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Weingut Oliver Zeter

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Weingut Oliver Zeter

Zetern hilft

Der blanke Wahnsinn. Man sollte hier lieber blank mit „c“ schreiben. Der Kontext passt. Oliver Zeter hat den „blancen Wahnsinn“ nach Deutschland geholt. Zumindest in seinem Herzen. Nein, auch in die Flasche. Seit knapp 10 Jahren kämpft er für guten Sauvignon Blanc. Das ist im Riesling dominierten Deutschland gar nicht so einfach. Doch gegen den Strom war schon immer seine Sache. Und er selbst steht ebenfalls unter Strom. Tatendrang. Emotion ist Motivation. Das Ergebnis ist ein Sauvignon Blanc, der in Deutschland zu den Großen gehört. Doch bei aller Verliebtheit gibt es auch noch andere Rebsorten, die bei Oliver Zeter gut aufgehoben sind. Auch der Viognier und die Rotweine gehören zur Familie. Doch die Familienplanung ist offensichtlich noch nicht abgeschlossen. Sich immer wieder einbringen, dass will Oliver Zeter. Unstetig, quirlig, unangepasst. „Zetern“ mit sich selbst, um besser zu werden. Oft tut meckern auch anderen gut. „Zetern“ auch.


Die Weine


-2014 Sauvignon Blanc
Rein und gemischt ist dieser Wein. Scheint paradox. Geht das? Geht. In der Flasche ist nur eine Rebsorte abgefüllt. Der Sauvignon Blanc. Das Traubengut stammt jedoch aus verschiedenen Lagen von verschiedenen Rebstockarten. Dieses Cuvée umschliesst die DNA des Sauvignon Blancs, bringt aber verschiedene Aromen zusammen und gewinnt dadurch an Vielfalt. Genauer gesagt: Neue Welt Stilistik und Alte Welt Rückgrat kommen zusammen. Stachelbeere und Passionsfrucht als moderne Interpretation existieren neben grasigen, mineralischen Noten und einer straffen Säure. Ein Kosmopolit aus der Pfalz.



-2014 Sauvignon Blanc Fumé
Wir wollen Raucher! Denn Raucher gewinnen. Nicht in jedem Falle. Doch wer sich diesem Wein, denen durch Holzeinsatz gewonnenen rauchigen Noten, die an Mandeln, Hefe und Nuss erinnern, hingibt, der wird belohnt. Denn neben diesen Noten müssen erst einmal die Frische der Säure und die Süße der Frucht dem Holz trotzen und dafür sorgen, dass alles harmonisch wirkt. Und das passiert. Es präsentiert sich ein Sauvignon Blanc, der die Komplexität der Eindrücke ineinander verbindet. Zeter beweist hier viel Feingefühl. Ein Wein mit viel Zündstoff. Vorsicht, leicht entzündbare Freundensexplosionen.



-2014 Viognier
Manchmal tut es gut an die Pfalz zu denken. Beim Pfälzer Saumagen…, vergessen wir das. Lieber an Viognier denken. Dank des Klimawandels ist ein Viognieranbau auch in Deutschland möglich. Nicht viel, aber immerhin etwas über vier Hektar gibt es. Eine Hand voll Winzer trauen sich – Herr Zeter einer davon. Denn hier muss viel „gezetert“ werden. Diese Rebsorte erfordert viel Zuneigung. Vom Winzer. Vom Genießer. Letzterer sollte Lust haben sich einlassen zu wollen und sich Zeit nehmen, dem Wein zu begegnen. Dann ist es eine Begegnung der anderen Art. Ein Spiel zwischen Opulenz und Eleganz. Im Bukett steckt Intensität. Viel exotische Frucht. Das führt sich am Gaumen fort. Dazu kommen die elegante Säure, die feine Textur, der elegante Holzeinsatz und der schmelzige Abgang.Viel Platz für komplexe Trinker.

- 2012 Z Rotwein
Z heisst dieser Rotwein. „Z“eters persönlichster Wein? Oder doch nur letzter Buchstabe im Alphabet und damit ein Wein aus der hintersten Reihe? Naja, er hat sich zumindest in 2012 als offizieller Rotwein bei der Berlinale bewährt. Und er bringt Kraft aus der Pfalz an den Gaumen. Saftig und würzig. Samtige Tannine, Struktur und ein langer Abgang machen Spass.


