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Weingut Krämer Franken Deutschland


Weingut Krämer, Franken, Deutschland

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Wir haben großes Glück. Die Natur ist Zyklus. Jedes Jahr ein neuer Jahrgang, der von der Geschichte seiner selbst erzählt. Und diese ist zwar wiederholend, doch nie gleich. Wir erweitern. Natur ist spiralförmiger Zyklus. Sie kehrt in ihrer Bewegung immer nah an ihren Ausgangspunkt zurück, aber in einer weiterentwickelten Richtung. So fühlen wir die Weine von Simone und Stephan Krämer. Jeder Jahrgang erzählt seine eigene Geschichte. Jeder Wein scheint die Geschichte seiner erfahrenden Energie preis zu geben. Und so liegt über die Jahrgänge hinweg eine Bewegung in den Weinen. Eben so wie die Natur sich selbst bewegt. Schlüssel dafür ist die Erkenntnis der Krämers, sich einer Wirksamkeit zu verschreiben. Alles hängt davon ab, wie der Mensch die Ressource Natur versteht und nutzt. Heute selbstverständlich öko-logisch?! Für Familie Krämer ja – für andere oftmals nein. Nach wie vor kann man Kant´s Aufklärungsgedanken, dem Ausgang des Menschen aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit, ins Heute bemühen. Krämers Wirksamkeit trägt maßgeblich dazu bei, dass Wein eine Richtung einschlägt, die das Jetzt verändert Damit sind Krämer´s Arbeit und Weine in sich Fortschritt und ein Referenzpunkt zum Erkennen eines größeren Bildes. 


Die Weine

Johanniter Muschelkalk, 2015

Schon die Reborte ist eine Überraschung. Johanniter gibt es bei aller Riesling und Silvanerdominanz in Deutschland nicht wirklich viel. Der Wein schwebt zwischen frischer Säure und recht reifer Frucht. Diese wirkt eher begleitend. Dadurch eröffnet sich eine Tiefe. Einmal eingetaucht, wird der Wein immer interessanter und gewinnt an neuen Facetten. Ein Wein für den ersten und zweiten Blick. Für heute oder morgen. 


Müller-Thurgau Muschelkalk, 2015 

Es geht in die Ferne. Denn dieser Müller Thurgau holt mit seinem Grip und der kühlen, fast distanziert wirkenden Säure weit aus, kommt jedoch mit seiner weichen Textur und dem leicht blumigen Bouquet wieder zu einem zurück. Es ist ein auf Ambivalenz angelegter Wein, der durch das Yin Yang richtig Spannung in sich selbst kreiert. Wer nicht mehr warten kann macht ihn auf. Wer Geduld hat, wird sicher belohnt. 

Silvaner Alte Reben, 2015

Mit etwas mehr Alkohol bringt der Silvaner Alte Reben mehr Kraft ins Spiel, das ihm aber sehr nützt. Denn Frische, Frucht und Dichte stemmen sich gegen den Alkohol. Das bringt die beiden in der Geschmacksspitze zusammen. Danach klingt dieser Wein fantastisch im Einklang ab. Großer Nachhall. Cool.

Riesling Silex, 2015

Na logisch Riesling.  Haben alle Weine des Portfolios eine beeindruckende Säuredichte, ist der Riesling die logische Weiterführung. Nicht überraschend präsentiert sich der Riesling mit kräftiger Säurestruktur und bringt den nötigen Druck mit sich. Dazwischen blitzen kräutrige Nuancen, mit leicht ätherischer Sohle auf und die geschmeidige Textur leitet druckvoll ins Finish. Riesling anders gedacht. Macht richtig Spaß.


Das Interview

Was ist der Zauber von Wein für Euch?

Wir wollen es nicht „Zauber von Wein“ nennen, sondern vielmehr ist Wein eines der ältesten Kulturgüter der Welt. Es vereint von der Urproduktion bis zur Flasche alle Elemente und spornt alle Sinne an.

Angefangen vom Boden mit seinem Leben, über den Rebstock und die Traube bis zum Wein in der Flasche. Der Wein fordert uns jedes Jahr neu und bringt uns zur Demut vor der Kraft der Natur.

Sagt uns, wie ihr eure Weine gerne machen wollt.

Wir wollen Weine nicht machen. Das kann die Industrie mit all Ihren Hilfsmitteln besser. Wine-making ist nicht unser Ziel, nicht unser Begriff und nicht unser Streben.

Lassen, was ist, von Jahrgang zu Jahrgang. Sich selber auf hohem Niveau im Wissen und Werden weiterentwickeln. Vertrauen in Spontangärung, gesunde Rebstöcke und gesunde Trauben. So geht das für uns.

Landwirtschaft und Weinwirtschaft ist bei Euch unter einem Dach. Was kann man von der Landwirtschaft auf den Wein übertragen bzw. lernen?

Wenn wir nicht erkennen, dass der Boden Ursprung allen Lebens ist, und wir all die kleinen Mikroorganismen und das Bodenleben brauchen um unseren Kindern eine Natur im Gleichgewicht zu hinterlassen, wird in Zukunft weder Ackerbau noch Weinbau Sinn und Zukunft haben.

