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Interview Weingut Pfeffingen Pfalz Deutschland


Weingut Pfeffingen, Pfalz, Deutschland

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Riesling aus Deutschland ist Wohlgefühl. Die Rebsorte hat einen festen Wohnsitz in Deutschland, ein besonderes Heim in der Pfalz und eine Heimat im Weingut Pfeffingen. Riesling aus dem Weingut Pfeffingen hat viele überzeugt. Und wer überzeugt wurde, der glaubt. Doch Glaube ist nicht lediglich eindimensional auf die Vergangenheit bezogen. Glaube ist auch eine Grundhaltung des Vertrauens. Und das ist die Stärke von Doris, Jan und Karin Eymael vom Weingut Pfeffingen, die Ihre Arbeit immer mit dem Blick in die Zukunft verbinden. Das beweist die Scheurebe in der Gegenwart, die mit Vision und Handwerk zu einer der besten in Deutschland geführt wurde. Und so wird es auch sicher zukünftig beispielsweise der Rote Riesling sein, der mit Vertrauen in das eigene Terroir Ungstein überzeugen wird. In der Summe zeigt das Weingut Pfeffingen im Jetzt die Handschrift für eine klare und präzise Spiegelung des Terroirs und bleibt durch ihre Sichtweite für die Zukunft auch weiterhin ein Garant für dieses Niveau. Im Weingut Pfeffingen gilt dies für rot und weiß.


Die Weine

Ungstein Scheurebe trocken, 2016 

Wer an Scheurebe nicht recht glaubt, der wird mit dieser den letzten Zweifel verlieren, dass diese Rebsorte peripher sei. Die Dramaturgie entsteht zwischen einem komplexen Aroma und einer lebendigen Säure. Inmitten dieser Kontrapunkte schwingt die feine und sehr engmaschige Textur. Alles schwebt und bringt ein tolles Finish. Chapeau.

Ungstein Riesling Terra Rossa trocken, 2016

Dieser Ortswein zeigt was Boden und Handwerk schaffen. Die intensiv rot leuchtende Erde „Terra Rossa“ bringt viel Würze in den Wein. Alles wirkt sehr klar. Kraftvoll zieht sich die stoffig-cremige Textur durch den Gaumen, bleibt dabei frisch, denn die Säure gibt sich dezent und filigran und ist sehr gut auf die Balance abgestimmt. Klar auf den Punkt. Eben Pfeffingen.

Ungstein Roter Riesling -SP- trocken, 2016 (limitiert)

Es ist soweit. Debüt für den Roten Riesling aus der Selektion Pfeffingen Serie. Es ist ein besonderer Moment, denn das Weingut war das Erste in Rheinland-Pfalz, dass diese Sorte angebaut hat. Und nun endlich auf dem Markt. Die Mühe hat sich sehr gelohnt. Die Frucht wirkt noch sehr jung, während frisch geschnittene Kräuter im Bouquet und am Gaumen diesen Wein tragen. Die sehr lebendig, fast spitze Säure wird durch den Schmelz des Holzeinsatzes perfekt ausbalanciert. Für alle, die Rebsorten entdecken wollen, eine Bereicherung. 

Herrenberg Riesling GG trocken “Library Selection“, 2012 (limitiert 360 Flaschen)

Riesling ist eben aus der Pfalz Weltklasse. Mit einem großen Reifepotential auf den Schultern präsentiert sich die Library Selektion, die mindestens fünf Jahre kühl und dunkel im Weinkeller des Hauses lagern, mit unglaublicher Präzision, das durch die Reife an Komplexität gewinnt. Die Mineralik trägt klar den Wein, die jedoch immer wieder durch die Komplexität von Frucht, Säure und Holznoten attackiert wird. Ein extrem spannender Wein, der durch die Mineralik straff wirkt, jedoch durch die Reife der Komponenten den Wein in eine übergeordnete Dimension schiessen. Buch weglegen und geniessen!


Das Interview

Ihre Botschaft ist einfach: Spaß und Trinkfreude durch Ihre Weine den Menschen vermitteln zu wollen. Was brauchen Weine um zu berühren?

 Man kann viele Worte um Wein machen, das Wichtigste ist jedoch, dass er den Menschen schmeckt, sie begeistert und dabei Lust auf mehr macht. Um nachhaltig in Erinnerung zu bleiben, müssen meine Weine individuell sein, Charakter zeigen und dadurch wiedererkennbar sein.

Und nun anders herum: Welche Weine berühren Sie, da Sie doch mit über 700 internationalen Weinen im Weinkeller sicherlich sehr flexibel entscheiden können?

 Mein privater Weinkeller hat tatsächlich einiges zu bieten. Geschmacklich bin ich sehr flexibel, es gibt wenig, was ich überhaupt nicht mag. In den letzten Jahren stehe ich zunehmend auf Weine mit Eleganz und Finesse, weniger auf Kraft und Wucht.

Meine derzeitige internationalen Lieblingsweine sind Spätburgunder, Sangiovese und weiße Bordeaux.

Geben Sie uns doch einen „Eynblick“ und eine „Ausblick“ auf die Marke Pfeffingen.

 Die Marke Pfeffingen haben wir eigentlich erst 2005 im Zuge unseres Marketing-Relaunchs etabliert. Vorher standen die Namen der Familien Fuhrmann und Eymael mehr im Vordergrund. Sicher hatte eine so deutliche Neupositionierung Vor- wie Nachteile. Insgesamt habe ich aber nichts bereut und würde es sofort wieder so tun.

