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Winery Martin Müllen – Foresight into history for the future

Cover Martin Müllen

Weingut Martin Müllen

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Von oben sieht die Welt anders aus. Weite Sicht in Sicht? Steht man auf dem Hühnerberg, eine von Martin Müllen bewirtschaftete Lage, präsentiert sich eine weite Sicht lang ins Tal hinab. Wem das vergönnt ist, sieht sich die Etiketten der Weine von Müllen an. Eine Sicht von oben auf die „besonderen Lagen“. Doch weite Sicht ist nicht gleich Weitblick. Martin Müllen vereint eine wertvolle ideologische Überzeugung: Es muss Passion in den Wein. Damit stellt er sich selbst einen hohen Anspruch, denn Passion schmecken zu können, ist auf den ersten, kurzen Blick nicht einfach. Es geht um den zu beanspruchenden, anspruchsvollen Konsumenten. Denn dieser hat ein Recht auf Weine, die sich nicht in Ihrer Flüchtigkeit erschließen sollen. Ein Bund zwischen Wein und Genießer im Spannungsfeld zwischen dem Hier und der Vergangenheit. Um dieses Erlebnis zu ermöglichen, geht Martin Müllen in Vorleistung. Sein Bemühen ist es, die Weine so darzustellen, wie die Natur es meint: Ehrlich – währt am Längsten. Handarbeit, selektive Lese und schonendes Abpressen sind eben heutzutage nicht zwangsläufig im Weinhandwerk verortet. Aber genau hier schliesst sich der Kreis. Denn nur mit einer felsenfesten Überzeugung und Können entsteht eine Außerordentlichkeit. Weitblick in die Historie für die Zukunft.

Die Weine


2013 Trabacher Hühnerberg Spätlese* Riesling trocken

Für uns fast so sensationell wie der Jahrgang 2012, einer der höchstplatzierten trockenen deutschen Weine bis dato (Wine Advocate), präsentiert sich Martin Müllen in seiner vermeintlich besten Performance. Hier schmeckt man das Terroir! Doch es gibt eine komplexere Dimension. Hier schwingt das Geheimnisvolle mit. Eine Parallele zu dem schwungvoll verlaufenden Flussbett der Mosel, das einen gewissen Reiz des Geheimnisvollen kreiert. Es sind diese multiplen Facetten. Olfaktorisch zeigt er Apfel und Pfirsichnoten, die mit leichter Exotik ergänzt werden. Eigentlich ein Schmeichler, der dann doch wieder durch Würze und Mineralik das vermeintlich weiße Bild mit schwarzen, tiefen Strukturen ergänzt. Am Gaumen ist er unglaublich dicht, bringt eine grandiose salzige Dimension hinein und wird durch saftige Frucht gehalten. Diesen Wein sollte man ruhig über mehrere Tage probieren. Wenn möglich bitte noch einige Jahre lagern. Sein Ego zeigt sich in seiner Wandlungsfähigkeit über die Zeit.

2011 Trabacher Hühnerberg Riesling Spätlese A&J trocken

Dieser Riesling , der aus alten (A) und jungen (J) Reben stammt, wurde in 2011 aufgrund einer schwachen Ernte zu einem Wein. Und Müllens Gedanke war der Richtige, auch wenn keine Referenzlinie besteht. Hier ist die Summe mehr als seine einzelnen Bestandteile. So ist es ein kraftvoller Wein, voller Frische, Lebendigkeit und Mineralik. Letzteres liegt intensiv in der Nase und wird durch florale Noten umgarnt. Im Abgang sperrt sich die Vollmundigkeit gegen das Vergessen. Auch hier sollte der Wein noch etwas reifer werden, um ihn voll genießen zu können.

2012 Kröver Paradies Spätlese** “Deare” Riesling

Deare“ steht für ein Teilstück aus der Lage Kröver Paradies. Dieser Wein kommt etwas schlanker daher. Das Extrakt treibt den Wein. Die Säure zieht gut mit uns wird durch Mineralik und gelbe Früchte getragen. Die Frische gepaart mit dem gut integrierten Restzucker machen Spaß. Zugänglicher aber auch noch gut lagerbar.

2014 Riesling Revival trocken

Reviva! Was denn? Martin Müllen liegt dieser Wein am Herzen und hat ihm einen konzeptionellen Namen gegeben. Es geht um die Wiederbelebung von Traditionen der Weinherstellung, die bei jedem seiner Weine, egal ob Spitze oder Basiswein, seine Anwendung findet. Die Trauben stammen aus verschiedenen Weinbergen die einen frischen und klar strukturierten Wein formen. Der Wein zeigt sich ohne Umwege. Gelbe, zarte Früchte. Animierende Säure und Mineralik. Ein direkter Wein, der die Facetten der oben beschriebenen Weine in seiner Basis zeigt.

