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Weingut Balzhäuser Rheinhessen Deutschland


Weingut Balzhäuser, Rheinhessen, Deutschland

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Johannes Balzhäuser legt sein Ohr auf die Erde. Es ist still. Sehr still. Der Wind zieht durch die Rebstöcke bis… Chardonnay! Johannes Ausruf hallt nach. Er klingt selbstsicher. Er klingt anders. Er klingt nach Enthusiasmus. Das ist der Tipping Point, den das Weingut Balzhäuser im Heute durchzieht. Klarheit der Idee. Enthusiasmus. Und Wille. Kann man das schmecken? Wenn man Wein als ein Spiegelbild für eine Idee und deren Umsetzung begreift, ja. Seine Weine sind durchweg reich an Substanz.  Sie sind bemerkenswert geradlinig und klar gedacht, aber niemals designed. Die Weine gewinnen je Klassifizierung an Komplexität, jedoch ohne Ihre Aussage zu verlieren, was sie sind und wo sie herkommen. Das steht für ein gutes Handling und Vision. Dann darf es auch ein Chardonnay oder Shiraz-Cabernet aus Rheinhessen geben. Mit einem Blick auf das von Johannes Balzhäuser selbst entworfene Etikett scheint alles logisch. Quer ist immer eine Frage der Perspektive, Geradlinigkeit bleibt.

Die Weine

2015 Riesling (Gutswein trocken)

Der erste von drei Gutsweinen. Was erwartet uns? Die Säurestruktur dominiert, bringt Schwung in den ersten Schluck und animiert. Klassische Pfirsich und Zitrusroten. Transparenz und Druck mit guter Länge.

2015 Grauburgunder (Gutswein trocken)

Schön das Spiel zwischen der protagonistisch wirkenden Würze und Frucht. Die Harmonie im Wein ist sehr gut herausgearbeitet. Grossartig ist hier der animierende Trinkfluss. Man will immer mehr.

2015 Chardonnay (Gutswein trocken)

Dieser Chardonnay rockt. Für einen Gutswein schon sehr komplex. Die safte Struktur wirkt wie ein Kopfkissen, auf dem sich in Harmonie Frucht und Säure einbetten. Animierendes Bukett und der Wein hält sich betörend am Gaumen.

2015 Kälbchen Riesling (Lagenwein trocken)

Riesling Bombe! Lage, Lage, Lage. Terroir so gut interpretiert und herausgearbeitet. Tief gräbt er sich an den Gaumen und bringt florierende Impulse von Frucht, Säure mit und wird durch Komplexität richtig interessant bis er sich wunderbar in Harmonie langsam im Mund auflöst. Immer mehr bitte.

Das Interview

Yay!  Rheinhessen ist “Silvanerland”. Wo ist er denn?

Es stimmt, dass Silvaner sehr wichtig für Rheinhessen ist. Die Sorte hat viel Potential, reizt mich persönlich aber nicht so sehr. Deshalb findet man ihn nicht in meiner Liste. Das heißt aber auch nicht, dass ich nicht den einen oder anderen Silvaner probiere und auch zu schätzen weiß.

Welchen Charakter gibt die Herkunft Alsheim in die Weine? 

Alsheim hat über 700 ha Rebfläche und ist damit eine der größten Weinbaugemeinden in Rheinhessen. Der Großteil der Alsheimer Lagen ruht auf Löß mit einer Mächtigkeit von teilweise über 10m. Weine aus diesen Lagen sind früh trinkreif mit einer ausgeprägten Frucht und haben gleichzeitig ein hohes Lagerpotential. Zudem sorgt der hohe Kalkgehalt des Bodens für eine sehr harmonische Säure, gerade beim Riesling.

Ein Teil der Alsheimer Gemarkung besteht aus flachen, sandigen und damit trockene Lagen in der Rheinebene, welche sich gut für einige Rotweinsorten eignen. Der Großteil der Fläche besteht jedoch aus Hanglagen und Terrassen mit sandigen Lehm aus Löß mit südlicher bzw. östlicher Ausrichtung.

