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Winery Dautel – Free Spirit Wine Making

WEINGUT DAUTEL

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Christian Dautel ist einer der aufregendsten Winzer unter 35 Jahren in Deutschland. Vielleicht aufgrund seiner Musikgeschmacks nicht unmittelbar zu unterschreiben, wenn man biedere Schwiegermütterträume als Sympathiemaßstab nehmen würde. Doch es geht im Hause Dautel nicht um Eitelkeiten. Es geht um Wein. Doch es ist kompliziert. Denn Vater Ernst Dautel hat ihm nicht nur wohlklingende Lagen übergeben, sondern vielmehr eine wertvolle ideologische Perspektive: Freisinn. Das zeigt sich bereits am Traubenspiegel. Eine nahezu paritätische Gewichtung von Weiss – und Rotweinsorten im Portfolio zu haben, war und ist in Württemberg schon sehr frei gedacht. Es braucht eben mehr als eine dieser soliden Definitionen wie, Württemberg sei (nur) Lemberger. Nein, Württemberg kann wesentlich mehr. Und Württemberg braucht eben genau diese Freidenker, um mit und wegen diesen Menschen den Weinolymp zu erklimmen. Denn seine Weine sind bereits so gut, dass sie fast schon wieder langweilig werden könnten. Doch dem ist eben nicht so. Es ist ein eleganter und zugleich abenteuerreicher Spannungsbogen in den Weinen. Dem freien, unangepassten Denken sei dank.

Die Weine


2014 Freisinn Eins

Die Freisinnigkeit unter dem Namen „Freisinn Eins“ bringt den eingangs beschriebenen Willen, die Grenzen der Möglichkeiten auszuloten, in die Flasche. Dabei wird jedes Jahr etwas außergewöhnliches gewagt. Und es hat sensationell funktioniert. In der Flasche präsentiert sich die Rebsorte Kerner. Der Wein hat eine klare Frucht, die von feiner Säure begleitet wird. Das Holz ist harmonisch eingebunden. Am Gaumen zeigt sich ein angenehmes Spiel aus Pfirsich mit dezent kräutrigen Noten. So ein Wein ist Außenseiter – ein Weinmoment der ins Bewusstsein rückt. Leider gab es nur 240 Flaschen. Wir sind mehr als gespannt welche Momente der Freisinn Zwei dieses Jahr auslöst.

2014 Riesling Besigheimer Wurmberg

Pack mich an – ruft dieser Wein. Mit seiner Säure öffnet dieser Wein die volle Bandbreite der Geschmacksknospen. Trotzdem wirkt die Säure nicht opulent, sondern recht zart und fein mit burschikosem Rückrat. Dagegen steht zart und geschmeidig ein schönes, fruchtharmonisches Korsett aus Mandarine und einer leichten Grapefruitnote. Im Abgang dominiert die Säure und bleibt noch langanhaltend präsent.

2012 Lemberger Sonnenberg

Lemberg kann so gut… sein. Und tun. Eine grossartige Kühle strahlt dieser Wein aus. Zwar ist die Frucht intensiv, doch steht sie nicht allein in der Gaumenecke herum, sondern wird durch Mineralität und tertiären Noten nach Rauch und Würze spannend ergänzt. Hier zeigt sich, wie facettenreich Lemberger interpretiert werden können.

2012 Spätburgunder GG Kalkschupen 

Es geht nichts über diese Eleganz. Aber sie muß Spaß machen. Bei diesem Spätburgunder steht die Saftigkeit im Mittelpunkt seiner Existenz. Alles wirkt sehr animierend. Die Säure beisst zart zu, die Tannine wirken frisch und jung, die Frucht gibt Tiefe, die Mineralik bringt Schwung in den Wein. Das alles wird mit feiner Würze abgerundet. Ein schöner Wein in der Jugend. Ein großartiger Wein mit dem Alter.

Das Interview




Warm up. Entscheide, was ist Dir lieber:

-David Bowie oder Bob Marley?
Falsche Frage, die Antwort lautet: Rage against the machine (Lacht)

- Lemberger oder Riesling?
Sowohl als auch.

- Matrix oder La Stada – Das Lied der Strasse (Fellini)
Weder noch, ich bin kein Film-Junky.

Du kommst gerade aus Kuba zurück Zwar gibt es keinen Weinbau dort. Trotzdem gibt es etwas was Du für Dich mitgenommen hast?
Kaffee, Rum und Zigarren!

