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Weingut Milch

Karl_Hermann_Milch

WEINGUT MILCH

Karl_Hermann_Milch
Chardonnay wie Milch

Tasse Milch. Leer. Die Rezeptoren sind sich einig. Hier umspült das Fett gerade den Gaumen. Aufregend. Nein – Und ob! Wir ersetzen die eingangs erwähnte Tasse durch ein Glas. Die Konstante in diesem Tausch: Milch. Aber nicht die Ansammlung von Proteinen, Milchzucker und Fett. Das ist aufregend: Wir müssen über Milch´s Chardonnays reden! Die macht er nämlich richtig gut. Karl-Hermann Milch ist einer der Winzer in Rheinhessen, die den Chardonnay aus dem Effeff kennen und bombensicher seit mehreren Jahren die Chardonnays auf konstant hohem Niveau bringt.

Machos müssen draussen bleiben

Die Chardonnays von Milch sind wie die harte Tür im einer der bekanntesten Technoklubs weltweit, dem Berliner Berghain. Rein kommt nur, wer zum Konzept passt. Basta. Beim 39-jährigen Karl-Hermann Milch versteht es sich von selbst, dass nur gute Trauben und schonender Weinausbau einer der wichtigen Stellschrauben für gute Weine sind. Wer hier einen vom Holz fast ertränkten Wein erwartet, der wird enttäuscht sein. Denn der up to date Trinker mag keinen starken Holzeinsatz. Die Weine funktionieren so ehrlich wie die Region aus der sie stammen, inmitten des Monsheimer Silberberges. Alles ganz unaufgeregt. Ohne Cabrios und Rolex. Aber nicht minder eindrucksstiftend.

Die Weine

2014er Chardonnay ”Valentin” trocken

Der Name dieses Chardonnays geht auf den Namen eines von Milch´s Stückfass zurück, das wiederum den Namen des 2004 geborenen Sohnes Valentin trägt. Und so fern ist eine Beziehung zwischen dem Namen und seiner ursprünglichen Bedeutung (lat. valere = gesund, Einfluß haben) ebenfalls nicht. Ein gesunder Einfluß an dezenten Holzaromen bei einer schönen Lebendigkeit prägt diesen Wein. Ja, wir finden typische Chardonnay-Frucht wie Banane in der Nase wieder. Doch sonst überrascht er mit seiner mineralischen Frische und macht demnach schon hier mehr als nur Spass. Er ist übrigens kein Wein nur für den Valentinstag. Ein Wein, der in die Woche passt. Vergnügen wollen wir doch jeden Tag!

2014er Monsheimer Chardonnay ”S” trocken

Nein, nicht gleich an die Assoziation S-Klasse Mercedes denken. Der Name des Chardonnay „S“ ist das Ergebnis einer Entwicklung. Hinter dem „S“ steht der Begriff Selektion. Problem war, in den späten 90igern konnte der Selektionsbegriff noch nicht verwendet werden, da dieser als offizielle Namensgebung noch nicht zugelassen war. Aber eine Differenzierung war nötig, denn Karl-Hermann Milch machte mit diesem Wein in seiner Qualitätspyramide einen gewaltigen Schritt nach oben. Das zeigt der Wein auch in 2014.  Nach dem probieren bleibt ein langes „Ssss” im Mund. Die durchaus beeindruckende Kraft des Weines, die würzige Barriquenote (600 Liter Halbstückfass), die dennoch einer eleganten Burgunder Stilistik gegenübersteht, münden in einem langanhaltenderen „Aaah“ oder besser „SSsss” Gefühl. Man merkt hier schon deutlich, dass die Ernsthaftigkeit des Weines zunimmt. Nur eines bleibt offen. Sie entscheiden wie er jetzt für Sie heissen soll: Spitze, Super oder Selektion. Alles passt.

2014er Monsheimer Im Blauarsch -  Chardonnay ”Blauarsch” trocken

Wollen wir oder wollen wir nicht? Na gut, wir wollen… es Ihnen noch einmal erklären. Der prägnante Name stammt aus einer alten Lagenbezeichnung in der Nähe von Monsheim. Ganz unspektakulär. Das gilt nicht für diesen Chardonnay. Wir sind bei diesem Wein fast ganz oben angekommen. Einer der besten Chardonnay aus Rheinhessen. Er wirkt konzentriert, ohne jedoch zu mächtig zu wirken. Die Mineralität bleibt spürbar und die Säure steht neben einer reifen Frucht ordentlich dar. Der Holzeinsatz ist sehr präsent und damit intelligent eingebunden, inmitten aller anderen ebenfalls beeindruckenden Komponenten. Wir würden hier unseren nackten (blauen) Popo darauf wetten, das Sie hier für gutes Geld ein grossartiges Geschmackserlebnis haben.

Das Interview

War Ihnen von Kindesbeinen an klar, dass Sie einmal ein Weingut führen möchten?
Ja. Das Weingut ist ja ein Familienbetrieb. Ich habe dieses von meinen Eltern übernommen. Mein Bruder wollte den Betrieb damals nicht übernehmen. Mir hingegen hatte es bereits als Kind viel Spass gemacht zu helfen, zu keltern im Weinberg zu sein. Nach dem Abitur war klar, dass ich eher praktisch arbeiten wollte.

Die Lehrjahre verbrachten Sie bei Knipser in der Pfalz und bei Klaus Keller. Was war kurz gesagt das Prägnanteste was Sie dort mitgenommen haben?
Der Spass an gutem Wein. Ihn zu trinken und ihn selbst gut machen zu wollen. Es ist eigentlich nicht so wichtig was man im Einzelnen gelernt hat, sondern das man Spass daran hat, gerne etwas Gutes erzeugen zu wollen. Einzelne Praktiken muss man sowieso an das eigene Terroir anpassen.

