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Weingut Willems Hofmann Deutschland Interview


Weingut Willems-Hofmann, Rheinhessen & Saar, Deutschland

Weingut-Willems-Hofmann-cover

Zwei Weingüter - eine Liebe. Unter dem Dach der Marke Willems-Hofmann verbinden Jürgen und Carolin Hofmann zwei Weingüter – eines in Rheinhessen, das andere an der Saar. Das ist in dieser Form einzigartig in Deutschland. Und spannend. Denn es öffnet ganz hervorragend einen Spannungsboden, der Unterschiede viel sichtbarer macht. Unter dem Namen Muschelkalk trifft Schiefer subsumiert das Weingut kurz und knapp seine Identität – und macht die Herkunft zum Schlagwort. Sichtbar auf jeder Flasche. So folgt Farbe dem Ursprung und Form der Herkunft – Rotes Dreieck mit seinen eckigen Kanten steht für den Schiefer, so steht Muschelkalk als grüner Kreis für Rundungen. Ein Zeugnis für eine sehr anthroposophische Sichtweise, die sich auf jedem Etikett manifestiert. Doch was nützt der beste Boden wenn man das Potential nicht umsetzten kann? Zum Glück haben Jürgen und Carolin Hofmann ihre Terroirs bestens verstanden und bringen das Potential aus Rheinhessen und Saar in die Flasche. Und symbolisch in die Landschaft, folgt die im Weingut integrierte Vinothek der Philosophie des Bauhauses, dass doch selbst Formen wie Kreis, Quadrat und Dreieck als elementar ansieht. Somit wirkt alles in sich geschlossen und es schliesst sich ein Kreis zweier Weingüter, die Unterschiede leben und Herkunft im Herzen tragen.


Die Weine

2016 Riesling „Auf der Lauer” feinherb (WillemsWillems)

Ach kann es schön sein. Frische fischt Fuchs und grinst dabei. Denn offensichtlich lieben (Spar)Füchse eine herrlich erfrischende Säure gepaart mit Mineralik und Süße. Zitrische Noten und ein wenig Apfel in der Nase und am Gaumen begleiten diesen leichtfüßigen Genuss.

2016 Riesling Saar Kabinett (WillemsWillems)

Was trinken wir wenn die Sonne scheint? Leicht. So wie dieser Saar-Kabinett, der mit straffer Säure und himmlisch leichter Süße jeden Gaumen aktiviert. Die fein eingebundene Aprikosenfrucht und leicht kräutrige Spur macht das unkopierbare SSSS (Saar-Süße-Säure-Spiel) zu einem spannend-entspannenden Moment.

2016 Sauvignon Blanc, trocken (Hofmann)

Auf dem Etikett begrüßt der scheinbar erwartungsvolle Kiwi seinen Genießer. Er kann sich bei diesem Wein zu Hause fühlen, erinnert das Geschmacksbildes dieses Sauvignon Blanc an seine Heimat Neuseeland. Stachelbeeraroma ist Trumpf. Dazu Exotik mit frischer Säure und einer salzigen Note, die fein am Gaumen im Abgang wirkt.

2016 Riesling „Hundertgulden“ (Hofmann)

Schon der 2015 war eines der Top Weine des Weingutes. 2016 ist jünger aber bleibt auf dem hohem Niveau. Ein sehr vielschichtiger Wein. Einerseits trägt die sehr umfangreiche Mineralik, anderseits attackiert die Zitrusfrucht mit kräftigem Aroma. Mittendrin die herrliche Achterbahn Säure, die den Wein durchweg am Gaumen stimuliert. Großer Wein für große Momente.


Das Interview

Willems & Hofmann. Zwei Weingüter unter einer Dachmarke. Gibt es etwas vergleichbares in Deutschland überhaupt?

Denke nicht. Unsere Etiketten zeigen unsere Familie, aber trotzdem hat jedes Weingut seine Eigenständigkeit. Das Saarweingut Willems-Willems trägt als Grundetikett das braunrote Dreieck, das die Ecken und Kanten vom Schieferboden der Saar zeigt, das Rheinhessenweingut Hofmann trägt einen runden grünen Kreis, der die runden weichen Formen vom Muschelkalk symbolisiert.

Eine Familie, zwei unterschiedliche Weine geprägt durch den Boden und das Klima mit gleicher Philosophie

Welche Herausforderungen und welche Chancen ergeben sich?

Zwischen den beiden Weingütern liegen 140 km, ist nicht gerade um die Ecke. Deshalb sind wir glücklich Peter Thelen als Betriebsleiter an der Saar zu haben. Mit ganz viel Gefühl für die Weinberge und den Weinausbau ist er zusammen mit den Eltern vor Ort uns eine große Unterstützung.

Außenbetrieb und Keller sind auf den jeweiligen Standorten doppelt, nach dem Abfüllen kommen die Saarweine ins Rheinhessische Flaschenlager zur gemeinschaftlichen Versendung auch mit der Fritz Müller Linie an den Fachhandel und die Gastronomie und die Privatkunden aus dem Rhein-Main Gebiet.

Schiefer trifft auf Muschelkalk. Welche Rebsorten funktionieren ganz wunderbar auf Muschelkalk und Schiefer in euren Lagen in Rheinhessen und Saar und warum?

