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Weingut Steinmühle – Nobility obliged quality

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Weingut Steinmühle

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Es ist keine Seltenheit, dass Weingüter auf eine Historie zurückblicken können, geprägt durch großbürgerliche Strukturen gegenüber einem freien Bauerntum, so wie das Weingut Steinmuehle. Es gilt, den alten Wertecodex gemäß der Formulierung „Adel verpflichtet“, also der Erfüllung gesellschaftlicher Erwartungen, selbst zu erfüllen und sich damit in die Pflicht zu nehmen. Womit? Mit der Qualität als feste Konstante im Wertekorsett eines Winzers. Doch die neuen Werte, die neuen Moden zwicken. Das Korsett ist enger geworden. Man braucht mehr Platz, um gehört zu werden. Diesen Platz erobert sich Axel May ganz unaufgeregt. Er ist, um in der Terminologie seines Namensvetters Karl Friedrich May zu bleiben, als Krieger aus dem Tal emporgestiegen. Seine Waffe ist das Wissen, wie man den Spannungsbogen im Wein weiter ausbaut und der Wille Wege zu finden, um sich stetig zu verbessern. Im Ergebnis gibt es Weine, die an Komplexität und Textur gewonnen haben. Qualität ist also für ihn nicht ausschließlich eine Verpflichtung. Es ist eine Motivation. Damit lebt die Marke nicht von seiner Vergangenheit um Richard Wagner, Ferdinand Lassalle, Franz Liszt oder Hans von Bülow, sondern vielmehr von seiner Zukunft.

Die Weine


Auf dem Schnapp, Riesling trocken, 2015
Schnipp, schnapp – Drehverschluss ab! Voller Vorfreude öffnen wir den Wein, denn die Lage „Schnapp“ am Osthofener Liebenberg ist eines der besten Lagen von Axel May. In der Nase überwiegen die Zitrusnoten und etwas Pfirsich. Dicht drunter zeigt es sich etwas grasiger. Am Gaumen schnappt er ordentlich zu! Eine schöne Dichte wirkt und es bleibt Platz für eine schöne Balance zwischen Frucht und Mineralität. Eine lange Präsenz am Gaumen verbleibt.


Sauvignon Blanc, 2015
Schön, dass sich Axel May für die Rebsorte Sauvignon Blanc entschieden hat. Vielleicht war da ja etwas Fernweh nach Seresin, Marlborough in Neuseeland mit im Spiel. Aber von wegen Neuseeland, hier präsentiert sich eine eigenständige Interpretation. Der 2015er ist der zweite Ertrag und zeigt in der Nase kräutrige Noten und etwas Frucht. Am Gaumen zeigt sich diese Frucht sehr präsent, die präzise herausgearbeitet ist und durch eine gute Struktur begleitet wird. Fein!

Osthofener Klosterberg, Spätburgunder, 2012
Der Spätburgunder aus dem Hause Steinmühle ist wohl das beste Beispiel für den Qualitätssprung. Er ist sehr präzise herausgearbeitet. Vom Gefühl her weiss man immer wo man bei diesem Wein steht. Seine Frische ist exzellent. Seine Struktur wirkt in einem ausgeglichenen Verhältnis. Die Frucht steht ebenso sehr gut da. Das zeigte sich auch in der Nase mit einer schönen Cassisnote und einem subtil, rauchigen Anklang. Wir sind schon auf den nächsten Jahrgang gespannt.

Osthofener Weissburgunder, 2015
Und zum Abschluss der Gentlemanwein. Wie schon beim Spätburgunder auffällig, hat dieser ein eine sehr gute Struktur. Im Begriffsdreieck zwischen Feinheit, Schwung und Dichte, will man immer wieder einen Schluck mehr nehmen. Eleganz mit Trinkfluss.

Das Interview


Wie wohnt es sich in einer ehemaligen Mühle? Oder besser: Wo wird der Wein gemacht und wo schlummert er?

Eigentlich wohne ich mit meiner Frau und unserer acht Wochen alten Tochter im an die Mühle angrenzenden und im Jahr 1833 erbauten Wohnhaus und im zum Loft ausgebauten ehemaligen Kuhstall. Aus dem großen Panoramafenster schaut man auf den alten Ortskern von Osthofen, die Weinberge und die Bergkirche. Durch ein Fenster kann man in die Produktionshalle schauen. Der große Garten hinter dem Haus und der hindurch fließenden Seebach tut sein Übriges zum Wohlfühlen.

Der Wein wird, in der neu errichteten Halle im ehemaligen Innenhof des Pferdestalls und im 1823 erbauten Gewölbekeller „gemacht“. Hier schlummert er in Edelstahl oder in max. 500 Liter großen Eichenholzfässern.

