SHARE

Weingut Fürst Löwenstein Franken Deutschland


Weingut Fürst Löwenstein, Franken, Deutschland

winery-fuerst-loewenstein-franconia-cover1

Das Weingut Löwenstein lebt 12-68-80. Eine willkürliche Zahlenfolge, so scheint es. Doch ist sie bedeutend. Im Zusammenhang auf die vom Weingut Fürst Löwenstein im Familienbesitz befindliche Lage Kallmuth appliziert, ist sie Ausdruck für Extreme. Auf 12 Hektar, im 80 Grad steilem Hang, erhitzen sich Buntsandstein, Muschelkalk und Feuerstein auf eine Temperatur bis zu 68 Grad Celsius. Ein mediterranes Klima mitten in Deutschland. Mitten in Franken. Flora und Fauna findet dort einzigartige Konditionen. Wein kann dort einen ganz eigenen Weg gehen. Hier entstehen unter anderem Weine wie A-C-R-L. -A- und -C- stehen für zwei Weine aus der Kallmuther Lage und -R- und -L- für zwei Weine aus der Lage Hellgarten Schonhell im Rheingau. Reduktion von Einzigartigkeit auf jeweils einen Buchstaben? Genau das ist es, doch es ist mehr. Aus Denotation wird Konnotation. Durch Tradition, Handwerk, Herz und Verstand bekommen willkürliche Zahlen Werte. Dann werden Buchstaben mit Bedeutung aufgeladen. Plötzlich wird aus A, L, R, C – C A R L. Eine Hommage an die Natur und an den Mensch selbst.

Die Weine

- C – Coronilla, Homburg Kallmuth, Riesling, Grosses Gewächs, 2014

„C“ für Coronilla, Symbol für die üppige Floravielfalt, dass die Kallmuther Lage mit über 120 Wildkräutern zu bieten hat. Und genau mit dieser Aromenvielfalt spielt dieser Wein. Das Bukett duftet nach kräutrigen Noten wie Thymian, viel grüner Fläche wie Brennnessel, angehaucht mit einer Brise Mango. Er bleibt am Gaumen vornehm, die Säure kitzelt sanft und eine schmelzige Textur umgarnt die Frucht. Wir würden uns für ein paar Flaschen die eine oder andere Zacke aus der „Corona“ brechen. Auf jeden Fall kein Diminutiv, sondern „Coronon“!

- A – Asphodill, Homburg Kallmuth, Silvaner, Grosses Gewächs, 2014

„A“ für Asphodill, eine selten weissblütige Lilie, die mediterran verwurzelt in der Kallmuther Lage ihr zu Hause gefunden hat. Dieser Wein ist ein wunderbarer Silvaner, lebendig mit quirliger Säure, straffen Druck und im Fruchtdreiklang zwischen grün-gelber Frucht mit leicht nussigem Akzent. Fülliges, anregendes Finish.

- R -  Hallgarten Schönhell Pinot Noir, 2014

Dieser Spätburgunder kommt aus dem Rheingau. Ein eleganter Wein. Sehr eloquent. Im ersten Eindruck dominiert die Würze, die im Laufe der Entwicklung durch ein feines Parfum aus Waldbeeren und Tabak abgelöst wird. Der Holzeinsatz wirkt durch und durch vornehm. Er lässt der Frucht seinen Raum, spielt jedoch mit der Würze und bringt Säure und Milde in Einklang.
Die feine Tanninstruktur rundet die Eleganz ab macht ihn zu einem sorgfältig auf Feinheit und das Detail abgestimmten Wein.

- L – Hallgarten Schönhell Sophie Löwenstein, Riesling, Großes Gewächs, 2015

Auch mit diesem Wein bleiben wir im Rheingau. Rheingau kann sehr „straighte“ Rieslinge hervorbringen. Aber hier ist es sehr geliungen, diesem Riesling etwas mehr Restsüße mitzugeben. Somit wirkt er leichtfüßiger, die Süße bringt sie Säure zum tanzen. Die Frucht hat noch genug Raum um sich zu bewegen und spielt mit der Komplexität des Weines im Einklang. Harmonisch und elegant.


Das Interview

mit Erbprinzessin Dr. Stephanie zu Löwenstein 

Wieviel Freiin von der Brenken steckt in dem heutigen Löwenstein?

Ich hieß Stephanie von Brenken und fühle mich noch so, da achtzig Prozent meiner wichtigsten Menschen im Leben meinen Mädchennamen besser kennen.

Sie mussten sich nach dem Tod Ihres Ehemanns hart einarbeiten. Von der Kinderchirurgin, in die Forst-, Immobilen- und Weinwirtschaft. Welche neuen Perspektiven können sie aus diesen Sichtweisen in den Weinbau bringen?