Wein ist Emotion. Schmeckt oder schmeckt nicht. Dahinter steht aber Kalkül, eine Strategie – eine Arbeit eher ohne Improvisationsmomente. Was ist das Wichtigste in der Weinkreation und wo willst Du mit den Weinen hin?

Mit meinen Weinen versuche ich gerade die Emotionen anzusprechen. Hier nehme ich die Einstufung in Guts- Orts- und Lagenweine sehr ernst.

Wenn man einen meiner Gutsweine trinkt, soll dieser keineswegs zuerst die Gedanken und Emotionen auf sich lenken. Einer guter Gutswein soll in erster Linie Emotionen z.B. eines schönen Abends unterstützen und verstärken.

Wenn das erste Glas leer ist und ich Lust auf ein zweites habe, hat der Wein alles richtig gemacht. Bei der Kreation lege ich hier Wert auf einen reinen geradlinigen Sortencharakter.

Ortsweine werden schon bewusster ausgewählt. Hier achte ich darauf, dass die Vorzüge Alsheims schmeckbar werden. Eine intensive Frucht ist dabei wichtig genauso wie eine schmeckbare Struktur, die beispielsweise durch eine Lagerung im Holzfass geschaffen wird.

Mein Lagenwein ist mein Aushängeschild. Die Einzellage Alsheimer Frühmesse ist eine der Besten für Riesling. Der kalksteinhaltige Boden bringt eine unvergleichbare harmonische Säure. Eine selektive Handlese sorgt für absolut reifes und gesundes Lesegut, was wiederum eine lange Lagerung auf der Vollhefe ermöglicht. Das gibt dem Wein eine schöne Substanz und Länge.

Du verwendest auf Deinen Labels, welche Du selbst entwickelst und umgesetzt hast, die Farben Schwarz und Weiss und dazu einprägsame gerade Strukturlinien? Was hast Du Dir dabei gedacht?

Es gibt keinen größeren Kontrast als zwischen Schwarz und Weiss. Angeordnet als Streifen sorgt das für ein auffälliges Erscheinungsbild mit hohem Wiedererkennungswert.

Das Design ist zudem mit allen möglichen Farben kombinierbar, was es sehr vielseitig und zeitlos macht. Etikettendesign ist aktuell enorm wichtig und man stößt immer wieder auf wirklich gelungene und originelle Motive.

Doch viele von Ihnen sind durch die Farb- und Motivwahl sehr speziell und dadurch kurzlebig. Meine elementare Gestaltung sorgt ebenfalls für Prägnanz ist aber gleichzeitig ausbaubar, universeller und damit nachhaltiger.

Wo liegt Deiner Meinung nach der Schwerpunkt für die junge Generation als Winzer (in ihrer Arbeit) aber auch als Weinkonsument (in ihren Präferenzen)?

Meine Generation macht entgegen vieler Vermutungen nicht alles anders als die Vorherige. Es kommt auf die Ausgangssituation an. In meinem Fall hat mein Vater schon bei seinem Eintritt den Betrieb von der Fassweinproduktion auf Qualitätsweinbau und Flaschenweinproduktion umgestellt.

Viele meiner gleichaltrigen Kollegen müssen diesen Schritt jetzt erst selbst tun. Das kann man aber auch als Chance ansehen, da dies praktisch ein Neuanfang ist und man keine alten und festen Strukturen verändern muss.

In meinem Fall ist es die Besinnung auf das Wesentliche. Als direktvermarktender Winzer übernimmt man alle Aufgaben von der Weinbergsarbeit über die Herstellung der Weine, der Vermarktung bis hin zur Logistik. Das ist einerseits interessant, da so der Arbeitsalltag sehr vielseitig ist. Andererseits besteht die Gefahr, dass man vergisst, was seine Kernkompetenz ist: Weine kreieren.

Dazu passt, dass der heutige Weinkonsument sich nicht auf einen Winzer beschränken möchte und auf Vielseitigkeit setzt. Deshalb will ich mich noch mehr auf die Herstellung und Präsentation meiner Weine beschränken und die Vermarktung und Logistik an den Endkunden mehr und mehr in die Hände anderer geben.