„Auf dem Schnapp“, Dein Lagenriesling startet gut durch in den letzten Jahren nach Deiner Übernahme. Was hast Du verändert? Wo siehst Du den meisten Nachholbedarf und wo hast Du die Nase vorn?

Generell wurde in den letzten Jahren einiges verändert. Im Weinberg habe ich schon vor Jahren aufgehört Mineraldünger oder Herbizide einzusetzen. Stattdessen nutzen wir Pferdemist, eine artenreiche Begrünung und Gesteinsmehl. Das gibt unseren Reben was sie brauchen. Der Stockstreifen wird mechanisch von Unkraut freigehalten. Mittlerweile hat sich eine Balance in den Weinbergen eingestellt, Nützlinge sind zurückgekehrt und die Bodenerhaltung steht im Fokus. Ebenfalls ist die Handlese wieder viel mehr in den Mittelpunkt gerückt. Stichwort „selektive Lese“.

Auch die Kellertechnik und die Traubenverarbeitung habe ich ab 2013 komplett umgestellt. Die Trauben werden in 900 Liter Bütten auf dem Anhänger ins Weingut transportiert, dort mit Stabler und Drehkranz abgeladen und die Presse oder die offenen Maischetanks beschickt. Von dort fließt der Most nach dem abpressen nur durch Falldruck, ohne pumpen, unter der Straße hindurch in den alten Gewölbekeller. In diesem vergären die Weine zumeist spontan und bleiben bis zur Filtration kurz vor der Abfüllung auf der Hefe liegen. Das Augenmerk liegt ganz auf der schonenden Behandlung und erhalt der Qualität, die aus dem Weinberg kommt.

Gerade bei den Orts-und Lagenweinen, wozu der Riesling „Auf dem Schnapp“ gehört, wird das schonende Arbeiten konsequent  durchgezogen. D.h. selektive Lese, mehrere Lesedurchgänge, nur bestes, reifes Traubenmaterial, Maischestandzeit, schonende Pressung, (fast) keine Vorklärung, keine Schönung, Spontanvergärung, langes Hefelager, späte Abfüllung.

Es wird aber immer Qualitätsstellschrauben geben, an denen wir arbeiten können. Allgemein ist mein eingeschlagener Weg für mich der Richtige. Die Zukunft sehe ich für mich im Bioanbau, die Zertifizierung ist eigentlich nur noch der nächste logische Schritt in der Bewirtschaftung unserer Weinberge. Vermarktungstechnisch wird das aber keine dominierende Rolle spielen.

2009 bis 2010 warst Du Winemaking Assistant im Weingut (Seresin Estate, Marlborough, Neuseeland.Ein biodynamisches Weingut. (Gerade auch bei uns mit Andrew Connor im Fischers Fritz vorgestellt.) Biodynamik und Sauvignon Blanc ein Thema für Dich?

Biodynamie ist ein sehr interessantes Thema. Immerhin habe ich mich bewusst für ein biodynamisch arbeitendes Weingut entschieden und einen wirklich guten Einblick bekommen. Hier wurden alle Präparate mit enormen Aufwand selbst hergestellt. Allgemein ein riesiger Aufwand, der bezogen auf unsere Rebfläche, sehr groß wäre. Im Verbund mit anderen Weingütern, welche in die gleiche Richtung gehen, ist das vielleicht irgendwann auch für mich denkbar. Aber, Schritt für Schritt. Grundsätzlich ist das Arbeiten mit den Präparaten und die Ausrichtung nach Mondphasen einleuchtend – der übersinnliche, fast okkulte Teil der Biodynamik ist dagegen eher nicht so mein Fall. ☺

Sauvignon Blanc ist absolut ein Thema für mich und seit 2012 bei uns im Anbau. Faszinierend sind vor allem die vielen verschiedenen Aromen, die ein Sauvignon Blanc haben kann. Das kann einerseits durch verschiedene An- und Ausbautechniken herbeigeführt werden. Andererseits auch durch die Herkunft. Ein neuseeländischer Sauvignon Blanc ist mit einem von der Loire oder der Steiermark kaum zu vergleichen. Insgesamt glaube ich, wird der Sauvignon Blanc bei uns weiter an Bedeutung gewinnen.

Hast Du Vorbilder an denen Du Dich orientierst?

Grundsätzlich bin ich kein Mensch, der sich groß an Vorbildern orientiert. Aber im Weinbereich gibt es sicherlich einige Winzer, die man als Vorbild nehmen kann.

Tradition und Moderne ist immer wieder ein Thema im Weinbusiness. Die Namen wie Richard Wagner oder Wendelin Weissheimer sind mit dem Weingut eng verbunden. Was bedeutet für Dich Tradition und wie spiegelt sich das in den Weinen wieder? 

