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Winery Walter – Straightness on steep slopes

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Weingut Walter

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Überzeugend zu sein resultiert aus einer gewonnenen Überzeugung. Für Gerrit Walter aus Briedel war schon seit seiner Kindheit klar: Ich werde Winzer – aus voller Überzeugung. Für die Generation Y, die an der Mosel aufgewachsen ist, ist dieser Beruf oftmals kein zeitgemäßer. Die Identitätsfrage: Lohnt es sich im Steilhang Winzer zu werden? Viele haben sie negiert. Doch Gerrit Walter ist nicht nur Winzer geworden um damit Brot und Butter zu verdienen. Vielmehr hat er seine Weinberge durchdacht und das das Potential seiner Lagen erkannt. Als Ergebnis präsentieren sich Weine, die nicht nur Kunst der Balance in sich tragen. In dieser Kategorie können durchaus noch viele andere Winzer und Weine mithalten. Doch es ist ihm gelungen, seine Balance mit Geradlinigkeit zu verbinden. Balance als Qualitätsinstanz sorgt für Gleichberechtigung und Ausgewogenheit und fungiert als Schmeichler. Doch Geradlinigkeit meint, sein Terroir so zu interpretieren, dass der Wein über eine Balance verfügt, um darüber hinaus Energie in den Wein zu bringen, ohne das Gleichgewicht zu verlieren. Eine erhabene Qualitätsinstanz, die nur einige Winzer beherrschen. Ganz praktisch gesehen, is es das Herausarbeiten der gegebenen Schiefermineralik und das Verständnis, Druck und Vorwärtsdrall in seine Weine zu bringen. Es ist wie auf einem Hochseil. Einige können durchaus Balance halten. Doch die Kunst besteht darin, geradlinig zu laufen ohne die Balance zu vergessen. Das können nur einige wenige. Gerrit schreitet voran.

Die Weine


Riesling trocken 2015
Dieser Wein ist der Zeigefinger des Weingutes. Ungeduldig pocht er auf den Tisch. So auch der Wein, der voller Jungendlichkeit einen quirligen, sehr lebendigen Eindruck macht. Das Fruchtaroma nach Pfirsich und Zitrus steht deutlich im Vordergrund. Der moderate Alkoholgehalt von 12 % steht ihm gut und gibt Raum für die Balance des Weines. Er zeigt, wohin die Reise geht.

Briedeler Riesling trocken 2015
Energie pur! Dieser Wein ist ein As! Ein selbstsicherer Individualist! Viel Druck, Vorwärtsdrall, Opulenz und eine großartige Würztiefe bringt, dank der tiefgründigen Schieferböden, dieser Wein mit. Doch die Schiefermineralik sorgt auch für einen sehr geschliffenen Eindruck im Mund. Der Abgang ist „strichgeradeaus“ inszeniert. Ein Wein, der dich anfangs sehr umarmt jedoch im Finish seine Direktheit ausspielt.

MARIENBURG Riesling trocken 2015
Sprechen wir beim Briedeler Riesling von Opulenz, ist es beim Riesling Marienburg die superlative Form der Opulenz. Ungewöhnlich mächtig für Weine von der Mosel verbindet dieser Wein Subtilität und Kraft. Die Kraft resultiert aus den lehmigen Tonschiefer-
Verwitterungsböden. Doch es bleibt Platz für eine unglaublich subtile Eleganz, die Mineralik, Fruchtkomponenten und eine feine, tiefe Würze ineinander vereint. Diese Balance, in Verbindung mit der förmlich eingewebten, spürbaren Finesse, ist bemerkenswert.

Briedeler Riesling feinherb 2015
Wechselspiel der Gefühle. Frucht und Säure geben sich bei diesem Wein die Hand. Die Frucht ist von Pfirsich und etwas Birne geprägt und wird durch Kräutrigkeit ergänzt. Die Säure ist straff und umgarnt die Frucht immer wieder. Ein Wein, dessen Stärke die Abwechslung ist. Für Aromenentdecker und Varianztrinker.

Das Interview 

Warm-up. Mosel trinkst Du natürlich am liebsten. Gehen wir nach Frankreich, Bordeaux oder Burgund. Welche Stilistik magst Du mehr?

