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Winery Markus Bruker – Light Heavy Enjoyment

Wein Lesetage MagazinMarkus Bruker

WEINGUT MARKUS BRUKER

Wein Lesetage MagazinMarkus Bruker

Mephisto, Faust, Gretchen, Black Berry. Das sind die Namen, die die Weine von Markus Bruker tragen. Es sind assoziative Schwergewichte, die fest im Kopf sitzen. Nicht jeder Winzer traut sich, seine Weine so zu nennen. Denn das impliziert eine hohe Erwartungshaltung und oftmals Gegenwind. Doch Bruker macht. Aber nicht irgend einen wahllosen Aktionismus. Denn die Namensgebung ist ein Symbol für seinen Willen, etwas zu rekalibrieren. Weg von Alt. Hin zu Neu. Mit diesem Credo überwindet er, seit dem Jahr der Übernahme des Weingutes in 2005, die bequeme, eingesessene Denke. Doch wohin soll der Weg gehen? Abliefern will er. Die Weine sollen immer unkompliziert wirken, bei hohem Qualitätsanspruch. Und in der Tat zeigen seine Weine seit einiger Zeit genau die Richtung, die Markus Bruker im Kopf hat. Seine Leidenschaft zur Cuvée spürt man in seinen Weinen. Mit Mut, ohne Schwermut. Dicht und kompakt, ohne durch eine Überdramatisierung den Fokus zu verlieren. Und genau damit hat Markus Bruker seinen Weinen einen Spannungszustand gegeben, der schwer nachzuahmen ist: Die Kunst der Geschmacksdramaturgie in ein leichtes Gewand zu vereinen. Es lebe der leichtschwere Genuss!


Die Weine


Mephisto Qba trocken

Denken Sie gleich an Goethe´s Faust? Um es gleich vorweg zu nehmen. Die nächsten beiden Weine sind namentlich durch Goethe´s Faust inspiriert, haben jedoch einen eigenständigen Kontext. Denn Mephisto steht für einen Feuerteufel, da das Weingut samt den brennenden Holzfässern in Flammen stand. Daran erinnert das vordergründige Holzaroma, die Vanillenoten in den Wein geben. Drum herum Waldbeerenfrucht und Mineralik. Alles gut abgestimmt. Ein Wein, der unkompliziert gedacht ist und genau das transportiert. Sehen Sie Mephisto jetzt auch lächeln?

Gretchen Qba trocken

Markus Bruker hat sich mit diesem Wein die Gretchenfrage gestellt: Wie hast du es als Württemberger mit einem Cuvée aus Sauvignon Blanc, Grauer Burgunder sowie Riesling und Chardonnay? Und es lohnt sich, sich selbst diese Frage beantworten zu können. Denn die Cuvée repräsentiert den Einfluß der Rebsorten gekonnt. Keiner geht unter. Vielmehr bewegt sich das Geschmacksbild zwischen Eleganz und Opulenz, exotischer Frucht bis hin zu kräutrig, würzigen Noten. Es ist die Dynamik, die diesen Wein trägt, denn es gibt immer wieder neue Geschmackskomponenten zu entdecken. Ein Wein gemacht für Entdecker.

Black Berry Qba trocken

BlackBerry aus, Black Berry rein. Markus Bruker trägt mit diesem Wein dick auf. Typografisch, namentlich und inhaltlich. Der Wein liefert was er verspricht. Ganz viel Waldbeerenaromen. Alles dicht und kompakt. Das ist so gut gemacht, dass dieser Wein prädestiniert als Standalone-Wein richtig gut funktioniert. Die Beerenaromen haben das Geschmacksbild in der Hand, ohne in die kitschig-marmeladige Ecke abzudriften. Gerbstoffe sind spürbar, halten sich aber vornehm im Hintergrund. Denn es geht hier nur um eines: Frucht geniessen. Deshalb einfach mal das Smartphone aus und geistig Waldbeeren, Brombeeren und Johannisbeeren mit dem Wein pflücken. Waldspaziergang im Glas.