 

Das Interview



Es hat gedauert. Du bist als Winzer erst relativ spät eingestiegen obwohl du vorher bereits viele Jahre in der Weinbranche gearbeitet hast. Warum diese späte Erkenntnis?
Es war so, dass es schon klar war, dass ich in die Weinsparte gehe. Das erwünschte oder elterlich ersehnte Weingut gab es bei mir nicht. Es gab dafür eine  Wein-Importfirma, die mein Vater seit 1987 etabliert hat. Angesichts dieser Tatsache war es relativ einfach einzusteigen. Das hatte ja schon mit Wein zu tun. Nach meiner Zeit in Südafrika bin ich nach Hamburg gegangen und habe dort elf Jahre gearbeitet. Dann hat es mich aber sehr stark wieder in die Pfalz gezogen. Ich wollte mich ausleben. Das machen, was ich schon immer machen wollte. Meinen eigenen Wein. 2004 habe ich dann begonnen, die ersten Reben zu pflanzen.

Musstest du dafür Land kaufen?
Nein. Ein Großcousin von mir hatte eine Lage, war jedoch unzufrieden. Der ist auch Jurist und hatte mit Wein nicht wirklich viel am Hut. Ich bekam einen alten Weinberg, der schlecht bewirtschaftet war. Ich habe dann alles gerodet und neu bepflanzt. Wir haben Sauvignon Blanc und Viognier gepflanzt. Damit hatte ich dann gleich meinen eigenen halben Hektar und später dann sukzessiv zuggepachtet und gekauft.

Dieser mutige Schritt zeigt auch eine gewisse Offenheit gegen den Strom zu schwimmen. Wie würdest du Deine Lebenseinstellung beschreiben.
Die Formulierung „Gegen den Strom“ trifft es schon sehr gut. Angepasst war noch nie meins. Das ist sicherlich nicht der Lebensweg mit dem geringsten Widerstand. Aber es macht einfach viel mehr Spass. Und beim Wein erst recht.

Der Entschluss Sauvignon Blanc anzubauen war ein guter, denn es gab viele Preise und gehört heute zur Spitze in Deutschland. Warum fiel die Entscheidung auf diese Rebsorte?
Ganz einfach. Verliebt. Es gibt kein stärkeres Gefühl wie das Verliebtsein. Und in den Sauvignon Blanc habe ich mich in der Zeit in Südafrika Hals über Kopf verliebt. Es war unglaublich, wie mir der Wein reingegangen ist. Er ist so unglaublich elegant, er hat viel Finesse und ist so gut zu trinken. Es ist kein verkopfter Wein. Er ist ehrlich. Er spielt mit dir wie es eigentlich nur noch der Riesling kann. Ich habe zu viele mittelmäßige Sauvignon Blancs in meinem Leben probiert. Für mich war daher klar, ich will einen Hervorragenden machen.

Was denkst Du über Wettbewerbe im Weinbusiness?
Wettbewerb ist gut. Wettbewerb spornt an. Durch den Wettbewerb wird sichtbar, dass die jungen deutschen Winzer gut positioniert sind. Auch wenn ich nicht mehr vom Lebensalter zur jungen Generation gehöre, so freue ich mich auf gute Ergebnisse bei den Sauvignon Blanc Trophys oder Tastings.

Und die Bewertung nach Punkten?
Es ist nur mittel zum Zweck. Jeder empfindet Wein anders. Punkte zu vergeben ist nichts Verlässliches. Wir Deutschen sind zwar immer sehr darauf bedacht, alles im DIN- und Norm-Bereich zu halten, aber ich denke eine Bewertung durch Punkte ist eben nur eine grobe Richtung.

Er gehört als Markenlogo zu dir: Der Bär. Welche Geschichte steckt hinter diesem markanten Logo?
Der Bär wurde nicht für das Etikett gezeichnet. Er ist deutlich älter als du und ich und wir beide zusammen. Er wurde 1933 gezeichnet. Es muss wohl ein witziger Abend gewesen sein. Es kam ein Stammtisch im Hinterzimmer in Neustadt mit acht Herren zusammen. Einer dieser Herren war mein Urgroßvater, Walter Baer und ein anderer ein bekannter Maler namens Otto Dill, spezialisiert auf Tierbilder. Eines Abends hatte mein Urgroßvater keine Zeit zu diesem Stammtisch zu kommen. Aber irgendwie wollten diese Herren mit ihm in Kontakt treten. Daher wurde eine Postkarte aufgesetzt und auf der Rückseite diese Zeichnung des weintrinkenden Bären skizziert. Das muss innerhalb von fünf Minuten passiert sein, es waren ja nur ein paar Bleistiftstriche. Diese Postkarte haben sie dann eben an meinen Urgroßvater Walter Baer geschickt.