Ganz klar Burgund! Neben Riesling bin ich großer Fan von filigranen Spätburgunder und da wird man bekanntlich im Burgund ganz gut fündig. ;-)

Hauptaugenmerk deines Weingutes ist natürlich der Riesling: Wie sollen Deine Riesling schmecken, was ist das Ziel?

Wir versuchen, mit unseren Weinen ein Teil der Herkunft zu transportieren. Dies bedeutet für mich, filigrane, vielschichtige und charakterstarke Rieslinge zu erzeugen, die aufgrund ihres besonderen Standortes an den Schiefersteilhängen der Mosel durch Eleganz begeistern. Um dies möglich zu machen, bewirtschaften wir unsere Rebflächen höchst penibel und sehen sie als den größten Schatz unseres Weingutes an. Da ich im Weingut voll auf die Unterstützung meiner Eltern sowie unseres Team zählen kann, sind unsere Weinberge wie aus dem Ei gepellt. Dies bildet den entscheidenden Grundstein für lange Maischestandzeiten, Spontangärung sowie den völligen Verzicht von chemischen Zusatzstoffen in der Weinbereitung.

Unsere Rieslinge bestechen durch eine enorme Würze und Dichte ohne das feingliedrige Spiel am Gaumen vermissen zu lassen.

Was hast Du aus der Arbeit als Kellermeister im Weingut Dreissigacker mitgenommen?

Die Zeit im Weingut Dreissigacker hat mich fürs ganze Leben geprägt. Jochen hat mit seiner Begeisterung und Motivation das Feuer in mir erweckt. Er steht mit seinem Wissensdurst und seiner Ausstrahlung sinnbildlich für die neue Generation in der deutschen Weinszene. Wir sind immer noch regelmäßig in Kontakt und ich freue mich besonders, dass er an unserem diesjährigen Hoffest vom 26.-28. August seine Weine präsentiert. 

Aus weinbaulicher Sicht herrscht im Weingut Dreissigacker der Drang zur Perfektion. Mit welcher Intensität die Weinberge in Handarbeit bearbeitet werden, ist sagenhaft. Hier wird größten Wert auf reifes und kerngesundes Traubenmaterial gelegt. Die spannendste Phase für mich waren die sehr umfangreichen Jungweinverkostungen im Frühjahr. In wochenlanger Arbeit haben wir zusammen hunderte Weine blind verkostet und an den Füllcuvées gearbeitet.

Warum liegt der Fokus eher auf trockenen, statt fruchtsüßen Weinen – eigene Vorliebe oder Diktat des Marktes?

Das beruht auf meinen persönlichen Vorlieben und meinen Praxisphasen in Rheinhessen und dem Rheingau. Während dieser Zeit habe ich enorm viele großartige, trockene Rieslinge getrunken. Dies hat mich dazu bewegt, mich in unserem Weingut noch intensiver den trockenen Rieslingen zu widmen. Für die Vermarktung unserer Weine auf dem deutschen Markt war das auch nicht unbedingt nachteilig…

Solls im privaten Bereich mal ein restsüßer Riesling sein, habe ich in direkter Nachbarschaft an der Mittelmosel die besten Erzeuger der Welt sitzen.

Welches Potential möchtest Du gerne zukünftig nutzen und sollen die Weine weiter „optimiert“ werden?

Wir haben in den letzten Jahren die ersten Schritte hin zum okölogischen Weinbau gelegt. Im Weinausbau sind wir schon weit voran geschritten, diesen Weg wollen wir nun auch behutsam in unseren Weinbergen gehen. So arbeiten wir vermehrt mit Begrünungen und versuchen so, unsere Rebstöcke in ein besseres Gleichgewicht mit der Natur zu bekommen. 

Seit meiner Zeit in Geisenheim habe ich viele Kontakte zu Winzern in ganz Deutschland. Durch den regen Austausch gibt es immer wieder neue Ideen und Anregungen, die wir dann in unseren Flächen oder im Keller ausprobieren. Das gehört für mich aber einfach dazu – sonst wäre es ja irgendwann langweilig…

Wenn es kein Riesling ist: An welchen Wein erinnerst Du Dich noch heute?

An einen MOET & CHANDON  GRAND VINTAGE ROSÉ 2006, den in Anfang des Jahres bei einem Gipfelaufstieg in den Schweizer Alpen mit meiner Verlobten nach Bejahung meines Heiratsantrags geköpft habe.