Du hast schon viel im Chardonnay so viel, so gut gemacht. Warum ist es Deine Lieblingsrebsorte?

Chardonnay ist so vielseitig wie kaum eine andere Rebsorte. Je nach Herkunft oder Herstellungsweise kann er frisch und blumig sein. Oder reif, vielschichtig und erdig.

Meiner Meinung nach bietet Chardonnay mehr Spielraum in der Gestaltung, als die meisten anderen Rebsorten. Als Gutswein baue ich ihn pur und geradlinig aus. Kein Holz, keine Schnörkel bremsen den Trinkfluss.

In diesem Sommer kommt dann neu der Chardonnay Ortswein. Dieser wird deutlich vielschichtiger und komplexer sein. Dabei ergänzen sich die beiden je nach Situation.

Und ein neues Projekt soll glänzen: Shiraz/Syrah in Rheinhessen. Was können wir erwarten?

Shiraz lernte ich 2005 in Australien kennen und lieben als ich dort ein paar Monate auf einem Weingut arbeitete. Als ich dann voll im eigenen Betrieb eigestiegen bin, war klar, dass ich meinen eigenen Shiraz machen muss.

2015 gab es den ersten Ertrag. Jetzt nach einem Jahr im Barrique-Fass kommt der erste Shiraz-Cabernet auf die Flasche. Cabernet Sauvignon, der bei uns seit 1991 angebaut wird, ist ein idealer Partner für Shiraz. Er gibt der Assemblage Würze und Struktur, während der Shiraz für Frucht und Länge sorgt.

Mein 2015er Shiraz-Cabernet ist fein, nicht zu schwer und wird von einer dezenten Holznote elegant umrahmt. Ein Geheimtipp auf der ProWein 2017 ☺

Trust your taste, so könnte man auch Deine Empfehlung zu Deinen Weinen kurz als Botschaft formulieren. Also selbst probieren. Es gibt aber immer mehr Webportale, in denen Empfehlungen über ausgeklügelte Algorithmen laufen, die den Geschmack der Kunden genau treffen sollen. Welches Verkaufskonzept wird zukünftig für den Verkaufserfolg Deiner Marke stehen: Persönlichkeit oder Algorithmus?

Ich würde sagen, das Eine schließt das Andere nicht aus. Natürlich steckt in meinen Weinen viel von meiner Persönlichkeit. Im Wein genauso wie im Design.

Deswegen kann man meinen Weinen auch bestimmte Eigenschaften nachsagen. So können die entsprechenden Portale diese Weine auch einordnen. Und auch hier kommt ein Vorschlag nicht ohne eine Begründung aus.

Jede Empfehlung kommt mit der Story des Weines und seines Winzers. Dieser Entwicklung sehe ich also positiv entgegen.

Mit welchem Wein könnte man Dir eine Freude machen?

Mit einem, den ich noch nicht kenne. Ich bin immer bestrebt meinen Horizont zu erweitern. Bis jetzt habe ich noch viel zu wenige Weine dieser Welt probiert.

Last but not least: Welche Person/Wein/Ereignis war für Dich in den letzten 12 Monaten inspirierend und warum?

Das kann ich gar nicht auf eine einzige Person oder Ereignis beschränken. Es sind die Kollegen, denen ich zu den verschiedensten Gelegenheiten begegne. Das Schöne an meiner Generation ist der intensive Austausch mit den Kollegen. Dabei merkt man immer, dass es eben nicht den einen, richtigen Weg der Weinbereitung gibt.

Es werden viele verschiedene Ansätze verfolgt, die alle Weine hervorbringen für die es Fans gibt. Indem ich mich mit Kollegen austausche und deren Weine probiere, bilde ich mich weiter und kann mich weiter profilieren.

Besonders gern setze ich mich mit meiner Winzertruppe von weinblick5 zusammen. Bei der einen oder anderen Flasche Wein sind uns da schon gute Ideen gekommen.