist Weinbauer, Kellermeister, Unternehmer und Gastgeber. Dies mit meiner Frau und auch meinen Eltern zu stemmen bereitet viel Freude. Ich glaube, das merken die Kinder auch. Wenn es Arbeiten gibt, bei denen die Kinder mit anpacken können, machen sie es mit Freude. Die Lese ist dabei natürlich der Höhepunkt. Wir sind optimistisch.


Weinbau wird bei Ihnen gelebt. Worum geht’s am Frühstückstisch. Nur um Wein? 

Wenn die Kinder da sind geht es vor allem darum, was aufs Brot kommt, aber auch um alles andere was die Kinder und uns sonst so interessiert. Da gehört Wein natürlich auch dazu. Manchmal bekommen wir von unseren Kindern Jakob (6) und Jonathan (8) auch tolle Ratschläge z.B. dass wir mit Rotwein vielleicht mehr Geld verdienen könnten oder die Beerenauslese vielleicht komplett versteigert werde sollte. Es ist immer sehr unterhaltsam.


 

Was ist der perfekte Weinmoment für Sie?

Den perfekten Weinmoment haben wir immer wieder, wenn wir mit unseren Freuden zusammentreffen oder auch nur zu Zweit.