Die Moselregion – Welche Entwicklung siehst Du hinsichtlich der neuen deutschen jungen Winzerszene. 

Ich bin sehr happy, ein Teil der neuen Winzerbewegung an der Mosel zu sein! Was sich hier in den letzten drei Jahren getan hat, ist beachtenswert. Der Beruf des Winzers hat wieder enorm an Wertschätzung zugelegt und dies ist überall spürbar. Ob auf Präsentationen im Anbaugebiet oder auf Veranstaltungen in den deutschen Großstädten. Die Leute zeigen im Gespräch wahnsinnig großes Interesse an unserer Tätigkeit. Dies ist zugleich neue Motivation für das weitere Voranschreiten und das ständige Weiterentwickeln der eigenen Weine.

Grundlegender Baustein dieser Entwicklung ist der massive Anstieg der Weinqualitäten in der Breite, gepaart mit modernem Design. So war es in den letzten Jahren vermehrt möglich, auch viele junge Leute für Weine zu begeistern. Den klassischen Weintrinker wie Notar, Arzt oder Rechtsanwalt gibt es nicht mehr. Wein hat seine Anhänger in allen Alters- sowie Einkommensschichten gefunden. Und das ist auch gut so.

Seit ca. 2 Jahren wirst Du als Geheimtipp von der Mosel gehandelt. Der Deal: Grossartige Qualität der Weine zum guten Preis. Stimmst Du dem zu und bleibt das Portfolio und der Preis stabil?

Mit dieser Außendarstellung kann ich sehr gut leben! Wir haben uns dank intensiver Arbeit und Streben nach hohen Weinqualitäten in den letzten Jahren einen Namen gemacht. Aufgrund der geringen Erntemengen in den letzten Jahren, muss wir unsere Weinpreise natürlich auch etwas anpassen. Wir sind jedoch stolz, unsere Einstiegsqualitäten aus den Steilhängen für knapp unter 8 Euro anbieten zu können und wollten diesem Preisniveau auch vorerst treu bleiben. Wenn es dann in die GG-Kategorie geht, bekommt man bei uns ein MARIENBURG Riesling für ca. 15 Euro. Ich denke, da sind wir vom Preis-Leistungsverhältnis ganz vorne mit dabei.

Eine Erweiterung des Portfolio ist zurzeit nicht geplant. Wir wollen uns mit den Flächen nicht über Briedel und Pünderich hinaus bewegen, so dass keine neue Lagen hinzukommen werden.

Was machst Du in deiner Freizeit, wenn es nicht um Wein geht?

Sowas soll´s geben? Auch wenn es mal nicht an erster Stelle um Wein geht , spielt das Thema „Wein“ immer eine Rolle: Ob beim Kochen Zuhause, bei Grillparties mit Freunden auf der Terrasse oder beim Wandern mit meiner Verlobten in den Weinbergen – ohne ein gutes Glas Riesling läuft nicht viel.

EM: Deutschland steht im Finale. Welchen Wein würdest -und hoffentlich wirst- Du aufmachen?

Da hätte ich einige trinkreife Schätze in meiner Schatzkammer. Spontan würde mir da eine 97er Wehlener Sonnenuhr Riesling Auslese von JJ Prüm oder eine Magnum 08er Halenberg Riesling GG von Emrich-Schönleber einfallen. Da ich an dem Wochenende aber unterwegs bin und somit keinen Zugriff auf meinen privaten Keller habe, muss ich mich überraschen lassen. Zum Glück gibt es aber überall auf der Welt großartige deutsche Rieslinge, so dass ich das ganz gelassen sehe…

Was kannst Du den jungen, unerfahrenen Weintrinkern mit auf den Weg geben? 

Alles probieren was einem ins Weinglas kommt und sich sein eigenes Bild über den Wein machen. Es gibt in den Großstädten zur Zeit so viele Weinevents auf denen man in lockerer Atmosphäre spannenden Weine verkosten kann. Will man tiefer in die Materie einsteigen, sollte man sich mit Freuden ins Auto setzen und die Gebiete bereisen. Nur so lässt sich die wahre Schönheit der europäischen Weinregionen vor Ort kennenlernen.