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Weingut Schwedhelm

Schwedhelm_Brothers

Weingut Schwedhelm

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Weiß ist heiß

Morgendämmerung. Der Tau steht auf den Blättern. Ein leises Summen geht durch das Zellertal in der Nordpfalz. Wir befinden uns im achten Jahrhundert. Falsch. Rund 1300 Jahre später. Vieles hat sich verändert. Eine Konstante ist geblieben. Der Weinanbau. Ein Besonderer. Anders. Die Brüder Stephan und Georg Schwedhelm spielen frei auf. Kompromisslos und unbefangen wird Wein gemacht. Im Weinberg. Im Keller. In der Vermarktung. Diese Unbeschwertheit tut der noch vor einigen Jahren belächelten Weinregion sehr gut. Und Deutschland auch. Mit gerade einmal 36 (Stephan) und 29 (Georg) Jahren gab es in den letzten fünf Jahren eine beindruckende Entwicklung. Heute spielen die beiden bereits im VDP Spitzentalente Programm mit.Doch auch abseits der Klassifizierung möchte man eigentlich nur eins. Diese in ihrer Stilistik bestechenden Weine kennenlernen und trinken. Genau das macht diese Arbeit der beiden so außergewöhnlich: Unbeschwertheit, Seriosität und Terroir in einem Wein zu vereinen.

Die Weine


2014 Riesling Trocken Schwarzer Herrgott
Dieser Wein strafft jede Zelle meines Körpers. Tief bohrt sich die Mineralik in die Rezeptoren. Kein Schnickschnack, dieser Riesling will auf den Punkt kommen und überzeugt durch Präzision. Lustvolles Geniessen. Freude, die von der Vorfreude ersetzt wird, denn die kalkhaltige Note, begleitet von frischem Apfel verspricht zuvor bereits viel und lässt die Spannung steigen, diesen Wein am Gaumen zu haben. Hier wirkt alles straff, schlank, in sich geschlossen, druckvoll. Jeder sollte diesen Wein einmal getrunken haben, der wirklich kein Loch ins Portemonnaie reißt.


2014 Riesling Trocken Zellertal
Bergab oder bergauf? Der zweite Riesling, aus der Lage Zellertal, bleibt stringent bei der Stilistik wie sein großer Bruder Schwarzer Herrgott. Hier ist alles nicht ganz so dicht, wobei diese messerscharfe Präzision und der kalkige Eindruck bleibt. Die Frucht ist hier leicht reduzierter. Ein Hauch von leicht exotischen Noten kommt durch. Mit festem Grip bleibt er lange am Gaumen. Bergauf oder bergab? Man muss nicht jeden Tag einen Gipfel ersteigen. Doch hier wird man erst auf den Boden zurückgeholt, wenn die Flasche leer ist. Ein toller Riesling-Höhenflug.



2014 Weissburgunder Trocken Karlspfad
Lasst uns über (p)fade Weine sprechen. Aber bitte nicht bei diesem Wein. Der Weissburgunder ist genau das Gegenteil! Dieser Wein ist stoffig, mit einem wunderbaren Schmelz. Die Säure ist dabei sehr gut eingebunden uns stets präsent, so dass man hier nicht in eine buttrig, kitschige Richtung entgleitet. Eine gewisse kühle Stilistik findet sich subtil im Hintergrund.Und irgendwie scheint das Etikett den Geschmackszustand gut zu treffen. Unbeschwertes Schweben über dem Gipfel des Wotanfelses. Lang, elegant und schroff.


2014 Scheurebe Trocken Zellertal
Nicht die Scheurebe scheuen. Auch wenn die Rieslinge und der Weissburgunder kräftig vorgelegt haben, sollte man sich auf die Scheurebe einlassen. Die Verbindung zwischen den kalkhaltigen Böden und dieser Rebsorte ergibt einen Wein, der die Facetten vom Riesling und Weissburgunder feingliedrig die in die Flasche bringt. Die Struktur ist spürbar, Würze und Frucht sind gut ausbalanciert und ergeben mit einem Hauch von Mineralik einen Allrounder-Wein, der durch seinen gut ausgearbeiteten Sortencharakter besticht. Gib der Scheurebe eine Chance!

Das Interview


Eure Lage: Halb Pfalz halb Rheinhessen. Genau auf der Grenze. Warum ist Eure Lage nicht nur eine halbe Sache?
Wir selbst zählen uns klar zur Pfalz. Mit 708 n.Chr. sind wir schließlich die Geburtsstätte des Pfälzer Weinbaus. Und haben mit dem Zeller Schwarzer Herrgott eine der ältesten deutschen Weinlagen in unserem Besitz. Aber das Zellertal ist das Zellertal. Hier entstehen eigenständige Weine, die nicht versuchen in irgendein Raster zu passen. Sie schmecken einfach nach dem Zellertal. Da machen wir keine Kompromisse.

