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Weingut Markgraf von Baden – Loyalty and Royalty

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Weingut Markgraf von Baden

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Es ist schon beeindruckend, in welchem Maße im Weingut Markgraf von Baden die Zeit Ihre Geschichte geschrieben hat. Man denkt nicht in Dekaden. Man darf in Millenniumgröße denken, besteht das Weingut seit mehr als 900 Jahren. Und man schreibt sich selbst dem Erbe und der Natur eine Verpflichtung entgegen. Doch warum auf das Erbe zurückschauen, wenn die Zukunft vor einem liegt? Müller-Thurgau. Diese Antwort scheint auf den ersten Blick zu verwirren. Und doch ist sie die Repräsentativste. Denn dem Erbe verpflichtet zu sein, ist ein „Ja“ zur Beständigkeit. Und Beständigkeit braucht Treue. Zur Natur, denn am Beispiel Müller-Thurgau zeigt sich, mit welchem tiefen Verständnis das ideale Terroir sorgfältig für diese Rebsorte ausgewählt wurde. Treue zu sich selbst, hatte es die Rebsorte seit ihrem Missbrauch aus den frühen 1960igern zunehmend schwer. Und doch ließ man sich nicht auf einen vorschnellen Aktionismus zur Entwertung der Rebsorte ein. Doch Müller-Thurgau ist „eben nur“ ein Beispiel für das große Ganze. Man bietet der Flüchtigkeit die Stirn. Damit wirkt man entsprechend leise, entgegen aller Lautstärke. Aber genau das ist die Stärke, sich mit Beständigkeit auf das Weinmachen im Hause Markgraf von Baden den Burgundern, dem Riesling und eben dem Müller-Thurgau zu widmen. Werte dem Wertvollen. Auf lange Sicht.

Die Weine


Birnauer Müller-Thurgau trocken, 2015
Müller-Thurgau ist ein stolzer Wein. Auf seine Art und Weise. Er ist ein Versteher, ein filigraner Dandy. Zart und dadurch so unglaublich einprägsam. In der Nase und am Gaumen Apfel und Muskat. Schmeichelnde Säure und zarte Fruchtaromen. Gehobenen Hauptes verlässt dieser Wein den Gaumen und hat ein frisches, längeres Finish. Für diejenigen, die feine Nuancenweine schätzen und ideal für alle, die die DNA von Müller Thurgau entdecken wollen.

Schlossberg Klingelberger 1782 Riesling VDP Erste Lage trocken, 2015
Nein , wir stellen kein Riesling aus dem Jahr 1782 vor. Im Jahr 1782 war es Markgraf Carl Friedrich von Baden der den ersten reinsortigen Weinberg in ganz Baden im Gewann Klingelberg auf Schloss Staufenberg in Durbach anpflanzte. Die Qualität des Klingelberger wurde schnell bekannt und heute gilt der Klingelberger schlichtweg als Synonym für sehr guten Riesling aus der mittleren Ortenau. Auf der Suche nach diesem Ur-Riesling wurde der Förderverein 1782 e.V. gegründet, dem mittlerweile 11 weitere Weingüter angehören. Diese Weine werden jährlich durch eine Blindprobe von allen Betrieben verkostet und müssen bestimmten Qualitätsrichtlinien entsprechen, bevor die Bezeichnung 1782 vergeben werden darf.

 Der Charakter des Weins aus dem Hause Markgraf von Baden wird durch seine zupackende Struktur bestimmt. Trotzdem schafft er es, mit einer cremigen Textur elegant zu wirken. Am Gaumen behaupteten sich Apfel und Zitrone. Im Kern gibt es aber viel Spiel zu Gunsten der packenden Mineralik, die hier dominant wirkt und durch die breite Struktur genug Platz hat zu gelten. Lecker.

Schloss Staufenberg Durbacher Spätburgunder trocken, 2015
Ein ambivalenter Wein. Kraftvoll und elegant. Das Extrakt sorgt für viel Dichte in der Nase und am Gaumen. Feine Tannen stehen dem Extrakt entgegen und führen den Wein in eine Balance. Würze, rote und teils schwarze Beeren und eine zurückhaltende Säure tragen diesen Wein.