Nach dem Weinbau- und Önologiestudium in Geisenheim und Praktika in Australien, USA, Südafrika, Frankreich und Österreich kommst Du nach Württemberg zurück. Welche markanten Einflüsse der Regionen bindest Du heute bewusst in den Wein ein, um deine Weinphilosophie durchzusetzenden und dein Terroir bestens herauszuarbeiten?
Es hat sehr viel Spaß gemacht, in so vielen Weinländer und Betriebe zu arbeiten, da man aus jedem Land neue Inspiration, Ideen und Erfahrungen mitbringt. Es gibt kein Weingut auf dem ich gearbeitet habe, das ich im Nachhinein bereue. Ganz im Gegenteil. Überall habe ich tolle Menschen kennen gelernt und viel dazu gelernt. Am meisten geprägt hat mich wahrscheinlich jedoch das Burgund, was die sehr traditionelle Ausbaumethode angeht und die Finesse und Elegance der Weine.

Ihr habt einen relativ hohen Anteil an Weißweinsorten für Württemberg. Wenn du dich entscheiden musst, arbeitest du lieber mit Weiß- oder Rotweinen? Warum?
Die Vinifikation beim Rotwein ist schon noch etwas spannender, da man bei der Maischegärung ganz anders mit dem Wein in Kontakt kommt. Maische umpumpen, stoßen, schlussendlich dann die Holzküfe ausschaufeln … usw. Auf der anderen Seite, liebe ich Weißwein aber einfach zu sehr, um darauf verzichten zu können. Deswegen muss es beides sein!

Deine Dreadlocks. Alle reden darüber. Wir haben  schon einige Frauen gehört, die das richtig sexy finden. Schon einen Plan wann die abkommen oder schaffst Du es noch bis zur Rente?
Ich denke schon bis zur Rente. Aber da ich nicht vorhabe in Rente zu gehen, werden sie sich wohl doch noch länger halten müssen. (lacht)

Und wir würden auch gerne wissen: Gibt es neben der Ästhetik auch einen ideologischen Grund?Hier passt es wieder gut: Rage against the Machine!

Seit vielen Jahren wird ein Teil eurer Fläche als ökologische Bewirtschaftung genutzt, um zu sehen, wie es sich entwickelt. Hat es sich bewährt und wann wird komplett umgestellt?
Das nachhaltige Arbeiten im Weinberg hat bei uns höchste Priorität. Im Weinberg wird der Grundstein für qualitativ hochwertigen Wein gelegt. Alles andere was folgt, dient nur dazu, genau dies zu erhalten und schmeckbar zu machen. Daher haben wir uns schon sehr lange mit der ökologischen Bewirtschaftung auseinandergesetzt und bewirtschaften eine Teilfläche nach diesen Kriterien. Ziel war es nie, einen Ökoaufkleber auf die Flasche zu kleben oder ähnliches, sondern Erfahrungen zu sammeln und weiter zu kommen. Viele Punkte sind schon lange auf unserer gesamten Fläche übernommen worden. So verwenden wir z.B. schon seit Jahren keine Mineraldünger. Es gibt meiner Meinung nach aber auch Punkte, die man aus ökologischer Sicht kritisch hinterfragen muss. Daher werden wir uns auch in Zukunft die Freiheit nehmen, selbst zu entscheiden, was für uns und unsere Weinberge sinnvoll ist.

Eleganz, Reifepotential und Komplexität ist Maxime bei deinen Weinen. Kannst du diese Attribute auch in einen Orangewein bringen, wenn du wolltest. Vielleicht kommt da bald was?
Ist gerade in Arbeit und noch ein kleines Geheimnis. (lacht) Aber gut möglich, dass der Freisinn Zwei bald genau das ist.

Was ist der schönste Moment im Daily Business bei Dir?
Das Räumen der Schatzkammer. (freut sich)

Wir haben bei unserem letzten Besuch sehr schöne Statuen und Kunst  gesehen. Wer ist bei Euch kunstbegeistert, welche Statuen sind es und gibt es eine Verbindung zum Wein?
Wein und Kunst liegen nah beieinander. Sowohl Kunst- als auch Weinliebhaber sind Geniesser und haben einen gewissen Geschmack für Schönheit, Ästhetik und Kreativität. Mich hat damals, im Abitur-Leistungskurs, mein Kunstlehrer Herr Gnatzy sehr inspiriert und mein Interesse für Kunst geweckt. Außerdem laden wir bei unserer Jahrgangspräsentation im Frühling immer Künstler ein, um Wein und Kunst zu verbinden.

Coolstes Wein Label Ever?
Coche Dury. Hier vereinen sich Gegensätze. Sau geile Weine und abartig hässliche Etiketten (lacht).

Fotos: Andreas Durst & Martin Hecht