Das Interview

Ihr Erklärtes Ziel ist es, nuancenreiche und herausfordernde Rieslinge zu erzeugen. Wie sollen sie denn schmecken?
Meine Weine sollen den unverwechselbaren Charakter des Terroirs und auch den Jahrgang, mit seinen Besonderheiten, widerspiegeln. Damit verbunden entsteht dann meistens eine große Aromenvielfalt, in der wiederum, die Lage eine große Rolle spielt. Zum Beispiel schmeckt ein Trabener Würzgarten tatsächlich nach Kräutern und Gewürzen  –richtig “spicy”. Oder im Trarbacher Hühnerberg spiegelt sich die saubere Frische des Waldes, feine Kräuter und die Tiefe und Kraft roter und schwarzer Früchte und Waldbeeren, und vieles was schwer zu beschreiben ist, wider.

Bei der Herstellung wird insbesondere mit Korbkeltern statt Hydraulikpressen gearbeitet. Ein Prozess der sehr lange dauert und beherrscht werden muss. Warum diese Mühe?
Die besondere Kelterung ist eine wichtige Säule für einen großen Wein. Die Grundstruktur des späteren Weines wird dabei maßgeblich gebildet. Unsere Korbpressen haben viele Eigenschaften, die wir sehr schätzen. Beispielsweise arbeiten wir mit sehr langer Presszeit, die moderne Pressen in dieser Weise nicht erbringen können. In Zahlen gesprochen: Mit unserem Verfahren dauert eine Pressung 20 Stunden, hingegen mit einer modernen Presse 1-4 Stunden. An diesem Beispiel sieht man zum einen sehr eindrücklich, wie schonend diese Kelterung ist und zum anderen, wie viel Zeit und Mühe wir benötigen, um einen Müllen-Wein zu produzieren. Man darf aber nicht vergessen, dass die Kelterung nur ein Teil unseres besonderen Ausbausystems ist. Als wichtigste Elemente müssen auch noch die Spontanvergärung und das langes Hefelager im alten Eichenfass genannt werden.

Im Weinanbaugebiet Mosel werden Sie oft mit anderen großen Namen genannt. Welche Vorbilder gibt es für Sie?
Mein Vater war immer ein großes Vorbild für mich. Die Weine waren immer sehr fein, obwohl die Erntemengen damals vor mehr als 40 Jahren sehr viel größer waren wie heute. Dem gegenüber habe ich die Erträge in meinem Betrieb drastisch gesenkt und die Selektion im Weinberg verbessert. Seit dem ich im Jahr 1986 meinen ersten Wein ausbaute, wollte ich keinem Winzer nacheifern, sondern einen eigenen Weinstil kreieren. Mein Credo lautet: “Vielfältig, einzigartig und von höchster Qualität”. Um dieses Ziel zu erreichen, habe ich das alte Ausbausystem meiner Familie wiedererweckt, das viele Elemente aus dem frühen 20. Jahrhundert beinhaltet. Allerdings habe ich es auch mit einigen bewährten, modernen Komponenten verbessert.

Einmal weg vom Riesling. Wie muss ein Wein sein um Sie zu beeindrucken? Welche Rebsorte und welche Herkunft kann das sein?
Auch ein einfacher Wein kann mich beeindrucken. Der Wein sollte mir schmecken. Wenn der Winzer eine eigene Handschrift (im positiven Sinne) hat, beeindruckt das schon. Ich kenne nur wenige Rebsorten, die mir nicht schmecken. Viele Gebiete haben einfach auch Ihre eigene, spezielle Rebsorte. So finde ich zum Beispiel immer wieder tolle Silvaner aus Franken, oder feine Nebbiolo aus dem Veltlin, Burgunder von der Cote d’Or, div. Champagner, …. die Liste ist lang!

Sie selbst vergeben für Ihre Weine eigene Qualitätsstufen. 0-3 Sterne. Wann gab es das letzte mal für welchen Wein 3 Sterne? Was muss dieser Wein mitbringen, um 3 Sterne zu bekommen?
3 Sterne vergebe ich tatsächlich nicht oft. Der vorletzte “3 Sterne Wein” war eine 2011 Kröver Paradies Spätlese. Und der letzte ist eine 2015 Kröver Letterlay Spätlese. 3 Sterne gibt es für besondere Qualität, ist aber nicht an einen einzigen Geschmack gebunden. Der 2011er Paradies ist z.B. sehr beerig und der 2015 Letterlay begeistert mit sehr viel Filigranität und einer rassigen, verspielten Säure.