Einer Ihrer Chardonnays heisst Valentin, der nach dem Namen Ihres Stückfasses, oder besser gesagt nach dem Namen Ihres Sohnes benannt wurde. Wann wird es einen Chardonnay namens Juliane, also den Namen Ihrer Tochter geben?
Wir hatten zur Geburt auch die Cuvée Juliane. Allerdings, die Rebsorten die wir dort verwandt haben, haben wir heute nicht mehr. Natürlich gibt es stets die Überlegung einen Wein Juliane zu nennen. Ich möchte jedoch nicht alles übers Knie brechen und daher lassen wir uns hier Zeit. Ein Rose, der spritzig und auch etwas wild ist, könnte ich mir da sehr gut als Namensgebung vorstellen (lacht).

Ihre Weinphilosophie: Qualitätsbewusster, individueller Weinausbau – von der Traube bis zur Flasche. Alles in einer Hand. Was ist besonders wichtig?
Man sollte über jeden einzelne Schritt nachdenken. Sich immer wieder hinterfragen und versuchen, das Optimum herauszuholen. Natürlich sollte man wein- und rebsortenspezifisch vorgehen, nicht nach Schema F. Jeder Wein sollte seine eigene Handschrift tragen.

Die Naturweinmesse RAW kommt bald nach Berlin. Momentan spielt Deutschland gegenüber Frankreich, Italien und Österreich eine kleine Rolle in diesem Segment. Wie sehen Sie die Zukunft und die Existenzberechtigung dieser Weine?
Wenn die Definition von Naturwein lauten soll, so wenig wie möglich am Wein zu machen, dann entspricht das einer Philosophie, die ich von Anfang an vertreten habe. Vieles, was momentan In ist, habe ich so bereits seit Beginn meiner Tätigkeit gemacht. Von offizieller Seite wurde man da schon oft ein wenig schief von der Seite angeschaut. Nehmen wir die Spontangärung. Von Anfang an war meine Devise: 100% Spontangärung. Damals hiess es jedoch noch, Spontangärung ist nicht so klar und Reinzuchthefen sollten eingesetzt werden. Ich wollte jedoch so natürlich wie möglich arbeiten. Eine Spontangärung gehört einfach dazu. Meine Devise war und ist, so wenig wie möglich einzugreifen bei sauberem, puristischem Arbeiten.

Das Thema Sulfite in diesem Zusammenhang?
Ich bin an dieses Thema nicht speziell rangegangen. Für mich ist es wichtig einen guten Wein zu erzeugen. Natürlich setzen wir so wenig wie möglich Sulfite ein, aber ganz ohne Sulfite kommen wir momentan nicht aus.

Und Orangewein?
Moste mit Trauben zu vergären (Orangewein) machen wir seit 2003. Ist ja momentan auch ein heisses Thema. Wie gesagt seit 12 Jahren.

Warum haben Sie eine so große Beziehung zum Chardonnay?
Von Anfang an habe ich die Chardonnays im Holzfass ausbaut. Ich habe zuvor beide Arten kennengelernt. Keller mit seinen Chardonnays vom Edelstahltank und Knipser der dann die fetten Barrique-Weine ausbaute. Ich fand gerade die Chardonnays sehr interessant. Nach einem Jahr wurde mir das aber zu viel Holz. Ich hatte die Vorstellung, einen Chardonnay zu erzeugen, der ein bisschen Holznoten hat, die die Burgunder-Art unterstützt, die Frucht unterstützt, nicht überdeckt. Den ersten Chardonnay im gebrauchten Barrique auszubauen war schon sehr untypisch für diese Zeit damals. Es gab viele Widerstände, denn ich konnte damals nicht an Wettbewerben teilnehmen, da es nur die Kategorie im Barrique gereift oder im Stahltank gereift gab. Meine Interpretation von Chardonnay gab es noch nicht.

Das Etikett ist bei Ihnen eher unaufgeregt. Welchen Einfluß hat das Etikett Ihrer Meinung nach auf die Konsumentscheidung.
Insgesamt spielt das Etikett schon eine größere Rolle. Bei uns besteht momentan auch die  Überlegung, einige Etiketten zu überarbeiten. Es wird ja alles momentan immer auffälliger. Unser Name ist für eine „in Szene Setzung“ ja super prädestiniert (schmunzelt) um aufzufallen. Ich bin kein lauter Mensch. Mit einem extrem auffälligen Etikett tue ich mich schwer. Für die wertigen  Chardonnays sollte es nicht zu schrill werden. Nicht unbedingt traditionell, aber doch schon etwas Gewachsenes. Mit Hand und Fuss. Eher bodenständig als kurzlebig. Bei den Einsteigerweinen kann es ruhig etwas lauter werden.

Wie sieht der perfekte Weinmoment für Sie aus?
Wenn alles stimmt. Der Wein muss richtig gut sein. Das heisst nicht, dass er unheimlich Fett sein muss. Er muss gut zu diesem Moment passen. Gute Stimmung und gutes Essen. Voilà.

Gibt es irgendwelche unvergesslichen Momente, die Ihnen im Zusammenhang mit Ihrer Arbeit passiert sind?
Das schönste ist natürlich wenn die Leute deinen Wein probieren und dieser gut ankommt. Wenn man dann sieht, dass was man macht ist nicht unbedingt Mainstream und nicht laut und trotzdem kommt es gut an, dann ist das großartig.

Wenn Sie einmal nicht im Weinberg stehen, was fasziniert Sie?
Ich bin in der örtlichen Feuerwehr engagiert (lacht).

Warum?
Eigentlich ganz unspektakulär. Es macht Spass zu helfen und etwas Sinnvolles zu tun.