503er Sauvignon Blanc trocken QbA

Bäng! Geschmacksbombe ist gelandet. Mit seinem 503er präsentiert sich ein sehr facettenreicher Wein. Primäraromen wie Pfirsich und kräftige Noten werden durch Südfrüchte wie Kiwi und einer dezenten Mango ummantelt. Das Barrique hält mit und reichert den Wein mit Toastaromen an, leicht in Richtung Kakao. Die Struktur ist sehr dicht. Das Finish ist sehr lang. Einprägsam – oder im Kontext formuliert: Krater statt Kater.


Das Interview 

Wer ist Winzer Markus Bruker und was mag er?
Wein war schon immer meine Leidenschaft. Nach zwei Auslandspraktika in Spanien und Österreich und einer Meisterausbildung, habe ich zwei Jahre als Weinfachverkäufer gearbeitet. Nun nenne ich 13 Hektar mein Eigen, samt Hotel und Gastronomie. Wenn es die Zeit erlaubt und die Knochen es zulassen, spiele ich aktiv Fußball und liebe den VFB Stuttgart. Und wichtig, BMW Motorradfahren macht richtig Laune.

Du hast ein Faible für Cuvée´s. Warum?
In der Zeit als Weinfachverkäufer habe ich die Liebe zu Wein aus Bordeaux und Italien entdeckt. Diese sind zu neunzig Prozent als Cuvée´s gemacht. Das hat mich geprägt. Ich mache selbst sehr gerne Weine in diesem Stil.

Mephisto und Gretchen sind Weine aus deinem Portfolio. Teuflisch gut und unschuldig schön?
Sowohl als auch. Der Mephisto ist mächtig intensiv und das Gretchen mineralisch und filigran.

Insgesamt tragen deine Weine wie Mephisto, Gretchen, Dickes Ding und Black Berry sehr markante Namen. Teil deiner Marketingstrategie?
Sagen wir mal so, langweilig kann jeder. Ich mache mein eigenes Ding. Das natürlich auch mit meinen Weinen. Bruker steht für Individualität, Spannung und soll auch ein bisschen Reizen, gar provozieren.

Letztendlich ist entscheidend, was in der Flache drin ist. Merkt man trotzdem eine Tendenz, dass die markanten Etiketten mehr Einfluss auf den Kauf haben bzw. ein höheres Interesse am Wein besteht?
Natürlich ist das Etikett wichtig. Aber ich sage immer, andere Mütter haben auch hübsche Kinder und der Kuchen wird nicht größer, sondern nur anders verteilt. Meine Strategie ist es, eine starke Marke zu schaffen.

Versteht man eigentlich Trollinger auch im Ausland?
Ja, als Roséwein.

Was war der letzte Wein, der dich richtig beeindruckt hat?
Es gibt viele. Ich hatte die Möglichkeit einen Petrus, Mouton oder auch Angelus zu trinken. Aber die genialsten Weine macht für mich der Etienne Guigal an der Rhône mit seinen Lagenweinen wie La Mouline und La Landonne.

Du reist gerne. Wohin und mit wem?
Ich reise gerne nach Thailand mit dem Rucksack oder auch nach Sri Lanka. In den Staaten war ich auch schon.

Mit „Simple Wine“ haben sich acht Winzer zusammengeschlossen. Was ist bzw. war Sinn und Zweck dieses Zusammenschlusses?
Wir wollten gerne Synergien schaffen. Jeder Händler oder Restaurantleiter sucht sich Weine aus, die nicht nur aus einem Anbaugebiet stammen.

Unter dem Zusammenschluss gibt es auch eine Initiative „Wein hilft. Weinliebhaber gegen Aids.“ Wie unterstützt ihr diese Arbeit?
Wir haben drei Jahre lang einen Riesling Cuvée hergestellt. Ein Euro pro Flasche wird an das Deutsche Aids Stiftung gespendet. Der Pate dazu war Stuart Pigott.

Womit kann man Dir eine Freude machen?
Einen coolen, gesellig-netten Abend. Ich unterhalte mich gern. Trinke gern Wein in der Gesellschaft und habe ein kleines Hobby, namens Whiskey.

Was sind deine Projekte für die Zukunft?
Ich denke, dass mein Weingut in den nächsten Jahren noch wachsen wird. Ferner werde ich mich auch außerhalb Deutschlands stärker positionieren.