Das war dann für dich Anlass genug, den Bären auf das Etikett zu bringen?
Ganz so bewusst und absichtlich haben wir das nicht gemacht. Ich fand den Bären so unglaublich drollig. Dieser hängt bei uns in der Küche. Des Öfteren habe ich mich gefragt, welchen Blick der Bär hat. Irgendwas zwischen grimmig und lustig. Ich habe mir dann gesagt, wenn ich mal einen Wein mache, dann nagele ich dieses Etikett auf die Flaschen. Im Nachhinein gesehen war das eine gute Entscheidung. Er ist schon ein wenig unser „Galionsfigürchen“ geworden. Er gibt meinem Wein eine nicht zu verwechselnde Wiedererkennung.

Was sagen die Leute zum Bären?
Jeder findet es ziemlich gut. Von den Damen hört man öfter wie lieb und wie knuddelig. Aber auch vom künstlerischen Aspekt finden es viele gut. Es ist halt immer ein gewisses Schmunzeln dabei. Und ich habe mir den Bären bis heute nicht satt gesehen. Wir haben mit dem Bären auch noch einiges vor. Zukünftig gibt es noch eine Linie mit einem weiteren Bären, der vom gleichen Künstler für meinen Urgroßvater gemalt wurde. Mehr kann ich dazu aber noch nicht sagen. Top Secret (lacht).

Rebranding für Berlin. Das passt doch ganz gut?
Ein Bär in Berlin. Das wäre schon witzig. Aber wir wollen das jetzt nicht zu knuffig und zu lieb machen und die komplette biologische Familie der Bären hier aufzählen. Man sollte das nicht zu sehr strapazieren. Bär und Zeter gehören zusammen. Punkt.

Deine Philosophie: Spezialisierung auf bestimmte Terroirtypen. Was bedeutet das und ist es ein Rezept für die Zukunft?
Wir merken es schon deutlich, wo sich die besten Sauvignon Blanc Lagen befinden. Man glaubt es zwar kaum, aber in der Pfalz ist es so, dass die leichteren, sandigeren, heisseren Lagen nicht unbedingt die optimalen Lagen sind für den Sauvignon Blanc. Wir merken, dass mehr und mehr Kalk in Kombination mit Ton und Sand das Entscheidende ist. Wir haben jetzt auch erstmals 914 Flaschen vom Chenin Blanc auf den Markt gebracht. Wir haben eine sehr gute Lage mit unglaublich viel Kalk. Das macht sich unglaublich bemerkbar. Ich glaube, dass ist für den Chenin Blanc ideal. Also, yes, Terroir in seiner Komplexität ist das Rezept der Zukunft.

Welche Rolle spielt Sauvignon Blanc für dich, für Deutschland und für die Welt in der Zukunft?
Für mich persönlich ist Savingnon Blanc die wichtigste Rebsorte im Betrieb. Wir haben eine große Bandbreite dieser Rebsorte. Man könnte damit ein ganzes Menü stemmen. Sekt, Basis Sauvignon, Einzellagen-Sauvignon, Fumé, süßen Sauvignon Sweetheart, Grappa Sauvignon und wir werden einen Sauvignon Blanc lancieren, der über Allem bisherigen steht. Ein Wein, der mehr auf Länge geht und anspruchsvoll daherkommt. Sauvignon Blanc für Deutschland ist ein großes Thema. Obwohl Riesling schwerpunktmäßig in Deutschland überwiegt, wird Sauvignon Blanc in Deutschland und damit in der Pfalz definitiv einen Stellenwert haben. Auch im Kontext mit meinem neuen Wein der bald kommt, werden wir fähig sein, eine Spitze zu formen, die weltweit standhalten wird. Mit einer gewissen Persönlichkeit der Pfalz und damit mit einer eigenen Identität aus Deutschland. Ich sage sogar vorher, dass der Sauvignon Blanc aus Deutschland interessanter und größer werden könnte als der Chardonnay. Wenn wir vom Sauvignon Blanc weltweit gesehen sprechen, dann sollte man sicherlich hier auch über den Cool-Climate-Style aus Neuseeland sprechen. Auch wenn der Import in den letzten Jahren nach Deutschland rückläufig ist, auch eine Konsequenz unserer Qualitäten (schmunzelt), denke ich, sind diese Weine eine oft leicht zu verstehende Alternative. Ich sehe beide auf Augenhöhe.

Gibt es etwas was du der Welt schon immer einmal mitteilen wolltest?
Aus meiner Perspektive gesprochen freue ich mich einfach darüber, dass ich das machen kann, was mir Spass macht. Ich lebe einen Lebenstraum und lebe mein Leben gerade sehr intensiv. Ich sauge das auf wie ein Schwamm. Ich brenne lichterloh.Auf die Leser aus Berlin und Deutschland bezogen, freue ich mich, dass wir momentan so ein gutes, aufgeschlossenes Umfeld haben. Das junge Winzer für Jüngere und für Ältere produzieren und das wir nicht mehr das trinken müssen, was wir früher fabriziert haben. Es boomt in Deutschland und das ist gut so.