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Weingut Lanius Knab

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WEINGUT LANIUS-KNAB

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Spannendes Gespann vom Mittelrhein


Jörg Lanius ist Zugpferd und Reiter zugleich am Mittelrhein. Steuern und Beisteuern ist Handlungsmaxime. Die Zügel hat er fest in der Hand, wenn es darum geht, seinen Weinen aus drei Lagen einen unverkennbaren Schliff des Mittelrheins zu geben. Das wird exzellent umgesetzt. Daher ist das Weingut eines der Vorzeigeweingüter der Weinregion. Doch es geht nicht allein um den ersten Platz, sondern vielmehr um ein gemeinschaftliches Handeln im Interesse eines einzigartigen Kulturgetränks in einer einzigartigen Kulturlandschaft. Beisteuern eben. Die Quadriga und der Reiter sind demnach nicht nur Symbol für die eigene Marke. Vielmehr kann es auch als Symbol für eine Philosophie des Weinmachens stehen, das durch die Verbindung von Tradition und Moderne auch in Zukunft vorne dabei ist.


Die Weine



VDP, Erste Lage, Engehöller Bernstein „S“, Riesling, 2014, Trocken


Bei diesem Namen könnte man denken: Höllisch eng! Stimmt, für diejenigen, die besonders an Flachlagen gewöhnt sind. Denn das nah an dem Stadtteil Enghöll gelegene Seitental des Rheins offeriert ein enges Tal, das jedoch äußerst gute Voraussetzungen für eine ziemlich gleichbleibende Vegetationsperiode auf Schieferböden bietet. Das tut diesem Wein sehr gut. Feingliedrige, aromatische Noten nach Holunder und Pfirsich werden von einem straffen, mineralischen Geschmackskorsett umgeben. Ein harmonisch wirkender Gegensatz, der einen spannenden Eindruck am Gaumen hinterlässt.



VDP, Grosses Gewächs, Oberweseler Oelsberg, Riesling, 2014 Trocken


In der Kürze liegt die Würze. Nein. Hier liegt sie in der Länge. Dieser Wein lebt die Würze. Vom ersten Tropfen am Gaumen wirkt diese tiefe Würze noch mit langem Nachhall. Das Verhältnis zwischen saftiger Frucht und harmonischer Säure ergibt eine großartige, intensive Vielfältigkeit. Ausdruck für die besondere Lage des Oelsbergs. Hier endet eine Bodenverwerfung, die Buntsandstein in die oberen Bodenschichten gebracht hat. Man merkt, wie gut Jörg Lanius diese Lage verstanden hat und hier das Besondere ins Glas bringt.



VDP, Gutswein, Lanius-Knab, 2014, Feinherb


Reduktion auf das Wesentliche. Dieser Wein verkörpert die gute Basis bzw. das Fundament der guten Arbeit in allen Prädikaten, auch in der unteren Pyramide. Frucht und Mineralität stehen sich gegenüber und „stupsen“ sich gegenseitig an. Hier dominiert eine angenehme Ruhe, die der Wein in sich trägt. Harmonie in Einklang mit Eleganz. Keine lauten Töne, Durchatmen. Geniessen. Entschleunigen.



VDP, Große Lage, Engehöller Bernstein Riesling Edelsüß, Auslese, 2013


Anschnallen. Hier kommt ein edelsüßer Wein mit einer traumhaften Dichte. Ein Geschmacksausflug im Spannungsfeld von Süße und Säure. Mittendrin die mineralischen Noten und eine leichte Note Honig. Im Zusammenspiel beeindruckt die Balance, ein grossartiger Ausgleich von Süße und Säure. Dicht, dichter, Auslesehimmel.


Das Interview



Ihre Website und auch Ihr aktueller Youtube-Film sind auch auf chinesisch verfügbar. Also offensichtlich ein Markt, in dem Sie Wachstumspotential sehen. Warum ist das so?
Wir haben sehr viele chinesische Gäste, die hier ins Haus kommen. In China sind unsere Weine erhältlich. Im Gegensatz zu der üblichen Meinung, dass Chinesen eher süße Weine bevorzugen, sind es die von uns angebotenen trockenen Weine, die dort sehr beliebt sind.


Lieben Chinesen im Allgemeinen also eher trockene Weine?
China ist sehr groß. Eine allgemein gültige Antwort kann ich nicht geben. Jedoch glaube ich, dass die wohlhabende Schicht sich sehr westlich orientiert. Deshalb tendiert meiner Meinung nach diese Schicht eher zu trockenen Weinen. Wenn restsüßer Wein, dann im edelsüßen Bereich wie Trockenbeerenauslese, Beerenauslese und Eisweine.


Es gibt beim Wein viele Denkansätze und Arbeitsweisen. Einige wollen Konstanz und gleiche Qualitätsniveaus. Ihr Ziel ist es, die unterschiedlichen Terroirs und Jahrgänge in die Flasche zu bekommen. Bringen Sie uns Ihre Philosophie etwas näher!
Das es Inkonstanz gibt, liegt in der Natur der Sache. Wein ist eben ein Naturprodukt. Es muss nicht immer den gleichen Geschmack geben, denn die Jahre sind nicht gleich. Ein Naturprodukt drückt sich ja eben darin aus, dass sich die Stilistik von Jahr zu Jahr ändert. Die Terroircharakteristik ist immer im Wein enthalten, wenngleich nicht immer in derselben Stilistik. Jedes Jahr den gleichen Geschmack herzustellen, ist nicht Aufgabe. Jeder muss selbst entscheiden, ob Wein als Kulturgetränk in diesem Sinne zu definieren ist. Wer das Besondere sucht, wird mit Sicherheit bei gleichbleibender Stilistik auf lange Sicht eher nicht glücklich. Und es geht auch immer um Kulturlandschaft. Sie macht nur Sinn, wenn sie schmeckbar im Glas ist.