Bermatinger Leopoldsberg Spätburgunder “Buchberg” Grosses Gewächs trocken, 2013
Wow, Eleg(l)anz. Der Bermatinger Leopoldsberg zeigt in der Nase und am Gaumen eine großartige Bandbreite von Aromen wie Kirsche, Zigarrenbox, Eukalyptus und einen Hauch von Thymian. Die sehr junge Säure bringt noch etwas Unruhe in den Wein, die sich jedoch mit der Zeit gut in den Wein integrieren wird. Das Holz ist sehr intelligent eingebunden. Ein großer Wein. Yummi.

Das Interview


Kritiker sagen: „Weine aus Baden gehen baden.“ Dabei beziehen sie sich auf Weine, die sich als „Wuchtbrumme“ präsentieren. Weine ohne Spannung und ohne Komplexität. Ist diese Kritik gerechtfertigt bzw. zum Teil gerechtfertigt?

Der Bodensee steht durch seine eiszeitliche Bodenstruktur für eine Einzigartigkeit und produziert eher filigrane Weine. Auch auf Schloss Staufenberg existiert im Durbacher Schlossberg ein eigenes Mikroklima. Unser Bestreben ist es, filigrane Weine mit hoher Komplexität und Struktur zu produzieren. Wir versuchen unsere Landschaft sowie unsere Passion in unsere Weine zu bringen, die so ein einmaliges Profil erhalten.

 Sicher hat man einige Jahre versucht, und das nicht nur in Baden, durch höhere Öchslegrade den Alkoholgehalt zu steigern. Das führte u.a. zu den in der Frage beschriebenen Weinen.

Jedoch zählen heute einige Winzer in Baden nicht umsonst zu den besten Burgunderproduzenten in Deutschland. Da kann von Wein ohne Spannung und ohne Komplexität keine Rede mehr sein.

Warum sollte man Eurem Wein die Treue halten?

Diese Frage wird allein schon durch sich selbst beantwortet. Das Familienmotto lautet seit mehr als 300 Jahren: „Fidelitas“ – lat. für Treue.  Das Haus Baden steht seit ca. 900 Jahren für Tradition, Handarbeit und authentische badische Weine nach burgundischem Vorbild.

Am Bodensee liegt Schloss Salem. Dort und auf Schloss Staufenberg in der Ortenau werden seit Ende des 17.Jh. unverwechselbare Weine durch das Haus Baden auf insgesamt 135 ha kultiviert. Das Land ist seit 1112 nach der Familie benannt. Die Verbindung mit der badischen  Weinbaugeschichte ist kostbares Erbe und gleichzeitig Ansporn.

Keiner will Müller Thurgau trinken! Doch! Was kann man aus dieser Rebsorte rausholen, und wie kann sie wiederentdeckt werden?

Müller Thurgau von heute ist nicht gleichzusetzten mit den Massenweinen aus den 80er oder 90er Jahren. Der Bodensee bietet mit seiner außergewöhnlichen Bodenstruktur die optimalen Bedingungen für diese Rebsorte. Im Jahr 1928 wurde Müller Thurgau durch das Haus Baden zum ersten Mal am See kultiviert und unsere Bemühung ist es, stets das Beste aus dieser Rebsorte zu produzieren. Bei vielen Weingütern kam es in den letzten Jahren zu einem Generationswechsel. Dazu findet man immer mehr junge Sommeliers in den Restaurants und Fachhandlungen, sowie ebenfalls neue und junge Konsumenten, die den Wein für sich entdecken. Da spielt es keine große Rolle, ob Weißburgunder, Grauburgunder, Riesling oder eben halt Müller Thurgau. Weintrinken ist wieder In. 

Wir sind ein Weingut welches vorwiegend Burgunder produziert. Aber wir sind auch stolz darauf, qualitativ sehr hochwertigen Müller-Thurgau zu produzieren. Unser Einsatz und Eifer für diese Rebsorte, sowie das Bestreben von vielen weiteren Weingütern oder Kollegen führt dazu, dass Müller-Thurgau wieder und immer mehr auf den Weinkarten in Deutschland zu finden ist. Somit wird dem Konsumenten oder Gast mit dem heutigen Müller- Thurgau etwas anderes, etwas „Neues“ präsentiert.

