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Weingut Karl Schäfer – Love between Berlin and Pfalz

WEINGUT KARL SCHAEFER

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Schaefer sucht Fuchs. Und hat ihn wieder gefunden. Denn das Leitmotiv des Weingutes Karl Schaefer hat wieder an Bedeutung gewonnen. Impulsgeber dafür ist der studierte Jurist und spätere Projektentwickler Dr. Job und seine Ehefrau Nana von Nell, die seit 2008 das Weingut gepachtet haben. Aus traditionellen Gründen. Und aus einer großen Leidenschaft zur Landwirtschaft und Wein. Diese Leidenschaft wirkt im Wein. Lebendiger. Präziser. Man hat den Eindruck, hier ist die Umsetzung einer Philosophie im Glas, jedem Wein Raum für seine eigene Typizität zu geben. Motor für diese Entwicklung sind die Pächter und das Team, um Kellermeister Gabriel Huber und Patrick Müller, selbst. Es scheint, man hat sich gefunden. Karl Schaefer und der Fuchs sind wieder auf Augenhöhe. Ziemlich weit oben.

Die Weine


Dürkheim Sonnentropfen, Riesling trocken, VDP.ORTSWEIN, 2014

Die Sonne geht auf. Über den Bergen Bad Dürkheims. Auf dem 1908er Etikett des Sonnentropfens. Und auch im Glas werde Licht. Angenehm erhellend und ziemlich direkt wirkt die Säure, die mit gut eingebundener Restsüße fein am Gaumen entlang gleitet. Dabei wirkt er filigran, nicht langweilig. Das zeigt auch die Dynamik der Aromen. Ist die Frucht zu Beginn eher von Zitrusnoten geprägt, kommen später noch würzige Noten hinzu. Ein Wein, bei dem die Sonne aufgeht.

Dürkheimer Spielberg, Riesling trocken, VDP.ERSTE LAGE, 2014

Ein opulenter Riesling. Es wird mehrdimensional. Die Mineralik sticht messerscharf im ersten Eindruck hervor. Die Säure stellt sich üppig dagegen. Wie ein sich öffnender Fächer legt sich die Frucht über die Struktur des Weines. Noten von Zitrusfrucht und Pfirsich werden von einem Sekundäreindruck durch Anklänge von Passionsfrucht erweitert. Zudem legt sich eine schmelzige Struktur über den Wein, der für Eleganz sorgt. Mehr kann man von einem jungen Wein nicht erwarten. Ruhig noch drei bis vier Jahre liegen lassen. Dann verbinden sich alle Komponenten auf einen Punkt. 

Herrenberg GG Riesling trocken, VDP.GROSSE LAGE, 2013
Wow! Hier zeigt Riesling was er kann. Es braucht keine große Alkoholbombe, um einen geschmacksintensiven Wein zu formen. Bei 12.5% Vol. Alkohol schwingt eine extreme Dichte mit im Wein. Alles wirkt kompakt und konzentriert. Mittendrin kitzelt die Säure unruhig am Gaumen. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Bei so viel Dichte können nur sehr intensive Mineralik und Frucht mithalten. Auch hier sollte man noch einige Jahre warten, um in den Genuss des vollen Potentials zu kommen. Ein großer Wein.

Dürkheim ,,Fuchsteufelsweiß“, Weißer Burgunder, VDP.Ortswein, 2014
Um es gleich vorweg zu nehmen. Diesen Wein gibt es nicht in Handel. Aber die Gastronomie freut sich über diesen Weissen Burgunder. Der Holzeinsatz ist intelligent gelöst, ohne die Frucht zu dominieren. Noten von reifem Apfel und Banane. Schmelz und Frucht passen sehr gut aufeinander auf. Animierend als Solist und noch besser als Speisebegleiter.
(In Berlin bekommt man ihn im Le Soupe Populaire und im Fame – dazu bald mehr)

Das Interview (mit Dr. Job und Nana von Nell)




Wie bist du Job zum Wein gekommen, denn du warst ja als erfolgreicher Projektmanager im Immobiliensektor tätig?