Weingut Müllen engagiert sich für die Rettung und Pflege wertvoller Steil- und Steilstlagen an der Mosel in Lagen, die sonst nicht mehr bewirtschaftet würden. Zusammen mit anderen Winzern habt ihr das Projekt Bergrettung ins Leben gerufen. Was passiert konkret und welche Erfolge gibt es?Wenn wir einen wertvollen Steillagenweinberg finden, der kurz vor der Rodung steht, versuchen wir diesen Weinberg zu bewirtschaften. Der nächste Schritt ist dann, einen Interessierten, möglichst auch jungen Winzer zu finden, der diesen Weinberg kauft und damit auch auf lange Sicht bewirtschaftet. Nach dem Weinjahr 2015 konnten wir vom Klitzekleinen Ring wieder einen Weinberg auf diese Art vermitteln.

Wir haben gehört Kunst begeistert Sie. Wer inspiriert Sie besonders und gibt es eine Inspiration die auf Ihre Arbeit übertragen werden kann?
In der Kunst trifft man einfach auf eine ganz andere Welt und ihre Sprache, also die Sprache der Ästhetik, ist international. Kunst verbindet Menschen, öffnet Räume für freies, unorthodoxes Denken und Handeln oder auch ein “zurück zu den Wurzeln”. In meinem Alltag werde ich täglich von gustatorischen und olfaktorischen Sinneseindrücken überflutet. Die Kunst ermöglicht es mir, die anderen Sinne in den Mittelpunkt zu rücken. Das schafft mir die Möglichkeit, meine Arbeit in einem anderen Licht zu betrachten. Besonders schätze ich Musik, in den verschiedensten Stilrichtungen, aber auch die Architektur bereitet mir große Freude. Vor allem der Jugendstil, der auch eine besondere Bedeutung in Traben-Trarbach hat.

Welches Kunstwerk oder welchen Künstler würden sie sich auf das Etikett bringen?
Im Moment könnte ich mir da Keines oder Keinen vorstellen. Die Weinberge sind doch das Kunstwerk an sich. Wenn ich etwas Zeit habe und einfach so in meinen Weinbergen sitze ,höre und beobachte, dann erschließt sich eine ganz besondere Welt. Etwas von diesem Besonderen möchte ich mit meinen Weinen weitergeben.


Das in Zusammenarbeit mit der Slowfood Deutschland initiierte Projekt Rebstock Patenschaften soll zur Erhaltung der Kulturlandschaft beitragen.

Was kauft man?
Man kauft eine Rebpatenschaft mit 5 Reben, was einem Los entspricht und erhält den Weinertrag eines Jahres, der meistens bei 2 bis 5 Flaschen (höchstens 6 Flaschen) je Los liegt. Außerdem gibt es in jeden Jahr Informationen über den Weinberg und den entstehenden Wein. Im August findet dann das Patenschaftsfest mit der Begehung des Weinbergs statt.

Welche Erfolge gibt es und was war Ihr schönstes Erlebnis?
Es gibt weit über 100 Rebpaten. Ein Erfolg ist es, wenn die Paten die Weinberge sehen und die Reben anfassen können und sich selbst ein unverfälschtes Bild über Den einberg machen. Das ist ganz oft auch ein schönes Erlebnis! Woran ich immer noch gerne denke, ist die Neupflanzung eines Bereichs im Patenschaftsweinberg. Mit viel guter Laune und ganz uneigennützig haben uns viele Rebpaten beim Pflanzen des Weinbergs geholfen. Es war ein sehr harter, aber auch schöner Tag, mit vielen herzlichen Begegnungen.

Was können Sie den Verbrauchern mitgeben, wenn es um den Weinkauf geht.
Seien Sie offen für alles. Geben Sie einem Wein Zeit, denn nicht jeder Wein erschließt sich direkt beim ersten Schluck. Probieren Sie den Wein bei verschiedenen Temperaturen und haben Sie keine Angst einen großen Riesling einmal bei 14° C zu trinken. Manche Weine zeigen erst dann ihre ganze Klasse. Denken Sie an die Nachhaltigkeit! Ein Steillagenwein der weniger als 6,- Euro kostet, kann nur sehr schwer ökologisch, ökonomisch oder sozial nachhaltig erzeugt werden.