In Zukunft möchte ich die Marke stärker in der Gastronomie aufbauen (aktuell verstärkt in München, Berlin und Ruhrgebiet). Aber auch international (derzeit 15 verschied. Exportmärkte) soll “Pfeffingen” zum Sinnbild für hochwertige, individuelle Weine aus der Pfalz werden.

 Die Scheurebe ist bei Ihnen einer der wichtigsten Rebsorten. Was machen Sie anders, sodass Ihre Scheurebe zu einer der besten in Deutschland gehört?

 Nun, die Familie hat fast 60 Jahre Erfahrung mit dieser Sorte. Sie ist zur Leidenschaft, ja Passion geworden. Da kommt es nicht von irgendwoher, dass man mit der Sorte umzugehen weiß.

Schlüsselbegriffe sind hier für mich späte Reife, gute Lage, selektive Lese.

Im Juni kommt eine seltene aber spannende Rebsorte in den Verkauf. Die Sorte „Roter Riesling“, die Sie als erster in Rheinland-Pfalz angebaut haben. Was sind die Stärken und warum wurde sie wieder zum Leben erweckt?

 Das geht alles auf Opas alten Rebstock zurück. In den achtziger Jahren hat mein Großvater Karl Fuhrmann einen extrem seltenen Rebstock dieses Roten Rieslings in seinem Weinberg entdeckt.

Der Rote Riesling ist eine spontane Mutation des Weißen Rieslings und gilt als die “Ursorte”. Aus diesem alten Rebstock habe ich vor einigen Jahren einen neuen Bestand mittels Vermehrung aufgebaut. 2015 hatten wir dann den ersten Ertrag, der allerdings innerhalb eines Tages ausverkauft war.

Der Rote Riesling hat sich im Anbau als äußerst interessant erwiesen, er ist deutlich widerstandsfähiger als sein weißer Verwandter. Die Säurestruktur ist harmonischer und die Aromatik würzig-kräutrig. Auf jeden Fall ein Weintyp mit Wiedererkennung.

Bleiben wir bei rot. Merlot ist der Träger der großen Bordeaux Weine. Auch bei Ihnen gibt es diese Rebsorte. Was wollen Sie erreichen?

 Bei meinen internationalen Stationen als Weinmacher (Kalifornien, Bordeaux und Australien) habe ich überall den Merlot angetroffen. Da war es nur eine Frage der Zeit bis mich dieses Thema auch hier begeisterte.

Ich weiß, dass es ein langer Weg ist, aber ich möchte zeigen, dass in der Pfalz große Rotweine wachsen können und wir nicht nur hervorragende Weißweine machen.

Das Herrenhaus des Weingutes und Teil des Weinberges stehen auf einem seit über 200 Jahren nicht mehr benutzten Kirchfriedhof. Eine Steilvorlage für unglaublich guten Boden?

 (lacht) Der Boden ist wirklich sehr fruchtbar! Wir pflanzen auf dem direkten Friedhof aber so gut wie keine Reben an (schmunzelt).

 Prägt dieser Ort der „Andacht“ auch persönlich? Wenn ja, wie?

 Pfeffingen ist ja ein kleiner Weiler inmitten der Weinberge nahe Bad Dürkheim. Er strahlt ein besonderes Flair aus, dass einen in den Bann ziehen kann. Für mich ist “Pfeffingen” natürlich Heimat, auf die ich sehr stolz bin.

Unser Rückzugsort in der Familie, der uns Ruhe und Kraft gibt, ist tatsächlich unser rückwärtiger Garten (der ehemalige Friedhof).

 Jede Weinregion macht Weine nach ihrer regionalen Kultur und ihrem Verständnis. Wo hat die Pfalz für Sie die Nase vorn und inwieweit der für das Weingut so bedeutende Standort Ungstein?

 Bei trockenem Riesling und Spätburgunder gehört die Pfalz für mich zur Spitze in Deutschland.Dabei spielt das kleine Dörfchen Ungstein mit seiner langen Tradition für Top-Weine eine gewisse Bedeutung. Immer wieder begeistern Ungsteiner Weine mit Eleganz, Harmonie, Druck und einer unverkennbaren (vom Kalkstein geprägten) Mineralität.

Lese ist einmal im Jahr. Das Jahr hat aber 365 Tage. Was ist ihr persönlicher Nervenkitzel und bestes Highlight im Jahr?

 Besonderer Nervenkitzel ist zur Zeit gerade im Juni angesagt. Es entwickeln sich heftige Gewitterfronten in der Rheinebene, die unsere Weinberge mit Hagel bedrohen. Da hofft und bangt man sehr regelmäßig.

Den positiven Nervenkitzel verspüre ich allerdings, wenn die Lese näher rückt. Eine tolle Zeit, in der viele Entscheidungen zu treffen sind. Ich mache mir da keinen Druck, sondern sehe eher die vielen Möglichkeiten.

 Für viele ist es eines der einprägsamsten Logos in der Pfalz. Was steckt hinter dem „Einhorn“?

 Das Einhorn ist Bestandteil unseres alten Familienwappens, das aus dem Jahre 1622 stammt. Da war es nur logisch, dass dieses Einhorn irgendwann zum Symbol der Pfeffinger Weine wird. Anmerkung: Das es mal so einen “Einhorn”-Hype gibt, haben wir 2005 als wir das Logo entwickelt haben, noch nicht absehen können. (lacht)