Es geht also um authentischen „Steillagengechmack“ ?

Ja, es geht darum, die Besonderheit der Steillage in die Flasche zu bringen und schmeckbar zu machen. Es geht nich nur um einen technisch perfekten Wein. Das ist ja das, was wir erreichen wollen. Und das nicht nur bei unseren Großen Gewächsen, sondern durch die Bank weg bei allen unseren Weinen. Andere Lagen, andere Stilistiken. Bernstein hat das Mineralische, das Schiefergeprägte. Die Lage Goldemund ist fruchtiger und der Oelsberg ist eher der würzige Typ.


Uns ist auf einer vom Deutschen Weininstitut organisierten Veranstaltung „Asiatische Küche und deutscher Wein“ einer Ihrer Weine in Verbindung mit asiatischen Gerichten sehr positiv in Erinnerung geblieben. Es war der Engelshöller Bernstein Riesling Spätlese aus dem Jahr 2012. Was mögen sie zu diesem Wein essen?

Ja, asiatische Küche passt sehr gut zu diesem Wein. Aber es geht auch klassisch. Zum Beispiel passt Wildschweinbraten vorzüglich. Der Wein mit seinen süßen, fruchtigen Komponenten und das Fleisch, dass ebenfalls ein wenig süsslicher ist, machen dieses Kombination zu einem Erlebnis. Und zu Tomate passt dieser Wein ebenfalls vorzüglich. Zu Tomate passt eigentlich eher kein Wein, weil sich die Säure beisst. Das kann eine restsüße Spätlese perfekt ausbalancieren.


Tradition muss sich bewähren und sich oftmals dem Kontext der Moderne öffnen. Welchen Weg gehen Sie, um Tradition und Moderne gerecht zu werden?

Vom Anbau her sind wir überwiegend beim Riesling beheimatet. Klassisch mit 92 Prozent und etwas Spätburgunder. Hier in Oberwiesel hat der Spätburgunder eine alte Tradition und wird schon seit vielen Jahren hier angebaut. Das hängt mit den Böden zusammen. Wir haben teilweise recht schwere Lehmböden in der Mittelterrasse des Rheines und da stehen traditionell die Burgunderreben. Im Keller vergären wir ganz modern und professionell im Stahltank und versuchen aber auch das Reifepotential des Holzes mitzunehmen. Auch bei der Vermarktung liegt Tradition und Moderne dicht beieinander. Wir haben innerhalb des historischen Hauses eine Vinothek eingerichtet. Unsere Devise: Harmonie und Einklang.


Sie, besser gesagt Ihre Frau, hat eine Werbekampagne ins Leben gerufen, die mit wasserabweisenden Textilien Werbung für die Region macht. Warum machen sie sich so stark für die Region?

Es ist unsere Heimat. Es ist die klassischste Weinregion in Deutschland. Das wird auch allgemein bei der Vermarktung von Deutschland immer wieder als Bild aufgegriffen: Die Burg Pfalzgrafenstein und die Burg Gutenfels. Leider ist diese Region nicht sehr gross und daher tritt sie nicht so in Erscheinung wie manch andere, größere Region. Es wird Zeit, dass sich das ändert. Dazu kommt, dass die Gelder der Weinwerbung an die Fläche der Anbaugebiete gekoppelt sind und dementsprechend als Werbebudget für den Mittelrhein zu wenig übrig bleibt. Was ist also die Lösung? Selbermachen. Deshalb haben wir den Mittelrheinstoff entworfen und herstellen lassen.


Und warum wasserabweisende Textilien? Regnet es bei Ihnen so viel?

(Lacht) Nein hier ging es um das Praktische. Robust und pflegeleicht. Made in Germany.



Das Logo des Hauses bildet Reiter und Quadriga ab. Was steckt dahinter?

Die Römer waren vor über 2000 Jahren in unserer Region. Der Lanius ist höchstwahrscheinlich römischen Ursprungs. Wobei das nicht ganz sicher ist, denn im Mittelalter gab es auch eine Phase, in der man Namen romanisierte. Daher passend zum Namen auch die Quadriga.


Markenauftritte werden lauter und bunter. Folgen Sie diesem Trend oder bleiben Sie eher konstant?

Veränderung machen wir immer wieder. Das, wie schon gesagt, in kleinen Schritten, die sich immer wieder der Moderne anpassen.


Weinbau fordert Kraft und Ausdauer ein. Was gibt es zum Entspannen?
Das, was die meisten Winzer mögen. Gutes Essen. Und natürlich andere Regionen entdecken, nicht zwangsläufig Weinanbauregionen. Man sollte mit offenen Augen durch die Welt gehen und wissen, was in der Welt, neben Wein, sonst noch passiert.


Der perfekte Weinmoment, wie sieht dieser aus?
Den gib es eigentlich nur im Weinberg. An einem schönen Sommerabend im Weinberg sitzen und die entsprechende Flasche Wein dabei, guter Käse, dann ist die Welt in Ordnung.