Ich komme aus einem landwirtschaftlich geprägtem Elternhaus seitens meiner Großeltern. Mein Urgroßvater Clemens Freiherr von Schorlemer-Lieser war Landwirtschaftsminister unter Bismarck von 1910 bis 1917. Und mein Großvater war von 1929 bis 1934 Präsident des Deutschen Weinbauverbandes. Das Schloss-Lieser an der Mosel gehörte meinen Großahnen. Dort habe ich viel  Zeit als Kind verbracht, sehr nahe am Wein. Auch mein Vater hatte einen Obstanbaubetrieb in Perl. Die landwirtschaftliche Prägung war also schon immer da und deshalb wollte ich unbedingt Landwirtschaft studieren. Das klappte aufgrund eines gesetztes Numerus Clausus in diesem Jahrgang nicht. Daher studierte ich das Zweitwunschfach Jura, das ich damals auch sehr spannend fand – und so kam ich anschließend ins Projektmanagement für Immobilien. Nach den wilden Neunzigern und einer schönen Zeit als Projektentwickler, wollte meine Frau Nana und ich etwas anderes machen. Da meine Frau Nana das Weingut Ihrer Cousine einige Jahre begleitet hatte, war die Idee nicht weit, 2008 dieses Weingut zu pachten. Mit einigen Problemen behaftet, wollten wir einen Neustart mit unserem ersten Wein im Jahr 2009.

Ihr habt das Weingut seit 2008 übernommen. Wie sollen Eure Weine sein?

Wir sind alle vom alten Dr. Wolf Fleischmann geprägt. Durch ihn entwickelte sich das Weingut zu einem der führenden deutschen Rieslingerzeuger. Wir wollen Weine machen, die nicht durch Alkohol bestimmt sind. Sehr dichte Weine, die trocken ausgebaut sind und eine schöne Säurestruktur haben. Die Säure soll jedoch nie als Solist im Vordergrund stehen, sondern vielmehr in einer schönen Harmonie wirken.

Ein Neustart in einem hoch kompetitiven Umfeld wie Deutschland ist sicherlich nicht einfach, oder?

Ja genau. Deutschland ist hoch kompetitiv mit enorm guten Kollegen. Da ist es unglaublich schwer, sich wieder zu etablieren. Man muss immer wieder die eigene Qualität hinterfragen. Und es ist hart. Denn es gibt eine unterschiedliche Wahrnehmungsebene. Du selbst weißt, wie viel du getan hast. Aber außerhalb des Weingutes kommt diese Botschaft erst viele Jahre später an. Das Ganze dauert gefühlte 200 Jahre. Aber so ist das mit Wein. Gut Ding will Weile haben.

Wohin tendiert eurer Meinung nach der Markt?

Vor fünf bis sechs Jahren wollten die jüngeren Weintrinker eher junge Weine. Inzwischen hat das etwas nachgelassen. Die jungen Weintrinker, so habe ich das Gefühl, wissen, dass man Weine etwas reifen lassen sollte. Und der deutsche Markt obliegt auch ständigen Moden. Vor vier bis fünf Jahren war es der Blanc de Noir und dann kam Rosé. Viele Fragen uns auch immer wieder nach Sauvignon Blanc, den wir aber nicht im Portfolio führen wollen. Letztendlich merken wir aber, dass der Riesling unangefochten wieder an der Spitze des deutschen Weinbaus steht.


Und der Riesling ist bei Euch ausschließlich „Trocken aus Tradition“ ?

Wir lieben trockenen Wein, der komplex und ausgewogen ist. Wir merken aber auch, dass wir verschiedene Weinkonsumenten mit unterschiedlichen Geschmäckern haben. Ein Lernprozess. Ein Beispiel: Wir präsentieren einen trockenen Wein auf einer Messe an. Und manchmal schauen uns überraschte Gesichter an. Mit so wenig Restzucker und Direktheit rechnet nicht jeder, insbesondere jene Weinliebhaber, die sich an Restzucker gewöhnt haben.


Was ist die Richtung für die Zukunft?

Wir wollen weiterhin ein Weingut bleiben, das Riesling fest im Markenkern verankert. Natürlich braucht man auch andere Sorten. Doch unser Fokus liegt ganz klar auf Riesling. Für die Zukunft wollen wir ganz vorn dabei sein, wenn es um unsere Weinregion geht. Unser Name soll mit der Weinregion als einer der ersten assoziiert werden. Dafür bleiben wir unserer Linie treu, den Riesling bodentypisch auszubauen. 2017 kommt noch ein neuer Wein aus dem Jahr 2014 auf dem Markt. Es ist ein Rotwein, der aus pilzresistenten Rebstöcken gewonnen wurde. Er wird dann „Fuchsteufelsrot“ heißen. Das Gegenstück zu dem „Fuchsteufelsweiss“. Ein Wein, der sehr kompakt, tief, dicht und kräftig sein wird. Ein extremer Wein.