Mit Land- Forst- und Vermögensverwaltung bin ich aufgewachsen, fast schon genetisch: Mütterlicherseits bis u.a. zu meinem Vorfahren König Vittorio Emmanuell II, erster König von Italien, väterlicherseits die Drostes (Verwalter) der münsterländischen fürstbischöflichen Besitze. Als Chirurgin fiel ich etwas aus der Rolle, jedoch sind mir dort die Menschenkenntnisse für heute gelehrt worden.

Wie steht es in 2017 mit Ihrem ehrgeizigen Ziel, unter den besten Weissweingütern in Deutschland zu landen?

Dieses Ziel haben wir doch erreicht. Besser geht zwar immer, aber nun gilt es mit unserer Topqualität den Markt zu bedienen und nicht mehr die Kritiker. Das heisst ganz konkret Preisleistungsstärke im Topsegment statt “Haute Couture” für Sensofanatiker. Ein tolles, nächstes Ziel, viel lebendiger, viel schwieriger!

Das Außerordentliche: Der Kallmuth, beste Lage, ihr Ritterschlagswein. Was vereint dieser Wein, der das Besonderste ausdrücken soll?

Als erstes ist die Lage geologisch hervorragend. Westterrassen und Bundsandstein, gelegen am Rhein, einfach ideal. Ferner hat diese Lage im Zuge der Klimaerwärmung ein unglaublich großes Entwicklungspotenzial.

Und es ist auch durch den Hohlspiegel gegen Klimaextreme sicher. Mehr Superlative über 12 Hektar finden man kaum in Europa. Japan zieht jetzt nach und hat eine ähnliche Neuanlage konstruiert.

Merken Sie, wie die Popularität der Silvanerrebsorte aus Franken anzieht?
Silvaner ist seit ca. 2014 von New York über die gesamte USA, Kanada,  Australien, Philippinen, China, Dubai bis Mitteleuropa populärer als jemals zuvor.

Franken als Anbaugebiet spielt in unserem Vertrieb nur regional eine Rolle, zuerst wird nach dem Produzenten international gefragt. Da muss Franken noch zulegen!

Über 400 Jahre besitzt die Familie Löwenstein das Weingut. Viel Zeit für Know-How. Wie findet die moderne Technik den Weg in den Wein?
Wie beim Eisberg: Je mehr Geschichte und Erfahrung unter Wasser, je stärker, stabiler und routinierter im Markt!

Je mehr Modernität und Innovation! Unser Weinkeller ist einer der modernsten wie Sie wissen. Ein gebündeltes Know-how vieler Jahrhunderte.

Wie viel biologischer Anbau hat in der Marke Löwenstein Platz?
Im Keller 100 Prozent, außer der Kunde braucht Equalisierung, dann gleichen wir minimal aus. Im Berg spielt Gesundheit die größere Rolle. Wein ist eine Monokultur, die Infektanfälligkeit nur mit kontrolliertem Kultivieren übersteht.

In Deutschland irre streng, aber eben gesund. Fürst Löwenstein hat aber auch ökologischen Anbau dort, wo es zum Beispiel im Rheingau machbar ist. Ansonsten sind wir für Zukunft und Markt geimpft.

Wein und Adel zusammen erscheint für einige, moderne Weininteressierte zu „piefig”. Wie wollen Sie diese neuen, nicht unwichtigen Zielgruppen, überzeugen?

Die bestehenden Adelsweingüter haben die Grand Crus Lagen geschichtlich bedingt noch im Besitz. Geschichtskenntnisse erhöhen den Trinkgenuss.

 Wein ist Tagesgeschäft. Wie viel Kontakt zum Kellermeister gibt es? Soll der Mann machen oder gibt es Vorgaben?

Das Tagesgeschäft bedingt die Hotspot Tätigkeit des Kellermeisters: Erntevorbereitung, Ruhe, Ernte, Ruhe, Füllung, Ruhe, Erntevorbereitung usw. Meine Kenntnisse des operativen Amtes des Kellermeisters sind hier strukturiert und programmiert wie ein Uhrwerk mit vollster Offenheit für die natürlichen Schwankungen. Ein Miteinander mit Vertrauen, besonders bei dem Erreichen der maximal Qualitäten.

 Wein weckt die guten Geister. Mit wem würden Sie gerne ein Glas Wein trinken und warum?

Mit Papst Franziskus und Herrn Trump. Wir könnten zusammen Herrn Trump bekehren und die Welt verbessern, besonders für die Kinder dieser Welt!