„Tradition ist für uns Verpflichtung und Ansporn zugleich.“ sagt ihr. Ein Ansporn ist es sicherlich auch, sich einer jungen Zielgruppe zu öffnen, die (oftmals) Tradition als nicht relevant und zeitgemäß empfindet. Wie ist Eure Antwort?

Auf dem Weg in die Zukunft ist es wichtig, sich darauf zu besinnen woher man kommt. Wir verbinden die Werte die sich über Jahrhunderte bewährt haben mit der Moderne. Dazu gehört z.B. Fleiß und der Wille sich weiterzuentwickeln. Tradition ist für manchen vielleicht ein etwas negativ behafteter Begriff. Doch es kommt darauf an, was man daraus macht. Wir sind uns sicher, dass unsere Weine zeitgemäßen Genuss bieten, gerade auch für jüngere Zielgruppen.

 Ihr habt Verstärkung im Keller bekommen. Welche Akzente konnten bereits erreicht werden und was ist das Ziel des Engagements?

Wir sind davon überzeugt, dass man sich bei der Arbeit im Weinkeller nicht neuen Arbeitsmethoden oder technischen Neuerungen und Impulsen verschließen darf. In den meisten Fällen führen diese zu einer Qualitätssteigerung. Zudem verpflichtet uns die Mitgliedschaft im Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) zu stetiger Weiterentwicklung und Innovation. Das Feedback unserer Kunden gibt uns Recht, dass unser ganzes Team eine hervorragende Arbeit geleistet hat und unsere Burgunder dadurch noch internationaler geworden sind.


Wein und Essen, ein Muss. Was ist für Euch die typisch, badische Küche?

Der Bodensee steht für den Bodenseefelchen und in Durbach prägt die Nähe zu Frankreich die Küche. Dort reden wir vom typischen Elsässer Flammkuchen. Dann gibt es natürlich auch noch die ganz traditionellen Gerichte wie z.B. Maultaschen mit Kartoffelsalat.

Eure Weinberge sind in eine romantische Landschaft eingebettet. Der Bodensee, das Schloss Staufenberg und Schloss Salem. Qual der Wahl, wo genießt Du am liebsten ein Glas Wein?

Hier kann man sich nicht wirklich festlegen, da beide Regionen Ihren eigenen Charme haben. Schloss Salem am Bodensee mit seinem maritimen Flair oder im ca. 200 km entfernten Schloss Staufenberg in Durbach, welches mit Blick auf den Straßburger Dom einen eher romantischen Eindruck hinterlässt. Beide Regionen bieten mit Ihrer Einzigartigkeit die Möglichkeit, unser Ziel, eine gefühlte Passion im Glas zu genießen.


Die beste Weinparty die du (Bernd Nießen) erlebt hast war…? 

Das was ich tue, mache ich von ganzem Herzen. Ich habe das Glück für ein sehr traditionsreiches Weingut arbeiten zu dürfen. Wir verüben ein Handwerk, dass u.a. von seiner Passion getragen wird. Somit könnte man fast behaupten, das ganze Leben ist eine Weinparty. Ganz nach Konfuzius: 

Wähle einen Beruf den Du liebst und Du brauchst keinen Tag im Leben mehr zu arbeiten. 

 In Berlin tut sich gerade in Sachen Wein viel. Es scheint, Wein wird Lifestyle. Was ist bei Euch geplant?

Der Wein gehört in unserem Hause schon lange zum Lifestyle. Der Bodensee ist eine der Tourismusregionen in Deutschland. Wir bieten unseren Kunden eine große Auswahl an Veranstaltungen und Weinproben. Auch in diesen Bereichen wird es bei uns Neues geben, mehr verraten wir aber noch nicht.

 Vervollständige den Satz: „Baden im Wein,…“ 

… wir genießen unsere Weine lieber auf der Terrasse bei einem wundervollen Sonnenuntergang und versuchen die Zeit zu vergessen, als darin zu baden.