Am allerbesten adaptiert der Riesling den Boden. Ein wahnsinnig spannender Unterschied der viele Kunden begeistert.

Die Saarweine strahlen durch ihre Feingliedrigkeit und Leichtigkeit mit einer ganz standhaften Reifearomatik. Sie tanzen auf der Zunge mit dem unvergleichlichen Säure-Süße Spiel. Die Muschelkalkrieslinge sind dafür kräftiger mit einem tollen Druck am Gaumen. Man schmeckt die Korallenriffe.

Auf Muschelkalk passen ganz super die Burgundersorten und vor allem der Sauvignon Blanc. Hier herrschen ideale Bedingungen für die typische Stachelbeer/Holunderblütenfrucht mit einem tropisch salzigen Abgang.

Ihr habt der Marke und jedem einzelnen Wein eine eigene Bildsprache gegeben. Schiefer impliziert Ecken und Kanten in braun, Runde weiche formen in grün steht für Muschelkalk. Eine anthroposophisch-landwirtschaftliche Idee?

 Ja, wir arbeiten ganz mit den Elementen die unsere Weine kennzeichnet, die unverwechselbare Art Boden zu schmecken und das Leben mit dem Naturprodukt. Die unterschiedlichen Tuschezeichnungen auf jedem Etikett erzählen jeweils eine Anekdote, eine Geschichte, eine passende unverwechselbare Eigenart.

2013 habt ihr für die neu errichtete Vinothek den Architektur-Wettbewerb „Great Wine capitals” für Rheinhessen gewonnen. Was ist das Besondere an Eurer Vinothek?

Auch hier spiegelt sich unser Motto Schiefer trifft Muschelkalk in der Architektur wieder. Die offene Bauweise mit großem Blick in den Holzfasskeller und Edelstahl/Stückfasskeller wird untermauert und eingerahmt von der Schiefer und der Muschelkalkwand.

Mit Blick auf den Kirchturm, die große Lage Hundergulden kann hier das gesamte Sortiment von Saar und Rheinhessen an der langen Theke probiert werden. Selbst im Keller fühlt man die kalk und holzfarbene Wärme.

Gibt es zwischen  Architektur und Wein Gemeinsamkeiten bzw. inwieweit fließt das Thema Wein in die „Bauhaus“ Architektur ein?

Wir beide waren vor, während und nach dem Studium in der Welt zum Arbeiten. Unzählige Besuche in Weingütern in Australien, Süd Afrika, Kalifornien haben uns inspiriert den kompletten Neubau auf der grünen Wiese im Bauhausstil sehr warm mit viel Holz und Glas und Sichtbeton zu gestalten. Geradlinige Formen und die Verbundenheit mit der Natur spiegeln sich natürlich in unseren Weinen wieder.

Mit dem Perlwein Fritz Müller gibt es ein Projekt für unbeschwerten und unkomplizierten Genuss. Was ist bis heute alles passiert? Was kommt noch?

Zusammen mit unserem Partner und Ideengeber Guido Walter begann 2009 das Projekt Fritz Müller Perlwein, gedacht als die deutsche Antwort auf den italienischen Prosecco. Aus dem italienischen Wort Frizz ist bei ein paar Gläschen Wein der Name Fritz entstanden, aus der Müller-Thurgau Rebsorte der Name Müller.

Mit dem Team aus 6 Winzern in Appenheim und Umgebung entstand das Konzept einen unbeschwerten nachhaltigen Perlwein für die Gastronomie und den Fachhandel zu kreieren.

Inzwischen ist daraus eine ganze Linie entstanden, neben dem weißen Fritz auch eine Rosa Variante, eine neuartige alkoholfreie Variante und einen Dicken Fritz als Schaumwein, hergestellt durch die Methode Rurale, ein sehr fruchtbetonter Schaumwein.

Der Export gerade nach USA Rudi Wiest und Norwegen zeigen die Internationale Richtung, wobei Deutschland ein riesiges Potential zeigt.

Stillstand ist Rückstand. Gibt es Überraschungen oder neue Projekte die uns in Zukunft erwarten?

Die Projekte gehen weiter, es bleibt spannend.

Welcher berühmten Persönlichkeit würdet ihr gerne einmal einen Wein widmen?

Vor einer berühmten Persönlichkeit aus der aktuellen Zeit würde ich der historische Hildegard von Bingen den Vorzug geben. Hildegard von Bingen gilt allgemein als Person, die durch eigene Denkansätze neue Impulse setzte und damit einen umfassenden Blickwinkel ermöglichte.

Der Gedanke der Einheit und Ganzheit ist mit ein Schlüssel zu Hildegards natur- und heilkundlichen Schriften. Der Genuss und das Glück der Welt sind unsere Leitlinie geworden.

Bei euch ganz privat: Welcher Wein steht bei Euch an Festtagen auf dem Tisch, welcher an einem Abend zu zweit in der Vinothek – Saar oder Rheinhessen?

Keiner von uns selbst, denn für uns ist das spannende die Weine von Kollegen und aus der ganzen Welt. Beim Feiern mit Freunden und der Winzerclique freuen wir uns wenn jeder etwas unterschiedliches mitbringt. Da wird häufig gefachsimpelt mit viel Feierlaune.

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