Ihr seid noch ein recht junges Weingut. Dazu unabhängig. Ihr könnt also komplett euren Stil fahren. Welchen Stil wollt ihr?
Mit unseren kargen Böden – von Kalkstein und Ton geprägt – wollen wir unsere einzigartige Herkunft schmeckbar machen, ohne dass die Rebsortentypizität dabei verloren geht. Mineralisch, klar, mit Tiefe und Druck, das sind unsere Weine. Gefällige Weine mit Süße gibt es zur Genüge.

Georg, du hast vorher BWL studiert und warst in einigen Agenturen tätig. War das nicht spannend genug oder warum bist Du in den Weinbau eingestiegen?
Natürlich war mein Studium spannend, gerade weil ich dabei in viele unterschiedliche Bereiche blicken konnte. Aber etwas Eigenes zu schaffen, in das man sein ganzes Herzblut steckt und einfach der Spaß am Weinbau und natürlich am Wein, das hat mich dazu getrieben, mit Stephan das Weingut zu führen.

Ihr seid gemeinsam für Euer Weingut verantwortlich. Der eine hat Önologie studiert, der andere ist Kaufmann. Bleibt es bei dieser Arbeits- bzw. Rollenteilung?
In unserem Familienweingut kann man die Rollen nicht so strikt trennen. Jeder hat seine Schwerpunkte, aber wo gerade die Arbeit anfällt, helfen wir uns gegenseitig.


Wenn man sich eure Website anschaut, dann ist das schon ein sehr zeitgemäßer Markenauftritt. Welche Rolle wird Eurer Meinung nach eine moderne Kommunikation in der Zukunft im Weinbusiness haben?
Moderne Kommunikation ist ein wichtiges Thema, das auch noch an Bedeutung gewinnen wird. Aber man muss sich mit seinem eigenen Auftreten selbst wohlfühlen und das Etikett muss zum Weinstil passen. Um langfristig erfolgreich zu sein, ist aber die Qualität der entscheidende Faktor.

Und nun ganz konkret. Euer Etikett. Es war schon sehr fortschrittlich, zumindest für Deutschland, Fotos auf die Etiketten zu bringen. Deutsche Winzer sind ja in Sachen Design noch eher zurückhaltend. Was ist hinsichtlich Wein und Design für die Zukunft noch geplant?
Unser Weinstil ist für die Pfalz sehr individuell. Das wollen wir mit unserem Etikett würdigen. Wir lassen Bilder sprechen und überfordern die Weintrinker nicht mit viel Text. Der Wein soll für sich stehen. Das Thema haben wir auch auf unserer Website mit Bild und Video aufgegriffen.Mit dem xBerg gehen wir da in die nächste Runde. Das Etikett ist sehr puristisch und der Weintrinker wird nicht von knalligen Farben oder Slogans überfrachtet. Der Wein kann einfach seine Wirkung versprühen.

2014 habt ihr auf Bio umgestellt. Wann kommt der erste Natur- oder Orangewein? Man muss sich doch steigern…?
Die Umstellung auf Bio hat unseren Weinen gut getan. Dabei bleiben wir nahe an der Natur und greifen nur so stark wie nötig ein. Unser Ziel sind Weine, wie sie bei uns wachsen und das in einer puren Form. Wir sind keine Fans von Orangeweinen. Sie nehmen dem Wein ein Stück Herkunft. Diese Passion überlassen wir lieber anderen.


Euer Motto: „Sua sponte” – alles aus eigener Kraft. Nach 2011 gab es bewegte Jahre bis heute. Was war in der Zeit das markanteste was euch als Winzer und als Privatperson Stehpan und Georg passiert ist?
In unserem Weingut haben wir seit 2011 viel verändert, was langsam Früchte trägt. Die Aufnahme in das VDP.Spitzentalente Programm und das entstandene Interesse am Zellertal machen uns stolz. Ein sehr großer Schritt war der Neubau unserer Vinothek. Dazu haben wir unser Elternhaus abgerissen – eine sehr emotionale Entscheidung, auch gerade für unsere Eltern. Aber es gibt uns Kraft, wenn man sieht, dass unsere Entscheidungen richtig waren und man von anderen die Bestätigung dafür bekommt.

Was ist euer perfekter Weinmoment?
Mit Freunden! Trinken, Essen, Spaß haben!

Was wolltet ihr schon immer mal sagen, unsere „Shout it out loud Ecke“:
Das Zellertal: Noch vor 10 Jahren verschrien; alle haben uns nur belächelt. Mittlerweile brüsten sich einige damit in der Nähe des Zellertals Weinberge zu haben oder für ihre kargen Böden aus Kalkstein und Ton.
An alle: Wir sind aus dem Zellertal, lernt unsere Weine kennen!