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Gehobene Schätze

15.15 Uhr. Zu dieser Uhrzeit betrete ich die Heeresbäckerei. Es klirrt, ein Glas fällt. Es wird sardonisch gelacht. Das schon um 15.15 Uhr? Natürlich, hier haben sich wissbegierige und händlertreue Konsumenten und Weinfans versammelt. Auf das sich die gusseisernen Stützen biegen, hier wir entdeckt, getroffen und manchmal nur gesoffen.

Die Weinkrake befindet sich mitten auf dem Jahrmarkt 2014, eine Veranstaltung gehosted vom Berliner Weinbund. Schwerpunkt lag dieses Mal auf dem Thema „Verborgene Schätze der Weinwelt“. Weine und Winzer, die abseits des Hot Spots stehen und deren Aufmerksamkeit bzw. Bekanntheitsgrad in der Öffentlichkeit bei Prozentpunkten liegen, die mit dem Promillegehalt eines alkoholfreien Bieres verglichen werden könnte. Dennoch ist die Thematik hot, denn in Berlin gibt es die neugierigsten Trinker der Republik, sagt die Weinkrake und umarmt gleichzeitig den Rest der Welt.

Mit der gewählten Thematik trifft der Weinbund den Zeitgeist. Es ist modern geworden, sich z.B. den autochthonen Rebsorten mehr zu widmen, mit Herstellungsverfahren zu experimentieren und damit Nischen zu bedienen, die Absatzpotentiale schaffen.

Glückskristall trifft auf Glücksperle

Abgesehen von guten und zu empfehlenden Entdeckungen aus dem Händlerportfolios für Portemonnaies Normalsterblicher fand ich das Special CheeseWalk gelungen. Ursula Heinzelmann gab die Richtung mit fünf Käsesorten vor und Holger Schwarz von Viniculture improvisierte was seine Expertise hergab. Ein schönes Geschmackserlebnis. Denn aus dem Stand einen Wein von verschiedenen Händlern zu finden, der eine anständige Wein-Käse-Performance abliefert, macht gute Laune. Mehr noch, denn Heinzelmann und Schwarz brachten unerwartete Kombis zusammen. Gaumenlambada.

 Repräsentativ?

Scannt man den Weinbund geografisch, dann fällt die Gewichtung einer eher Berlin-okzidentalisch geprägten Mitgliederkultur auf. “Dies liegt an der Gegebenheit von Zeit und Umstand aus der Historie heraus”, so Catharina d`Aprile vom Vinum-Team. Dem ist sicherlich so, jedoch fehlt der Weinkrake hier definitiv ein Querschnitt, der Berlin als Ganzes repräsentiert. Der Status quo ist der Weinkrake jedenfalls nicht zeitgemäß genug. Hier gibt es Nachholbedarf. Seitens des Weinbundes sowie seitens des Handels aus Gesamt-Berlin.

Gut Ding will Eile haben

Wie so oft, gibt es bei Weinverkostungen so viel zu Entdecken, dass man es einfach nicht schafft, alles nach Schema F zu verkosten. Anbei nennenswerte Tropfen, manchmal abseits des Mainstreams. Ihr könnt gerne mal beim Händler vorbeischauen, kosten und im Idealfall kaufen. Empfehlungen.

– Lacrima di Morro d’Alba DOC, «Barbarossa», Az. Agr. Romagnoli, Marken, 2013, www.weinkeller-berlin.de
– Pacherenc du Vic-Bilh AOP, sec Odé d’Aydie, Famille Laplace,2013, www.weinkeller-berlin.de
– Rheingauer Gemischter Satz feinherb Qualitätswein, 2013, www.weinkeller-berlin.de
– Boal Reserva 50cl, Madeira DOC, Vinhos Barbeito, www.portwine.de/shop/
- Steinacker Chardonnay, Qualitätswein trocken, Weingut Markus Schneider, Pfalz, 2013, www.weinundglas.com
- Clos Floridene Blanc, Florence Dubourdieu, Graves A. C., 2010, www.vinumberlin.de
- Vitatge Vielh de Lapeyre, Jurançon AC Sec, 2010, www.vinumberlin.de
- Sancerre «Akméniné» Sébastien Riffault, Loire, 2011, www.viniculture.de
- «Corvée de Trousseau» Domaine de l`Octavin, Jura, 2013, www.viniculture.de
- Vino Chinato Mauro Vergano, Piemont, 50 cl, www.viniculture.de
- Ramnista O.P.A.P., Xinomavro, Kir – Yianni, Naoussa, Makedonien, 2010, www.symposio.com/weinhandlung

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