Was steckt hinter dem Etikett „Fuchsteufelsweiss“, das offensichtlich durch einen Künstler bzw. Künstlerin entworfen wurde?

Es war eine Bestimmung. Wir sahen dieses Bild mit den zwei streitenden Füchsen auf einer vom VDP organisierten Veranstaltung „Kunst & Wein“ in Berlin. Wir haben uns direkt in dieses Bild verliebt. Es ist ein Bild von der in Berlin lebenden Künstlerin Tanja Selzer. Es hängt nun bei uns im Eingangsbereich. Ein ausdrucksstarkes und energiegeladenes Bild. Fantastisch.

Woher kommt der Bezug zum Fuchs auf dem Logo bzw. den Etiketten ?

Unsere Hauslage ist der Fuchsmantel. Der ganze Fuchsmantel ist Paradies für Pflanze, Mensch und Tier. Er liegt direkt neben dem Weingut. Auf dem Logo erkennt man Füchse, den Fuchsmantel und den Flaggenturm. Er wird, im Volksmund wegen seiner Form auch „Kaffeemühlchen“ genannt und ist ein prägnanter Landschaftspunkt von Bad Dürkheim. Aus der Historie heraus ist der Fuchsmantel und das Weingut seit Langem eng miteinander verbunden.

Welche Märkte sind für Euch interessant?

Im Ausland sind wir gut aufgestellt und das wollen wir gern noch weiter ausbauen. Skandinavien, USA, Frankreich und insbesondere Paris ist bei uns sehr stark. In Deutschland herrscht Verdrängungswettbewerb. Das Ausland liebt unsere Weine. Aber auch in Deutschland nimmt das Geschäft gut an fahrt auf.

Ihr habt eine interessante Kooperation mit Elephant Gin. Wein und Gin?

Wein und Essen gehört unzertrennlich zusammen. Wir wollen aber gerne über den Tellerrand hinausschauen und konzeptionell auch Gin mit in diese Relation integrieren. Wein trinken, dazu ausgesuchtes Foodpairing und Gin als Ergänzung. Wir sind gerade mit der Beverage-Szene in Gesprächen, um dieser Idee Raum zu geben und starten bald… Und dann gibt es noch weitere Pläne. Wir werden ab diesem Jahr exklusiv mit Tauck, einem amerikanischen Reiseanbieter, zusammenarbeiten. Schifffahrt und Wein auf höchstem Niveau. Dazu wird auch ein Besuch auf unserem Weingut integriert. Wir werden, sofern es möglich ist, immer vor Ort sein, denn wir suchen den Kontakt zu den Menschen.

Die Verbindung von Wein und Kunst ist oftmals ein sehr emotionales Erlebnis. „Kunst im belebten Raum“ ist ein von Euch organisiertes Event. Was passiert dort?

Wir organisieren dieses Event zwei mal im Jahr auf unserem Weingut und nutzen eine Fläche von rund 200 Quadratmetern. Für uns ist es wichtig, die Kunst in belebten Räumen zu zeigen. Damit kreieren wir verschiedenste atmosphärische Stimmungen. Dazu passt Wein außerordentlich gut.

Bei euch herrscht gute Stimmung im Keller, hört man. Erzählt der Kellermeister ständig Witze?

(Lacht). Nein ganz so ist es nicht. Obwohl ,da ist schon was dran. Wir haben wirklich eine sehr gute Stimmung bei uns. Es herrscht eine schöne Balance. Harte Arbeit und gemütliches Beisammensein nach Feierabend. Auf Anregung eines amerikanischen Kunden haben wir auch eine Diskokugel im Keller montiert. Wir wollen natürlich, dass im Keller in erster Linie hervorragende Arbeit geleistet wird. Doch ein Keller ist mehr als nur ein Keller. Es ist auch eine Begegnungsstätte für Mensch und Wein – für Personal und Besucher zugleich.

Und die Kellermeister Gabriel und Patrick engagieren sich auch für ein Schulprojekt?

Es gibt eine Arbeitsgemeinschaft mit dem Werner-Heisenberg-Gymnasium. Es sind rund 20 Schüler vor ihrem Abitur. Sie bauen im Spielberg und im Keller selbst einen Wein aus und werden von den Kellermeistern begleitet. Der daraus entstandene Wein wird von den Schülern verkauft und die Erlöse werden für einen guten Zweck in Bad Dürkheim gespendet.