Ohne seine Böden beurteilen zu können, kann man auch Weinbau nicht im besten Sinne zur gesunden Traube führen.

Ihr seit ein ökologisch geführtes Weingut. Logisch öko, oder? Welches Verständnis braucht der Konsument und der Winzer, wenn es um den Begriff ökologisch geht?

Bio ist nicht die Konsequenz aus manchen Dingen. Bio ist für uns die Voraussetzung für gesunde Böden und gesunde Trauben. Der Winzer muss sich die Kompetenz an Boden und Rebe erarbeiten und der Konsument, der die Fähigkeit hat gute Lebensmittel zu erkennen und erschmecken, wird auch Bio im Wein als Grundlage und Notwendigkeit erkennen lernen.

Diejenigen, die unseren Wein genießen, wissen was wir hier tun und lassen. Unsere Kunden kennen unsere Arbeit. Viele waren bei uns zu Gast und haben das Gesamtkonzept Krämer bei Essen, Wein und Gastfreundschaft erlebt. Wir wünschen uns Weintrinker und Genussmenschen, die zwischen Natur und Chemie, zwischen Handwerk und Technik unterscheiden können und dann eine eigene Wahl treffen.

Habt ihr ein besonderes Bild während des Weinmachens vor Augen, wie Eure Kunden Euren Wein geniessen?

Wir sehen eine gesunde Erde mit einer lebens- und liebenswerten Zukunft für uns alle. Dazu Menschen, die sich selbstbewusst auch abseits vom Mainstream bewegen. So wie wir.

Welcher Wein bzw. welche Lage ist für Euch die grösste Herausforderung?

Alles was Wein, Weinlage und Boden ist, ist eine ständige Herausforderung. Wir versuchen täglich uns den Gegebenheiten anzupassen und ihnen gerecht zu werden. Die Terrassen-Weinberge sind sicher eine der größten; auch körperlich.

Naturwein wird sehr oft mit dem Thema Schwefel verknüpft. Ihr schwefelt, wenn überhaupt, dann nur sehr gering und filtert nicht. Was passiert dadurch im Wein bzw. was wird verhindert?

Simpel ausgedrückt. Was nicht oder weniger geschwefelt wird, scheint lebendiger. Seit dem 2013er Jahrgang schwefeln wir gezielt später, erst im beginnenden Frühjahr und in sehr geringen Dosen.

Wir lernten der natürlichen Reduktion unserer Trauben zu vertrauen und mit dem 15ern haben wir nur einmalig erst zur Füllung die Weine mit einer kleinen Schwefelgabe versehen. Wir machen daraus kein Prinzip.

Unser Orientierungsmaßstab sind immer die jeweiligen Gegebenheiten des Jahrgangs. Teils werden die Weine filtriert, teils unfiltriert auf die Flasche gefüllt. Durch unsere ganz eigene puristische Weinbereitung empfinden wir unsere Weine offener und beweglicher.

In Eurem Portfolio gibt es auch die Rebsorte Adelfränkisch. Was habt ihr vor?

Auf unseren Terrassen in Tauberzell haben wir einen gemischten alten Satz gepflanzt. Bestehend aus den alten fränkischen Rebsorten Adelfränkisch, Vogelfränkisch, Lagler, Kleinberger, einige verschiedene Bukett Rebsorten, sowie Silvaner und Riesling als Säurestütze.

Euren ersten Wein gab es 1994. Welche Erkenntnis war für Euch am wichtigsten vor und nach diesem Datum?

Stephans erster Jahrgang war 1994, natürlich auch schon Bio. 2003 haben wir mit Spontangärung bei einzelnen Weinen begonnen, umfänglich machen wir das jetzt seit 2012.

Durch die Spontangärung und die intensivere Beschäftigung mit Boden und Pflanze sind unsere Weine mineralischer, mundfüllender und dichter geworden.

Der Einsatz von Fränkischen Holzfässern in jüngerer Zeit begünstigt die Entwicklung zudem. Es bleibt spannend!

Man kann Euch auch besuchen und ein paar Tage verbringen. Für alle Stadtkinder unter uns, die entschleunigen wollen: Was erwartet uns?

Unsere drei baubiologisch renovierten Ferienwohnungen sind gut ausgestattet, individuell und gemütlich. Unsere Gäste erwartet vor allem Ruhe und Erdung in unserem kleinen Dorf mit seinen weiten Feldern und Wäldern.

Zudem finden sich viele Touren für Radler, Wanderer und vinophile Menschen, für die die Tauber kein Fremdwort ist.

Kulinarische Weinproben, Käseverkostungen, Menüs ab 20 Personen und vieles mehr kann man gerne bei uns buchen und mit allen Sinnen genießen.

Zuletzt das Fernweh. Wo würdet ihr gerne einmal Winzer sein, wenn ihr die Wahl hättet.

Sobald unsere drei Kinder für sich selber entscheiden können (was noch viele Jahre dauern wird, sie sind 1, 8 und 10 Jahre alt) suchen wir uns unser „Altenteil“ irgendwo zwischen Jura, Mosel, Loire und Tauber.