Es ist schön, eine so lange Familientradition zu haben und diese auch zu pflegen. Einige einflussreiche Zeitgenossen früherer Jahrhunderte sind in der Steinmühle ein-und ausgegangen – Richard Wagner, Ferdinand Lassalle, Franz Liszt oder Hans von Bülow sind nur einige davon. Mittlerweile bin ich die elfte Generation, die in der Steinmühle lebt und „Wein macht“. Jeder meiner Vorfahren hat das Weingut auf irgendeine Weise geprägt und weiterentwickelt, umgebaut oder der aktuellen Zeit angepasst.

Zum Beispiel hat mein Ur-Ur-Ur-Ur-Großvater Johann Weißheimer II,  unsere heutige Toplage „Auf dem Schnapp“ abschieben lassen, so hat er aus einer Terrassenlage (Ost-West-Zeilung) eine Hanglage (Nord-Süd-Zeilung) gemacht, um eine optimalere Sonneinstrahlung zu bekommen und so die Rieslingtrauben, welche hier schon seit Jahrhunderten angebaut werden, besser reifen zu lassen. Den Qualitätsgedanken gab es bei uns also schon immer.

Heute profitiere ich natürlich von unseren Weinlagen oder dem kühlen Gewölbekeller. Ich möchte aber mit der Qualität meiner Weine auffallen und nicht nur mit der langen Tradition unseres Weinguts.

Was war das verrückteste Erlebnis bei einer Verkostung?

Ich kann kein einzelnes Erlebnis hervorheben. Bei Verkostungen, insbesondere wenn sie schon weiter fortgeschritten sind, kommen immer wieder die skurrilsten Dinge vor. ☺


Du bist auch schon recht gut im Ausland aufgestellt. Gibt es kulturelle Trinkunterschiede oder auch Geschmacksunterschiede, die Du festgestellt hast?

Ja! Wir haben mittlerweile einen recht hohen Exportanteil. Insbesondere Norwegen, Niederlande, Polen und Südkorea sind Märkte, die wir zur Zeit mit Wein „versorgen“. Klar gibt es Unterschiede in den einzelnen Märkten, wobei alle, natürlich die deutschen Rieslinge schätzen, aber auch Weiß-, Grau- und Spätburgunder werden immer beliebter.

Wie siehst Du die Relevanz deutscher Weine in der Welt. Hat irgend jemand kapiert was für grossartige Qualitäten es für kleines Geld gibt?

Leider trinken viele Leute immer noch überteuerte Weine von drittklassigen Chateaus und haben den Wandel im deutschen Weinbau noch nicht erkannt. Gerade Rheinhessen hat sein schlechtes „cheap and sweet“-Image der 80iger Jahre abgelegt und ist für mich heute die innovativste Weinregion Deutschlands. Etliche rheinhessische Spitzenwinzer wie Keller, Wittmann, usw. haben in den letzten 15-20 Jahre hier viel für das Ansehen der Region getan und dadurch auch uns jüngere Winzer extrem motiviert und angespornt auf Qualität zu setzen.

Welcher Wein geht Dir nicht mehr aus dem Kopf?

Domaine Dujac, Charmes Chambertin Grand Cru 2005

Du hast diesen Wein aufgesetzt: Aufstieg 1896. ist das eine cross-selling Strategie oder  Leidenschaft. Wie soll den ein Aufstiegswein begeistern?

Das war die Idee eines Weinhändlers (Capulet & Montague) und der WeinBasis in Hannover, ein Restaurant mit Weinbar, das von Sebastian Wilkens und Dennis Thies betrieben wird. Das Weißwein-Cuvée (Hauptanteil Riesling) wird ausschließlich von der WeinBasis vertrieben. Natürlich hoffe ich, dass Hannover den direkten Wiederaufstieg packt! Dann wäre der Aufstiegswein quasi ein Erfolg und würde wohl viele Hannover 96 – Fans begeistern! ☺

Und da war doch noch was: Speiseschieber, was ist das?

Das ist ein Rotweincuvée aus unserem Weingut – hat natürlich einen etwas, durchaus gewollt provokanten Namen, allerdings mit Hintergrund! Der „Speiseschieber“ war ein Holzbrett, welches dem Müller ermöglichte, durch Ziehen desselben die Mahlgutzuführung zur Mahlmaschine zu regulieren. Vor dem Hintergrund, dass in der Steinmühle natürlich irgendwann mal Mehl gemahlen wurde, haben wir uns für diesen Namen und das entsprechende Etikettendesign entschieden. Quasi als Hommage an das Müllerwesen.

Mehr Informationen unter www.weingut-steinmuehle.de/